Düren: Hochhaus-Ersteigerung für Bauverein derzeit kein Thema

Düren: Hochhaus-Ersteigerung für Bauverein derzeit kein Thema

Im politischen Düren hat ein Schreiben von Stadtkämmerer Harald Sievers für Wirbel gesorgt. In dem an die Fraktionsvorsitzenden gerichteten Papier, das der DZ vorliegt, geht es um die Zwangsversteigerung von knapp 80 Prozent der Wohnungen im Hochhaus an der Bismarckstraße 1, die von der Sparkasse Köln/Bonn beantragt und beim ersten Termin Mitte Oktober mangels Kaufinteressenten vertagt wurde.

Sievers bedauert, dass es nicht gelungen sei, den Dürener Bauverein davon zu überzeugen, sich mit der Ersteigerung des Gebäudeanteils zu beschäftigen. Er regt einen politischen Antrag an, um auf den Bauverein einzuwirken, sich mit der Immobilie zu beschäftigen, und prangert an, dass der Bauverein weder eine Dividende zahle noch sich substanziell an der Stadtentwicklung beteilige.

Die AfD witterte umgehend einen Skandal, einen Vorgang von Untätigkeit sowohl auf der Ebene der Geschäftsführung als auch bei den Aufsichtratsmitgliedern. In einem Antrag an den Stadtrat fordert die AfD, die städtischen Aufsichtsratsmitglieder sollen den Vorstand des Bauvereins dazu bewegen, sich mit der Ersteigerung zu beschäftigen. Solle sich der Vorstand verweigern, müsse er entlassen werden, heißt es bei der AfD weiter.

Auf DZ-Anfrage betonte Dagmar Runge, Vorstandsvorsitzende des Bauvereins, dass bislang keine Initiative seitens der Stadt an sie herangetragen worden sei, sich mit der Ersteigerung zu befassen, sich der Bauverein aber sehr wohl bereits mit der Immobilie beschäftigt habe. Dabei sind aus Sicht Runges mannigfache Schwierigkeiten ans Tageslicht gekommen, die gegen ein Engagement sprechen würden. Sie verweist auf die komplexe Eigentumsstruktur, die eine hohe Hürde zum Beispiel für die dringend notwendige energetische Sanierung darstelle.

Zum Verkauf stehen nur 80 Prozent der Wohnungen, die übrigen 20 Prozent sowie das Dach und die Gewerbeflächen im Erdgeschoss gehören anderen Eigentümern. Ob der Mehrheitseigentümer seine Rechte am Ende durchsetzen könne, sei fraglich. Auch sei überhaupt nicht abzusehen, wie hoch der Sanierungswand sei und ob er über die Mieten kompensiert werden könne. Ihr Fazit: „Auch wenn die Stadt mit 80 Prozent Mehrheitsaktionär des Bauvereins ist, müssten wir uns ein Engagement sehr gut überlegen.“

Diese Sachlage ist auch im Rathaus bekannt, schließlich ist Baudezernernt Paul Zündorf auch Vorstandsmitglied des Bauverein. Warum Sievers trotzdem an die Fraktionschefs geschrieben hat, ist ungewiss.

(ja)
Mehr von Aachener Zeitung