Hermann Heuser strebt keine dritte Amtszeit in Niederzier an

Niederziers SPD-Bürgermeister : Hermann Heuser strebt keine dritte Amtszeit an

Der Kapitän geht von Bord. Nach reiflicher Überlegung auch im Kreise seiner Familie hat Niederziers Bürgermeister Hermann Heuser (SPD) entschieden, im kommenden Herbst auf eine neuerliche Kandidatur für den Chefsessel im Rathaus zu verzichten.

Heuser, der seine Partei und seine Kollegen bereits informiert hatte, wirkt bei der Bekanntgabe seines Entschlusses sichtlich erleichtert. Jetzt ist es raus, die Zeit bohrender Fragen zu seiner Zukunft vorbei.

Man merkt dem 64-Jährigen an, dass ihm die Entscheidung nach 48 Jahren im Dienst der Gemeinde Niederzier, davon die letzten zwölf an der Spitze, alles andere als leicht gefallen ist. „Aber sie ist endgültig, schweren Herzens“, betont Heuser, dankbar für das große Vertrauen, dass ihm die Bürger und die Politik in all den Jahren entgegengebracht haben. Ausschlaggebend sei ein kleiner gesundheitlicher Warnschuss vor zwei Jahren gewesen, erklärt der leidenschaftliche Alemannia-Fan. Aber nicht alleine. „Ich habe immer verurteilt, wenn Menschen an ihren Ämtern kleben“, betont er. Und genau das liegt ihm fern. Deshalb sei es auch nie ein Thema für ihn gewesen, 2020 noch einmal mit dem Hintergedanken anzutreten, ja auch nach zwei oder drei Jahren abtreten zu können. Nein, Heuser will den klaren Schnitt. „Es ist Zeit, für neue Impulse.“

Doch so weit ist es noch nicht. Wer Hermann Heuser kennt, der weiß, dass die Zeit des wehmütigen Rückblicks noch lange nicht begonnen hat, dass er in den verbleibenden Monaten noch einiges bewegen will. Der Masterplan zur städtebaulichen Entwicklung der sieben Ortschaften soll so schnell wie möglich das Licht der Welt erblicken und umgesetzt werden, mit der Aufstellung des neuen Flächennutzungsplanes will er auch noch die Weichen für die Entwicklung der Kommune nach dem Ende des Braunkohletagebaus stellen. Zwischen den beiden künftigen Restseen Inden und Hambach sei die Gemeinde Niederzier schließlich ein hervorragender Wohn- und Arbeitsplatz, ist Heuser überzeugt. „Entscheidend wird dabei sein, ob uns die Bezirksregierung weitere Wohn- und Gewerbeflächen zugestehen wird.“ Nur dann könne der Strukturwandel auch gelingen.

Das Trikot mit der Nummer Eins, dass ihm seine Stammtischfreunde nach seiner ersten Wahl zum Bürgermeister im Januar 2008 überreichten, hat ausgedient. Foto: ZVA/Jörg Abels

Mit der Erweiterung der Kita in Ellen will er den bereits vor Jahren eingeschlagenen Kurs beim Ausbau der Betreuungsplätze fortsetzen. Mittlerweile verfügt die Gemeinde über 486 Kita-Plätze, davon 112 für unter Dreijährige. Und auch bei der Schaffung von hochwertigem und bezahlbarem Wohnraum will er nach der konsequenten Umsetzung des von seinem Vorgänger konzipierten Projekts „Neue Mitte“ und des von ihm initiierten Weiherhof-Quartiers zwischen Niederzier und Oberzier noch weitere Akzente setzen, „in allen Ortschaften“. Das ist ihm wichtig.

Heuser ist froh darüber, dass es nach jahrelangen Bemühungen  gelungen ist, für die letzte Freifläche im Gewerbegebiet Rurbenden einen großen Sanitärlogistiker gewinnen zu können, „mit 300 Arbeitsplätzen eine der größten Ansiedlungen im Kreis Düren seit Jahren“, und dass die Gemeinde Niederzier mit dem „Brainergy-Park“ in Kooperation mit Jülich und Titz bereits ein vielversprechendes „Leuchtturmprojekt“ des Strukturwandels im Rheinischen Revier auf die Schiene gesetzt hat, das große Beachtung bei den Entscheidungsträgern in Bund und Land findet.

Die Richtung für die kommenden Jahre hat der scheidende Bürgermeister damit vorgegeben, wer den Kurs fortsetzen könnte, ist indes noch offen. Seitens der SPD, die seit 25 Jahren die Gestaltungsmehrheit im Niederzierer Rathaus hat, werden dem Fraktionsvorsitzenden Johannes Komp aus Niederzier Ambitionen nachgesagt, aus Reihen der Verwaltung scheint es nicht unwahrscheinlich, dass Heusers bisheriger Vertreter im Amt, der parteilose Dirk Lauterbach aus Oberzier, seinen Hut in den Ring werfen wird, eventuell sogar unterstützt von der CDU.