Eine Montessori-Schule im Kreis Düren?

Stadt will Heimbacher Infozentrum vermieten : Eine Montessori-Schule im Kreis Düren?

Der Verein „Freie Schule Eifel“ hat die Suche nach einer Heimat für eine reformpädagogische Ersatzschule – orientiert an Maria Montessoris pädagogischem Konzept – mit hoher Wahrscheinlichkeit erfolgreich beendet. Sie soll in Heimbach entstehen.

Der Stadtrat entscheidet am 12. September über einen Mietvertrag, der dem Verein das heutige Wasser-Info-Zentrum Eifel (WIZE) zur Nutzung überlässt und dann im Kreis Düren eine weitere Schulform entstehen lässt.

Im Haupt- und Finanzausschuss der Stadt hat es hierzu einen einstimmigen Empfehlungsbeschluss gegeben. Das Informationszentrum, das in besten Zeiten deutlich mehr als die zuletzt 4000 Besucher im Jahr hatte, würde geschlossen.

„Die Attraktivität ist zurückgegangen, es müsste was getan werden“, beschreibt Bürgermeister Peter Cremer den Ist-Zustand des Infozentrums. Um wieder deutlich mehr als 4000 Besucher zu gewinnen, wären neue Anreize vonnöten. Zuletzt sei jeder Gast dort von der Stadt mit rund 23 Euro bezuschusst worden. Diese Subventionen und Neuinvestitionen könnte sich die finanziell klamme Kommune im Fall einer Vermietung sparen. Zudem entspreche ein solches Vorgehen laut Cremer einem Auftrag der Kommunalpolitik. Bei der Haushaltsdebatte 2019 sei er aufgefordert worden, „Maßnahmen zur Reduzierung des Immobilienbestandes zu ergreifen“. Insofern spricht der Bürgermeister von einer „glücklichen Fügung“, dass der Verein „Freie Schule Eifel“ nach Räumen zur Errichtung einer Ersatzschule sucht, die nach den Grundsätzen der Montessori-Pädagogik arbeitet.

Ausreichend für vier Klassen

Bei einem Vertragsabschluss, an dem seit einigen Tagen unter Hochdruck gearbeitet wird, um bis zur Ratssitzung Einigung zu erzielen, profitiere die Stadt aber auf eine weitere Weise, sagt Cremer. Weil eine solche Schule oft Kinder aus einem weiteren Umfeld anziehe, komme es bei einem attraktiven Standort auch dazu, dass sich Familien ansiedeln.

Die Immobilie Wasser-Info-Zentrum reicht auf lange Sicht für die geplante Einrichtung nicht aus. Um vier Grundschulklassen unterzubringen, wären die 1100 Quadratmeter ausreichend. Ab Klasse 5 aber „müssen neue Räume geschaffen werden“, sagte der Bürgermeister am Mittwoch. Der Verein kalkuliert langfristig mit 13 Klassen à 20 Mädchen und Jungen, also insgesamt 260 Kindern.

In der nicht öffentlichen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses sind auch Bedenken der städtischen Grundschule Schönblick thematisiert worden. Das Kollegium habe mögliche Nachteile durch die Ansiedlung der „Freien Schule“ dargelegt, die laut Cremer „die Ausschussmitglieder aber nicht überzeugten“. Es sei fester Wille von Rat und Verwaltung in Heimbach, in den nächsten Jahren rund drei Millionen Euro in die Sanierung der einzigen Grundschule der Stadt zu investieren. Das umfasse neben der baulichen Ertüchtigung des Altbestandes auch Erweiterungen sowohl für den Regelschulbetrieb als auch die Offene Ganztagsschule.

Konzept „bewusst eigenwillig“

Der Verein „Freie Schule“ um die Schmidterin Verena Bauer hatte im Frühjahr noch bei einem Vorstellungstermin im Nideggener Rathaus davon gesprochen, dass die „Freie Schule“ nicht als Konkurrenz zu bestehenden Grundschulen zu betrachten sei. Das Konzept sei „bewusst eigenwillig und längst nicht für alle attraktiv“, so dass nur mit einem Anteil von zwei bis drei Prozent an Kindern aus der Heimatkommune zu rechnen sei.

Wenn der Stadtrat in Heimbach nächste Woche grünes Licht gibt, sind noch nicht alle Hürden genommen, aber eine erste hohe. Die geplante Ersatzschule, deren Finanzierung zu 87 Prozent vom Land getragen würde, muss eine Genehmigung der Bezirksregierung erhalten. Geeignete Räume, Fachpersonal und ein passendes Konzept sind da die Voraussetzungen. Der Stadtrat kommt am Donnerstag, 12. September, zu seiner Sitzung zusammen, die um 19 Uhr beginnt.

Mehr von Aachener Zeitung