Düren: Hospizbewegung feiert 20. Geburtstag

Düren: Hospizbewegung feiert 20. Geburtstag

Stolze sechs Stunden lang haben sie gefeiert — und das bei bester Laune, obwohl (oder vielleicht gerade weil) sie ein sehr ernstes Anliegen vertreten: Ehrenamtler und fest angestellte Mitarbeiter der Hospizbewegung Düren-Jülich begingen im Haus der Stadt deren 20-jähriges Bestehen.

Fachlich fundierte Vorträge und künstlerische Darbietung von verschiedener Art gaben dem Festakt am Samstag einen ambitionierten Rahmen. Einen Tag zuvor hatte die ehemalige Bundesjustizministerin und langjährige SPD-Abgeordnete Herta Däubler-Gmelin ihre Zuhörer im Saal der Evangelischen Gemeinde mit ihren Gedanken zur Wahrung von Menschenwürde und Selbstbestimmung in der letzten Lebensphase bekannt gemacht. Von der Zweiten Vorsitzenden der Hospizbewegung, Gerda Graf, ausgesprochen warmherzig eingeführt („Sie gehört zu den Menschen, die unsere Arbeit seit 20 Jahren unterstützen“), revanchierte sich die Juristin aus Schwaben umgehend für die Freundlichkeit und bezeichnete die Zusammenarbeit mit Graf in ihrer Eigenschaft als Bundesvorsitzende (1997-2006) und heutige Ehrenvorsitzende des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes (DHPV) als „menschlich ausgesprochen angenehm“.

„Hospizarbeit ist Friedensarbeit“, ist Professor Andreas Heller überzeugt.

Der sogenannten Aktiven Sterbehilfe, in deren Rahmen ein Mensch auf dessen tatsächlichen oder vermuteten Wunsch hin den Tod aus fremder Hand erhält, erteilt die überzeugte Christin eine entschiedene Absage — und auch dem Selbstmord um der Verkürzung der Leiden willen: „Was Medizin kann, ist heute so unendlich viel mehr.“ Entschieden plädierte die Sozialdemokratin zudem dafür, eine Patientenverfügung zu erstellen und diese dann mit einer Betreuungsvollmacht zu verknüpfen.

Ihren eigentlichen Festvortrag Tags darauf formulierte Herta Däubler Gmelin sehr viel handfester politisch. „Wo ist die Übertragung von Menschenrechten und Menschenwürde dieser Menschen?“, fragte sie rhetorisch im Hinblick auf die sterbenskranken Männer und Frauen, um die sich die Aktiven der Hospizbewegung täglich kümmern. In ihrer Schlussfolgerung machte die Rednerin Mut zum zupackenden Handeln: „Das passiert nur, wenn wir uns einmischen.“ Dabei übte Däubler-Gmelin wohldosierte Kulturkritik: „Der Tod ist aus dem Alltagsleben weitgehend verschwunden“, merkte sie an.

Umrahmt von mehreren künstlerischen Beiträgen, darunter Auftritten der Sängerin Katharina Bergrath (als Begleiter am Klavier: Johannes Esser) und eine Lesung des Schauspielers Walter Renneisen, gab es indes noch mehrere Ansätze zur Standortbestimmung. Dr. Martin Franke, der Vorsitzende, hatte dabei die Männer und Frauen im Saal im Blickfeld: „Die Hospizbewegung hat viele Gesichter — Sie brauchen sich nur einmal links und rechts umzuschauen.“

Professor Andreas Heller aus Klagenfurt nahm „Hospeace — die gesellschaftliche Kraft der Hospizbewegung“ unter die Lupe. In der Dürener Initiative und ähnlichen Organisationen sah der Wahl-Österreicher eine „soziale Bewegung, die eine gesellschaftliche Thematisierungsleistung erbracht hat“. Was das genau heißt, erklärte der Hochschullehrer aus der Kärntener Landeshauptstadt prompt: „Sie hat Sterben und Trauer auf die Tagesordnung der Gesellschaft gesetzt.“ „Sterbende sind Menschen, zu denen man eine Beziehung aufbauen kann“, stellte der Gast außerdem fest und definierte überdies: „Wenn die moderne Medizin dem Tod den Krieg erklärt, versucht die Hospizbewegung, mit ihm Frieden zu schließen.“

Mit der Verleihung des Ehrenpreises der Hospizbewegung Düren an Nicole Savelsberg (Aids-Beratung im Kreishaus) klang der Festakt — von einem Beatles-Programm mit Elmar Valter und Peter Bernards abgesehen — aus. Zuvor hatte sich mit Marlene Rupprecht auch die neue DHPV-Bundesvorsitzende in Düren vorgestellt.