Heimbach/Düren: Hohe Geldstrafe für Raser, der ohne Führerschein geflohen ist

Heimbach/Düren : Hohe Geldstrafe für Raser, der ohne Führerschein geflohen ist

Wenn ein erfahrener Motorradpolizist eine Verfolgungsjagd abbricht, weil es zu gefährlich wird, muss es sich um einen Extremfall handeln. Dieser Extremfall war am 9. April, einem Sonntag zu Beginn der Motorradsaison, ein 40-jähriger Motorradraser aus Elsdorf.

Mit bis zu 190 Kilometern pro Stunde hat er sich auf der L249 zwischen Heimbach und Nideggen einer Kontrolle entzogen, sogar in einer Tempo-30-Zone auf bis zu 140 Sachen beschleunigt. In Höhe Abenden gab der Motorradpolizist klein bei. Der Mann ist nun per Strafbefehl verurteilt worden, die Strafe wurde also ohne Gerichtsverfahren ausgesprochen. Er muss 2400 Euro Geldbuße zahlen und darf, sobald der Strafbefehl rechtskräftig ist, nach 18 Monaten seinen Führerschein neu beantragen.

Verurteilt wurde der Mann, weil er gefahren ist, ohne einen Führerschein zu besitzen. Das war offensichtlich auch der Grund, warum der Elsdorfer überhaupt erst vor der Kontrolle floh. Der hatte bereits in der Vergangenheit seinen Führerschein abgeben müssen, weil er wegen schwerer Verstöße im Straßenverkehr aufgefallen war.

Der Motorradpolizist wollte den 40-Jährigen und einen 28-jährigen Bergheimer anhalten, weil sie zu schnell gefahren waren und Überholverbote missachteten. Der Bergheimer stoppte auch, über das Kennzeichen ermittelte die Polizei den Flüchtigen.

Von einer Verkehrsgefährdung, die eine höhere Maximalstrafe als das Fahren ohne Fahrerlaubnis nach sich zieht, ist im Strafbefehl gegen den Elsdorfer keine Rede. Trotz der waghalsigen Manöver des Flüchtigen lag an dem 9. April anscheinend keine konkrete Gefährdung vor. „Strafrechtlich geht es nur um den Vorwurf des Fahrens ohne Fahrerlaubnis“, bestätigte Dr. Daniel Kurth, Pressesprecher des Aachener Amtsgerichtes.

Das Motorrad des Mannes beziehungsweise die Schlüssel wurden damals nicht eingezogen, weil der Elsdorfer nicht auf frischer Tat vor Ort angehalten wurde. Richter Kurth sei auf Anfrage auch nicht bekannt, dass Rasern in ähnlichen Fällen im Nachhinein das Motorrad abgenommen worden ist.

Die Geldbuße von 2400 Euro ist in 80 Tagessätze à 30 Euro unterteilt. Damit bleibt der Elsdorfer nicht vorbestraft; erst ab 91 Tagessätzen ist das der Fall. Die Geldbuße richtet sich immer nach dem Nettoeinkommen des Angeklagten. „Diese hohe Geldbuße und die 18-monatige Sperrfrist sind nicht unbeachtlich“, betont der Dürener Anwalt Roman Buschbell.

Bei einer Trunkenheitsfahrt würden in der Regel neun Monate Sperrfrist ausgesprochen, je höher die Promillezahl, desto länger auch die Frist — bei zwei Promille Alkohol im Blut kann die Frist laut Buschbell bei einem Jahr liegen.

Härtere Strafe gefordert

Der Dürener ist Experte für Verkehrsrecht und Opferschutz und Vorsitzender der Deutschen Interessengemeinschaft für Verkehrsunfallopfer (DIVO), die ihren Sitz in Düren hat. Buschbell hatte im April je nach Sachlage der Vergehen zumindest eine Bewährungsstrafe gefordert, da es sich „um einen 40- und nicht um einen 18-Jährigen“ gehandelt hat.

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