Düren: Höher und heißer, aber weniger Umsatz: Die Annakirmes 2018

Düren : Höher und heißer, aber weniger Umsatz: Die Annakirmes 2018

Als Jasmin Welter aus Oberzier und ihre Freundinnen vom Looping-Karussell „Infinity“ steigen, ist ihnen die Kirmesbegeisterung anzusehen. Es gibt in diesem Jahr viele hohe und wilde Fahrgeschäfte. „Das ist natürlich toll und Abwechslung ist für eine Kirmes sehr wichtig“, kommentiert die Siebzehnjährige.

Aber nicht nur die drei jungen Frauen bewerten das Angebot positiv. Auch zwei Mütter, die am Samstagnachmittag mit ihren Kindern auf dem Platz sind, loben: „Es gibt viele Karussells und Angebote für Kinder. Dass die Wasserbahn auf dem Platz ist, ist bei diesem Wetter natürlich genial.“

Wegen des neuen Abbrennplatzes war das Feuerwerk nicht überall gut zu sehen. Foto: ja

Denen, die nachmittags auf dem Platz ihre Runden drehen, passt es gut, dass von Gedränge keine Spur ist. Und eine kostenlose Extrarunde mit dem Karussell nehmen die meisten gerne. „Die Abende waren gut besucht, aber nachmittags war wegen der Hitze zu wenig los“, kommentieren Tobias Glaser vom „Infinity“ und Max Johannes Eberhard von der „Wilden Maus XXL“: „Ob Regen, Sturm oder Hitze — wir können nicht fliehen. Wir fordern aber auch keine Unterstützung von der Bundesregierung. Uns bleibt nur die Hoffnung, dass wir die Verluste der einen Veranstaltung mit den Gewinnen auf dem kommenden Festplatz kompensieren können“, sagt der 69-jährige Unternehmer. Auch Dürens Schaustellerchef Bert Cremer weiß, dass die „gut besuchten Abende die umsatzschwachen Tage nicht auffangen konnten.“

Für Hendrik Boos vom hohen Kettenkarussell „The Flyer“ sind die Umsätze deutlich hinter den Erwartungen für das „Schwergewicht Annakirmes“ zurückgeblieben. Seiner Meinung nach spielt dabei auch eine Überbesetzung des Platzes eine Rolle, zumal das Dürener Publikum vor allem wegen der Geselligkeit komme. Es waren also aus seiner Sicht zu viele neue und große Fahrgeschäfte auf den Platz. Boos war schon einmal mit einem Fahrgeschäft in Düren, das kleiner und wilder war. „Ich hatte einen ähnlichen Umsatz wie mit dem Flyer, der aber eine viel breitere Zielgruppe hat“, erklärt er. Der Kostenaufwand sei mit dem Flyer erheblich größer.

Dürens Schaustellerchef sieht diese Überbesetzung nicht, sondern verweist auf viel Lob für das Platzbild, von dem auch Hubert Cremer, der Vorsitzende des Steuerausschusses, spricht. „Eine Kirmes in dieser Liga muss eine Topbesetzung haben. So eine Besetzung wie in diesem Jahr geht aber sicherlich nicht immer“, sagt Bert Cremer.

„Die Skyline war dieses Jahr toll, das Lichtspiel phänomenal“, schwärmt auch Platzmeister Achim Greiff. Gleichwohl müsse man angesichts des großen Angebotes auch schauen, ob jeder Einzelne auf seine Kosten gekommen sei oder ob weniger nicht doch manchmal mehr sei. Die Annakirmes sei zwar eine große und beliebte Veranstaltung, von den Besucherzahlen aber eben doch nicht mit München oder Düsseldorf vergleichbar. „Die Leute können das Geld nur einmal ausgeben und müssen sich zwischen den Fahrgeschäften entscheiden“, erklärt Greiff.

Claudia Dreher-Vespermann ist mit der Kirmes zufrieden. „Gegen acht Uhr hat sich der Platz gut gefüllt und dann waren die Dürener auch unternehmungsfreudig, sind Karussell gefahren“, resümiert sie. Dass die Nachmittage schwach waren, kann sie niemandem verübeln. Und trotz der Querelen im Vorfeld, hat sie sich wieder beworben.

Wer glaubt, dass die Getränkestände in dieser Sommerwoche das Geschäft ihres Lebens gemacht haben, der irrt. „Die Kaufkraft war hitzebedingt einfach nicht da“, sagt Kirmesgastronom Bruno Dreßen. Nachmittags hätten mehrere Gruppen hitzebedingt ihre Reservierungen storniert, Großeltern hätten wegen der Hitze auf den Kirmesrundgang mit den Enkeln verzichtet. Dem Essen in den Pfannen hat das tagsüber nicht gut getan und auch abends sei weniger getrunken worden. „Die Leute kamen später auf den Platz. Wenn sie dann ihre gewohnte Runde drehen, verweilen sie überall kürzer“, erklärt Dreßen.

Aus Sicht der Stadt und der Feuerwehr ist die Kirmes recht ruhig verlaufen. Das DRK zählte bis Sonntagmittag 400 Hilfeleistungen und damit mehr als in anderen Jahren. Einen Großteil machten Insektenstiche aus, aber auch wegen Kreislaufproblemen rückten die Retter aus.

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