Heimbach brauch einen Hochwasserschutz für den gleichnamigen Bach

Hochwasserschutz : Der Heimbach passt nicht durch die Röhre

Der Heimbach passt zu dem Ort, dem er den Namen gab. Das Fließgewässer plätschert die meiste Zeit beschaulich dahin. „Und 70 Jahre hat er kein Hochwasser geführt, das durch den Ort geflossen wäre“, sagt Bürgermeister Peter Cremer (parteilos). Doch das ist keine Garantie bis in alle Ewigkeit. Bei einer Prüfung, die eigentlich einen ganz anderen Hintergrund hatte, haben Experten laut Cremer festgestellt, dass der Heimbach ein sogenanntes 100-jähriges Regenereignis nicht verkraften würde. Denn er ist unterhalb der Stadt verrohrt, bevor er in die Rur fließt. Dieses Nadelöhr ist schlicht zu klein.

Der Bachlauf wurde genauer betrachtet, als bei der Masterplanerstellung über eine Offenlegung nachgedacht wurde. Sie war für einen Teil der Hengebachstraße vorgeschlagen worden. „Um das Stadtbild und die Ökologie zu verbessern“, erklärt der Verwaltungsleiter die Motive, denn die engen Rohre im Untergrund der Kernstadt sind für Amphibien oder Fische nicht durchlässig. Die Offenlegung hätte aber so viele Probleme geschaffen, dass davon wieder Abstand genommen wurde. „Jetzt aber wissen wir, dass wir hier ein Hochwasserproblem haben und ein Schutzkonzept brauchen“, erklärt der Bürgermeister eine folgenschwere Erkenntnis. Denn die Schutzmaßnahmen wirbeln die Planung bei der laufenden Stadtkernsanierung durcheinander.

Im Stadtentwicklungsausschuss erläuterte Peter Cremer die Varianten, die realistischerweise in Betracht kommen: Das wäre zum einen der Bau eines Regenrückhaltebeckens vor Heimbach („In der Hillbach“). „Das trägt aber die Naturschutzbehörde nicht mit“, sagt Cremer, weil große Flächen mit richtigen Dämmen anzulegen wären. Möglich wäre es auch, das bestehende Heimbach-Rohr unter der Hengebachstraße durch ein größeres zu ersetzen. Das müsste aber einen Durchmesser von 1,60 Meter haben und wäre ein für Heimbacher Verhältnisse gewaltiger Eingriff mit Großbaustelle.

Von daher lässt sich der Hochwasserschutz in der kleinsten Stadt Nordrhein-Westfalens wohl nur mit einem Tunnel gewährleisten. Er müsste unter dem Altenberg von der Hengebachstraße aus und oberhalb der Klostermühle gebohrt werden und führt dann bis zum Kurpark. Das dürfte der tragfähige Vorschlag im Hochwasserschutzkonzept sein, das im Sommer vorliegen muss und dann mit den Behörden abzustimmen ist. Danach erst kann laut Cremer eine konkrete Planung inklusive wasserrechtlicher Verfahren stattfinden. Und bei einer Genehmigung müsste die Stadt Förderanträge stellen. „Das können wir selbst nicht bezahlen“, weiß der Bürgermeister einer finanziell nicht auf Rosen gebetteten Kommune bereits vor einer genauen Kostenschätzung. Kurzum: Das wird Jahre dauern, fünf bis acht mindestens.

Die Wassergeister, die die Stadt Heimbach gerufen hat, wird sie jedoch auch kurzfristig nicht los. Die im Rahmen des Masterplans vorgesehene Neugestaltung des Kurparks um den Musikpavillon kann vorerst nicht realisiert werden. Auch die Aufwertung der Hengebachstraße (vollständige Barrierefreiheit und verbesserte Aufenthaltsqualität) ergibt laut Peter Cremer keinen Sinn, solange der Hochwasserschutz noch eine Hängepartie ist.

Darüber herrschte im Stadtentwicklungsausschuss Einigkeit. Der erste Schritt der Stadtkernsanierung – das Erneuern der Ruruferpromenade vom Kreisverkehr bis zum Seerandweg – geht in die finale Phase und soll Anfang Juli fertig sein. Der Kurpark wird nur bis zur Kirschbrücke erneuert. Außerdem sollen die Rurterrasse und der Burghang wie geplant geschaffen beziehungsweise erneuert werden. Der sogenannte Rurbalkon hingegen kommt vorerst noch nicht, da hier der Heimbach in die Rur fließt und sich Veränderungen ergeben dürften.

Das Gesamtpaket Stadtkernsanierung bis zum geplanten Abschluss (Erneuerung Bahnhofumfeld und dem Einrichten eines Zentralen Omnibusbahnhofs) ist zeitlich und finanziell neu zu überdenken.

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