Windkraft in Vlatten: Emotionale Debatte beim Bürgerdialog

Bürgerdialog zum Windpark-Ausbau : Dunkle Wolken über Vlatten

„Es wurde emotional, aber engagiert diskutiert“ – so lautete das Fazit von Heimbachs Bürgermeister Peter Cremer (parteilos) nach dem Bürgerdialog zu dem von der Erkelenzer Firma Wind Repowering beantragten Ausbau des Windparks Vlatten.

Dafür waren etwas mehr als 200 Menschen in der Jugendhalle zusammengekommen. Unter ihnen Verantwortliche der Erkelenzer Firma psm als Vertreter von acht Anlagenbetreibern, die mit der Repowering-Planung beauftragte Firma BMR aus Geilenkirchen, deren Gutachter und die Bürgerinitiativen „Vlatten läuft Sturm“ und „Berg läuft Sturm“ sowie zahlreiche Bürger aus den umliegenden Orten.

Das erklärte Ziel des Abends war laut Cremer „sachlich über das Für und Wider zu informieren“. Trotz einiger Zwischenrufe, Gelächter oder Szenenapplaus aus dem Publikum blieb es weitestgehend sachlich, die sich widersprechenden Aussagen von Befürwortern und Gegnern des Windparkausbaus dürften aber auch für Verwirrung gesorgt haben.

Gegensätzliche Ansichten

Symbolisch standen dafür die von beiden Parteien vorgeführten Bilder, die das Ausmaß der jetzigen und der geplanten Windräder und deren Erscheinungsbild in der Landschaft aufzeigen sollten. Auf den Fotos der Planer veränderte sich das Landschaftsbild mit den fünf Anlagen à 200 Metern Höhe im Vergleich zu den jetzigen acht Anlagen mit 100 bis 133 Metern nicht wesentlich. Die Bürgerinitiativen kritisierten die gewählten Standorte, von denen aus fotografiert worden ist, und zeigten ihrerseits Bilder, auf denen die Anlagen schon heute optisch einnehmender in den Himmel ragen.

Vor der eineinhalbstündigen Diskussion bekamen zunächst beide Seiten Zeit, ihre Perspektive darzustellen. Ein Mitarbeiter von BMR führte aus, dass die geplanten Anlagen statt den aktuellen 22 Millionen Kilowattstunden pro Jahr 55 Millionen produzieren sollen. Eine Neuheit sei eine automatische Abschaltung bei Fledermausflug und zu viel Schattenwurf. Wenn die Häuser mehr als 30 Minuten pro Tag oder acht Stunden im Jahr von Schattenwurf betroffen sind, soll sich die Anlage automatisch abschalten.

Auch die berechneten Schall­immissionen liegen laut den Planern unterhalb der Richtwerte. Es werde keine Dauerbeschallung bei 40 Dezibel geben, sondern im schlimmsten Falle 39 Dezibel – bei Mitwind in einer Geschwindigkeit von zehn Metern pro Sekunde.

In den Beiträgen der Bürgerinitiativen und der anschließenden Diskussion ernteten eben jene Gutachten für Schall und Schatten viel Kritik. Bezogen auf das Artenschutzgutachten sprach eine Vertreterin des NABU Euskirchen von „Ungereimtheiten“. Weitere Streitthemen waren der Denkmalschutz, die Asuwirkungen von Infraschall und die an die Stadt zu zahlende Gewerbesteuer sowie Pachtzahlungen.

Donnerstagabend beraten die Heimbacher Politiker, ob sie planungsrechtliche Einwände gegen das beantragte Repowering haben. Die endgültige Genehmigung obliegt dem Kreis Düren.

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