Düren: Hilfe aus Düren für „Jacintas Kinder“

Düren : Hilfe aus Düren für „Jacintas Kinder“

Beim Laufen soll ja so mancher den Kopf frei bekommen. Bei Dorothe Heiß war es genau umgekehrt. Als sie vor acht Jahren in einer Gruppe mit Gleichgesinnten joggte, lernte sie die Sorgen des Vereins „Jacintas Kinder“ kennen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, geistig behinderte Kinder in der Dominikanischen Republik zu unterstützen. Seither teilt sie dessen Nöte, die sie von Düren aus zu lindern hilft.

Mittlerweile ist Dorothe Heiß mit ihrem Mann Stefan im Vorstand des Vereins tätig. Sie in der Öffentlichkeitsarbeit, er als Kassenprüfer. Laufkollegin und Sozialarbeiterin Christel Lammers war es, die ihr von der couragierten Pädagogin María Jacinta Torres erzählte, die 1987 die erste, 1989 die zweite Schule („Sonnenstrahl I und II“) für Kinder mit Down Syndrom und andere Beeinträchtigungen der kognitiven Fähigkeiten gegründet hatte.

„Ich habe bis zu meiner Begegnung mit Jacinta nicht gewusst, was geistig behinderte Kinder in der Dominikanischen Republik erleiden müssen“, erzählt Dorothe Heiß. „Noch in den 1980ern war es üblich, dass sie von ihren Familien vernachlässigt und manchmal sogar misshandelt wurden.“ Die Situation habe sich inzwischen ein wenig verbessert, auch durch das Engagement von María Jacinta Torres. In den von ihr gegründeten Schulen mit angeschlossenen Werkstätten hat das Team von Lehrern und Betreuern mehr als 4000 Kindern geholfen, sich sprachlich und körperlich weiter zu entwickeln und ihnen durch die Integration in lokale Betriebe oder Hilfe bei der Existenzgründung eine berufliche Perspektive gegeben. Dennoch gäbe es immer wieder Fälle wie den von Florangel, erzählt Dorothe Heiß.

Das mehrfach behinderte Mädchen sei von ihrer Mutter tagsüber an ein Tischbein gebunden worden. „Florangels Geschichte inspirierte María Jacinta Torres damals zur Gründung der ersten Schule. Sie klingt nach unvorstellbarer menschlicher Grausamkeit“ sagt Heiß. „Man darf aber nicht vergessen, dass die meisten Menschen in der Dominikanischen Republik sehr arm sind, selbst oftmals nicht lesen und sich daher auch nicht informieren können. Sie wissen sich schlicht nicht zu helfen. Geschweige denn können sie das ihnen fremd erscheinende Verhalten ihres Kindes einschätzen und damit umgehen. Oder es gibt einfach niemanden, der auf das Kind aufpassen könnte, während die Eltern arbeiten.“

Wie das Leben funktioniert

Ein paar Jahre nach Florangel hatte auch Narciso das Glück, an der Schule „Sonnenstrahl II“ in Villa Altagracia aufgenommen zu werden. Mit etwa 400 anderen Kindern lerne er dort nicht nur lesen und schreiben, betont die 50-jährige Dürenerin Heiß. Er erfahre vielmehr mit den Anderen, wie das Leben überhaupt funktioniere.

Stefan Heiß verdeutlicht diesen Punkt, indem er auf die schwierige Situation der Kinder vor Ort mit einem Beispiel aufmerksam macht: „In Santo Domingo ist das Meer nur ein paar Kilometer entfernt. Viele — auch nicht Behinderte — haben es noch nie gesehen.“ Er selbst sei dem Verein anfangs nur seiner Frau zuliebe beigetreten. Das änderte sich komplett, als das Ehepaar 2012 zum 25-jährigen Schul-Geburtstag des Lernzentrums „Sonnenstrahl I“ in die Dominikanische Republik reiste.

Nach der Jubiläums-Feier bat Schulgründerin María Jacinta Torres jeden aus Deutschland angereisten Förderer, eines der Kinder nach Hause zu begleiten. Zwei Dinge brannten sich ihm auf diesem Spaziergang durch die ärmsten der armen Viertel, durch die Favelas mit den notdürftig zusammen geschusterten Hütten, ein: Erstens: Die meisten Menschen in der Dominikanischen Republik seien bitterarm. Zweitens: Selbst wenn das zu Kriminalität verleite — in Begleitung eines „weißen Engels“ (so nennen die Einheimischen die Pädagogen des Projektes) brauche er um seine Sicherheit nie zu fürchten. Selbst der gröbste Kriminelle erkenne diese Autorität an. So wurde ihm schlagartig klar, erzählt er, dass es keine bessere Möglichkeit gäbe, als vor Ort zu helfen. Und dass diese Hilfe bitternötig sei.

Der Verein sei auf Hilfe aus Deutschland angewiesen, berichtet der 53-Jährige. Die Hilfe-Strukturen im Lande selbst seien undurchsichtig. Manchmal scheine auch Korruption im Spiel zu sein. Christel Lammers, die nicht nur Familie Heiß, sondern auch viele andere Unterstützer für die gute Sache gewinnen konnte, joggt übrigens mittlerweile nicht mehr im Rheinland. Sie ist ganz nach Santo Domingo gezogen, um vor Ort für die Kinder da zu sein. Und um Fundraising und Lobby-Arbeit zu betreiben. Um ihre Stelle, die bisher von der Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH) e.V. finanziert wurde, zu erhalten, benötigt der Verein „Jacintas Kinder“ dauerhaft verlässliche Spenden-Einkommen.

Wer das Projekt Sonnenstrahl unterstützen möchte, kann sich über eine E-Mail an info@jacintaskinder.de mit der Familie Heiß in Verbindung setzen.