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Hoesch Design: Neue Bestimmung für das Stammhaus

Hoesch Design in Kreuzau : Neue Bestimmung für das Stammhaus

Im vergangenen Jahr hat die Firma Hoesch Design ihr 275-jähriges Bestehen gefeiert. Im Jahr 1742 haben Ludolf Hoesch und seine Ehefrau Elisabeth Schoeller das Traditions-Unternehmen gegründet. Das Stammhaus von einst steht immer noch in Schneidhausen. Jetzt gibt es Pläne, es der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Erste Gespräche mit der Kreuzauer Politik und dem Heimat- und Geschichtsverein der Gemeinde wurden bereits geführt.

Im Rahmen der Vorbereitungen auf das Betriebsjubiläum haben Beate Chlosta, Geschäftsführerin der Hoesch Design GmbH, und Rolf Michel, Prokurist, ein kulturhistorisches Gutachten in Auftrag gegeben. Rolf Michael, Prokurist von Hoesch Design: „Es war uns gar nicht bewusst, was für eine Besonderheit wir auf unserem Firmengelände haben. Unser Stammhaus aus dem Jahr 1742 ist eine der ältesten frühindustriellen Anlagen auf dem europäischen Kontinent.“

Das Werksgelände in Kreuzau ist insgesamt rund 18 000 Quadratmeter groß und beherbergt die Verwaltung, Logistik und Produktion von Badewannen. Seit 2005 gehört das Unternehmen zum polnischen Konzern Podraza. Außer in Polen und Kreuzau, übrigens dem einzigen deutschen Standort des Unternehmens, gibt es noch ein Werk in Frankreich, in dem Duschabtrennungen hergestellt werden. Geschäftsführerin Beate Chlosta erklärt: „Natürlich ist es wichtig, das große Gelände für unser Unternehmen effektiv zu nutzen. Gleichzeitig sind wir uns aber der immensen Verantwortung, die so ein historisches Gebäude bedeutet, sehr bewusst.“  Auch der polnischen Familie Podraza ist es wichtig, dass Geschichte erlebbar bleibt. Deshalb engagiert sie sich in Polen sehr in Sachen Denkmalschutz. Chlosta: „Wir haben mit unserem Stammhaus und auch mit der ‚Villa Shneidhausen’, die ebenfalls auf dem Betriebsgelände steht, zwei echte Raritäten. Damit müssen wir sehr behutsam umgehen. Das sieht auch unser Mutterkonzern so.“

In einem ersten Schritt soll die „Villa Schneidhausen“, im Volksmund auch „Rote Villa“ genannt und ebenfalls Teil des Betriebsgeländes, renoviert und in Wohn- und Geschäftsräume umgebaut werden. Aber auch für das Stammhaus, das mit seiner denkmalgeschützten Fassade ein echtes Kleinod ist, gibt es erste Überlegungen. „Aber noch keine konkreten Pläne“, betont Beate Chlosta. „Das ist ganz entscheidend. Wir haben so früh wie möglich die Politik in Kreuzau und auch den Heimat- und Geschichtsverein informiert und möchten alle Verantwortlichen in unsere Planungen einbeziehen. Das soll kein Alleingang werden.“

„Kein musealer Charakter“

Es ist Beate Chlosta wichtig, dass das historische Gebäude der Alllgemeinheit zugänglich ist, dass es lebt. „Es soll keinen musealen Charakter haben“, sagt sie. Die Geschäftsführerin kann sich vorstellen, dass in dem alten Gemäuer standesamtliche Trauungen stattfinden. Denkbar ist zudem, dass im Zuge das geplanten Ausbaus des Rurufer-Radweges in Höhe der Firma Hoesch ein Infopunkt entsteht. „Dieses Gelände“, sagt Rolf Michel, „ist geradezu ideal für eine touristische Erschließung.“

Übrigens ist das Gebäude nicht allein aufgrund seines Alters besonders. „Es gibt zwei gleichwertige Haustüren“, erzählt Beate Chlosta. „Eine mit den Initialen von Ludolf Hoesch und eine mit den Initialen seiner Ehefrau Elisabeth Schoeller. Die Tatsache, dass die Frau eine eigene Eingangstür hatte, die mit der des Mannes absolut identisch ist, spricht für ein modernes Unternehmerpaar mit viel Weitsicht.“

Gut hundert Jahre nach der Gründung des Unternehmens in Kreuzau wurde auf dem Betriebsgelände ein großer Park  angelegt. Außerdem gab es ein „Parkrestaurant“, das noch bis in die 1980er Jahre existiert hat. „Wir haben eine Einkaufsliste vom 20. März 1866 gefunden“, erklärt Beate Chlosta. „Damals hat man in der ‚Königlichen Gärtnerei Düsseldorf’ Pflanzen für diesen Park gekauft.“ Die Anlage existiert noch heute und sei, so formuliert es Chlosta, „etwas aus der Form geraten“. „Es gibt dort ein historisches Lindenrondell, und mit einem uralten Tulpenbaum ein echtes Naturdenkmal.“ Natürlich, ergänzt die Geschäftsführerin, sei das mehr als erhaltenswert. „Um daraus aber wieder eine öffentliche Parkanlage machen zu können, braucht es beispielsweise besondere Sicherheitsmaßnahmen. Das können wir als Unternehmen alleine nicht stemmen.“ Chlosta und Michel sind für Anregungen, aber auch für konkrete Vorschläge für Park und Stammhaus dankbar. „Wir können uns auch vorstellen, dass hier wieder eine Gastronomie entsteht“, sagt die Geschäftsführerin. „Interessenten können sich jederzeit bei uns melden.“