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200 Meter hohe Windräder: Investoren-Vertreter fallen bei Heimbacher Politik durch

200 Meter hohe Windräder : Investoren-Vertreter fallen bei Heimbacher Politik durch

Bei Vlatten sollen kleine, veraltete Windkraftanlagen ersetzt werden – gegen den Willen der Anwohner. Der Heimbacher Stadtrat gibt den Investorenvertretern wiederholt Hausaufgaben mit auf den Weg.

Wieder einmal hat ein geplantes Windkraft-Projekt im Heimbacher Stadtrat die meiste Zeit verschlissen. 50 Minuten lang beschäftigten sich die Politiker mit der angedachten Erneuerung von zwei Anlagen bei Vlatten, dem kleineren von zwei sogenannten Repowering-Vorhaben dieser Art. Einen schweren Stand in der Sitzung hatten die beiden Vertreter der Investorenfirma Abo Wind (Hauptsitz Wiesbaden, Niederlassung Dortmund). Michael Lohmann und Moritz Jans stellten die Pläne mit mehreren Visualisierungen bereits zum zweiten Mal vor – und müssen es wohl noch ein drittes Mal tun.

Wie nach dem ersten Vortrag bemängelten Ratsvertreter auch am Donnerstag, die ausgewählten Fotopunkte – also Stellen in Vlatten, von denen die 200 Meter hohen Windräder zu sehen seien oder auch nicht – würden die Realität nicht abbilden. Es gebe noch genügend andere Fixpunkte.

Investor verzichtet auf höhere Anlagen

Für eine Bürgerinitiative wie Politiker seien zwei 200 Meter hohe Anlagen (derzeit stehen in der Windkraftzone 2 zwischen Vlatten und Hergarten drei) zu massiv und den Anwohnern nicht zumutbar. Projektplaner Moritz Jans betonte indes: „Wir passen uns der benachbarten Planung an und gehen nicht über die 200 Meter, obwohl dies möglich wäre. Heutzutage werden auch Anlagen mit 265 Meter Höhe errichtet.“ Mit der benachbarten Planung meint Jans das Repowering-Projekt der Firma BMR aus dem Kreis Heinsberg, die in der Windkraftzone 1 bei Vlatten acht 135 Meter hohe Windräder mit fünf 200-Meter-Anlagen ersetzen will.

Jans zeigte mehrere Fotomontagen, die veranschaulichen sollten, welche optischen Auswirkungen die neuen Windenergieanlagen hätten. Dabei zeigte er auch Vergleiche von kleineren Anlagen – und merkte in Richtung der Politiker an: „Wenn Sie genau hinschauen, sehen Sie, dass die optischen Unterschiede sehr gering oder kaum zu erkennen sind.“ Zudem sei es für den Investor nicht wirtschaftlich, kleinere Anlagen etwa mit einer Höhe von 180 Metern zu errichten.

„Stellen Sie sich den konkreten Fragen“

Bürgermeister Jochen Weiler (CDU) sagte nach der Präsentation, das Unternehmen solle den Bürgern eine Veranstaltung anbieten, „einem breiten Publikum genügend Zeit geben“ und sich „den konkreten Fragen stellen“. Dazu sei man „grundsätzlich bereit“, erwiderte Projektplaner Jans. Ohnehin sei eine Webseite in Arbeit, auf der jeder Bürger und Interessierte seine Fragen und Bedenken mitteilen kann – und darauf auch Antworten bekäme. SPD-Vertreterin Ursula von Gagern blieb bei diesem Punkt beharrlich und sagte: „Wenn Sie nicht von der Höhe abweichen und keinen Spielraum haben, dann brauchen wir uns auch nicht mehr zusammensetzen.“

Die Stadtvertretung einigte sich zum Abschluss darauf, mit der Verwaltung bei Abo Wind zeitnah weitere Fotopunkte in Auftrag zu geben, um die optischen Auswirkungen des Repowering-Vorhabens möglichst ganzheitlich abzubilden. Wie die Investorenvertreter am Donnerstag betont haben, hoffen sie auf das Einvernehmen des Heimbacher Stadtrates. Die entscheidende Instanz ist jedoch der Kreis Düren als Genehmigungsbehörde.

Bei dem geplanten Repowering in der Windkraftzone 1 hatte der Stadtrat das Einvernehmen versagt, jedoch genehmigte der Kreis das Projekt aus rechtlichen Gründen (die Behörde hatte keine andere Wahl als die Genehmigung zu erteilen, sonst drohte eine hohe Schadenersatzklage). Dagegen wiederum hat die Stadt Heimbach geklagt – seitdem laufen außergerichtliche Gespräche zwischen Stadt, Investor und Kreis. Die Stadt hat das Ziel, den Bau von kleineren Anlagen zu erreichen.

(cro)