Kreis Düren: Hospizbewegung feiert Jubiläum: „Das Sterben ist ein Teil des Lebens“

Kreis Düren : Hospizbewegung feiert Jubiläum: „Das Sterben ist ein Teil des Lebens“

Es war Weihnachten 1985. Die Mutter wollte das gute Kleid anziehen, eine Kette umlegen und nett frisiert sein. Für den päpstlichen Segen im Fernsehen. Danach sagte sie zu ihrem Sohn: „Ich werde bald sterben. Wir müssen noch ein paar Dinge besprechen.” Das taten die beiden auch, und kurz darauf starb die Mutter.

Jetzt hat der Sohn über dieses Ereignis auf der Jubiläumsveranstaltung der Hospizbewegung Düren-Jülich gesprochen, die seit 25 Jahren tätig ist.

Der Sohn ist Franz Müntefering, seines Zeichens Bundesminister a.D. „Sterben in dieser Zeit” heißt sein Vortrag. Mit diesem Thema hat Müntefering sich intensiv auseinander gesetzt. Nicht zuletzt, weil er seine Frau Ankepetra während ihrer letzten Phase begleitete.

„Sterben ist ein Teil des Lebens, man darf nicht davor weglaufen”, sagte der SPD-Politiker. Früher sei zuhause gestorben worden, der Sarg sei auf einem Pferdewagen durch den Ort gezogen worden und alle hätten Abschied genommen.

Das habe sich geändert. „Aber fragt man die Menschen, wo sie sterben wollen, dann antworten die meisten: ‘Zuhause’.” Der Staat, die Gesellschaft und jeder Einzelne seien verantwortlich für die Sterbebegleitung und die Sorgekultur: „Aber ob die Menschen solidarisch sind, das kann der Staat nicht erzwingen.“ Müntefering empfiehlt pflegenden Angehörigen, sich Hilfe bei Fachleuten zu holen. Dabei lobte er die hervorragende Arbeit der Dürener um Gerda Graf, Ulla von Gagern, Dr. Hans-Heinrich Krause, Dr. Martin Franke und vielen anderen.

Unter den Gratulanten war auch NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Der christdemokratische Politiker lobte das ehrenamtliche Engagement der vielen Hospiz-Helfer nicht nur in Düren. Das sei ein Zeichen dafür, „dass die Gesellschaft nicht nur egoistisch ist.”

(wey)
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