Schlich: Helfer in einer kleinen Oase inmitten des totalen Chaos

Schlich: Helfer in einer kleinen Oase inmitten des totalen Chaos

Christian Ehser ist zufrieden. Sein ehrenamtlicher Einsatz hat sich gelohnt. Fünf Wochen verbrachte der 21-jährige Helfer der DRK-Station Schlich im Erdbebengebiet von Haiti; als Techniker im DRK-Feldhospital in Carrefour, rund zehn Kilometer entfernt von der haitianischen Hauptstadt Port au Prince.

„Wir durften erleben, wie so viele Menschen unser Krankenhaus, eine kleine Oase inmitten des totalen Chaos, mit einem Lächeln verließen”, berichtet der 21-Jährige nach seiner Rückkehr. „Einen schöneren Dank kann es nicht geben.”

Christian Ehser kann sich noch gut an den Tag seiner Anreise erinnern: „Es war unerträglich heiß draußen, und wir kamen nur im Schneckentempo vorwärts, denn die Straßen waren verstopft und zerstört”, berichtet er. „Als wir dann im Fußballstadion von Carrefour ankamen, wo das DRK-Feldhospital steht, wurden uns die Prioritäten unserer Arbeit sehr schnell klar. Unser Krankenhaus musste für die Regenzeit vorbereitet werden.”

Vor allem mussten Drainagen gegraben und ein Abwassersystem entwickelt werden. Dafür mussten Ehser und seine lokalen Helfer rund 150 Kubikmeter Erdreich bewegen, mit bloßen Händen; und die Gräben mit Kies wieder auffüllen. „Der Kies kam wiederum aus einem lokalen Kieswerk, in dem hunderte Arbeiter aus einem Flussbett mit der Hand die Steine nach Größe sortierten und mit Eimern auf große Lkw verluden - nur ein kleines Beispiel dafür, wie einfach und arm das Leben in Haiti geführt werden muss”, erklärt der DRK-Helfer.

Die Arbeit am Drainagesystem aber war nicht die einzige, die auf die DRK-Helfer wartete. Christian Eher berichtet von weiteren Bereichen, um die sich das DRK im Feldhospital in Carrefour kümmert: die Stromversorgung, die Wasseraufbereitung und einen Schreinerei- und Hausmeisterservice. „Er baut Regale, Mülleimer, Zäune, Latrinen und überhaupt all das, was es nicht auf dem lokalen Markt gibt.”

Gleichzeitig versucht das DRK vor Ort, die vielen Einheimischen zu schulen, damit sie diese Arbeiten einmal alleine übernehmen können. „Die meisten von ihnen haben selbst alles durch das Erdbeben verloren. Oft haben sie gerade mal eine Plane, aus der sie eine Unterkunft gezimmert haben und unter dieser mit einer siebenköpfigen Familie leben”, hat Christian Ehser große Not erlebt. „In der Nacht ist es auch nicht immer ruhig auf den Straßen, was natürlich dann in absolutem Schlafmangel und Erschöpfung endet. Da ist von unserer Seite sehr viel Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen gefragt, wenn sie mal langsamer sind, als man es erwartet, oder sie viele Pausen machen.”

Und dabei verweist der Schlicher auch auf die permanente Hitze, die allen Helfern zu schaffen macht. „Zusätzlich heizen sich unsere Zelte, der einzige Schattenspender, den es gibt, tagsüber stark auf - manchmal bis zu 70 Grad Celsius.” Trotzdem zieht der 21-Jährige ein zufriedenes Fazit seines Einsätzen: „Ohne unsere Hilfe und das Feldhospital hätten viele Haitianer mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Überlebenschance gehabt.”

Bis Ende März 17.000 Patienten versorgt

Bis zum 31. März hat das DRK im Feldhospital in Carrefour 12.738 Patienten ambulant und über 4300 stationär versorgt. Zusätzlich fanden 485 Operationen und 320 Geburten statt.

Aus dem DRK-Kreisverband Düren waren zwei ehrenamtliche Helfer vor Ort: Neben Christian Ehser (zuständig für Trinkwasseraufbereitung und Technik) auch Mario Lennartz (IT und Telekommunikation).