Hambi-Diskussion mit Polizeipräsident Weinspach

Doku „Die Rote Linie“ : Hambi-Diskussion mit Polizeipräsident Weinspach

Katrin Henneberg von „Ende Gelände“, Oliver Krischer, Grünen-MdB, Polizeipräsident Dirk Weinspach und Waldführer Michael Zobel standen Rede und Antwort beim politischen Filmabend des Kreisverbandes der Grünen. Gezeigt wurde an dem Abend die Dokumentation über den Widerstand im Hambacher Forst.

Wenn der Grünen-Kreisverband zum politischen Filmabend einlädt, „Die Rote Linie“ zeigt und bei der anschließenden Diskussionsrunde auch der Aachener Polizeipräsident Dirk Weinspach mitredet, dann wird angeregt und emotional diskutiert. So geschehen am Dienstagabend im Lumen mit rund 80 Gästen.

Schon während des zweistündigen Dokumentarfilms, der über mehrere Jahre den Widerstand im Hambacher Forst darstellt und Waldbesetzer, Umweltschützer sowie Anwohner des Tagesbauumfeldes zu Wort kommen lässt, reagiert das Publikum lebhaft auf das Gesehene. Da wurde nach Aussagen vom RWE-Chef laut gelacht oder zustimmend applaudiert, wenn Waldbesetzer „Clumsy“ den Räumungsgrund „Brandschutz“ mit „Die machen sich zum Deppen“ kommentiert.

Die anschließende knapp eineinhalbstündige Diskussion haben nicht alle bis zum Ende verfolgt. Was einzelne dazu bewegte, den Saal zu verlassen, lässt sich nur spekulieren. Viele nutzten aber auch die Gelegenheit, laut ihre Meinung zu äußern, um Stellungnahmen zu bitten und Fragen zu stellen. Rede und Antwort standen Katrin Henneberg, Pressesprecherin von „Ende Gelände“, Oliver Krischer, Grünen-MdB, Polizeipräsident Dirk Weinspach und spontan kam auch Waldführer Michael Zobel hinzu, der mit seinem Engagement für den Erhalt des Forstes häufig im Film vorkam.

Der Polizeipräsident hat den Film bereits mehrfach gesehen und sagte am Dienstag: „Was da an Betroffenheit, an Emotion und Verletzung deutlich wird, dem kann man sich nicht entziehen. Das macht was mit einem.“ Er führte aber auch aus, dass mit dem von den Filmemachern gewählten Blickwinkel die Betroffenheit der Polizisten und derer, die RWE nahe stehen oder sich Sorgen machen, nicht dargestellt werde. „Die Region ist zwischen ganz unterschiedlichen Standpunkten zerrissen“, sagte Weinspach, dieser Aspekt käme im Film zu kurz.

Diese Äußerungen quittierten manche Gäste mit Zwischenrufen oder unflätigen Kommentaren. Wenig später applaudierten aber auch einige, als Weinspach mit Blick auf die Räumungsaktionen im Forst betonte: „Wir müssen gemeinsam alle Anstrengungen unternehmen, damit sich so etwas wie im letzten Jahr nicht wiederholen muss.“ Er sieht jetzt die Gelegenheit, für eine Befriedung zu sorgen. „Der Forst ist nicht von Rodung bedroht, vielleicht noch vom Abgraben des Grundwassers, aber da macht das Besetzen von Bäumen keinen Sinn“, meinte Weinspach. Auf den Zwischenruf aus dem Publikum, ob stattdessen die Pumpen besetzt werden sollten, antworte er: „Das ist nicht meine Empfehlung. Aber es besteht die Chance, den Druck aus der Situation zu nehmen und keinen Handlungszwang für die Polizei zu schaffen.“

Das Gespräch drehte sich um die Rolle der Polizei (siehe Kommentar), um Polizeigewalt, um den Einfluss von Konzernen auf die Politik aber auch um die zukünftigen Entwicklungen im Forst. „Ende Gelände“-Sprecherin Henneberg kündigte an: „Es gibt schon Strategien und Gespräche, wie wir das aufhalten wollen, wenn RWE Dörfer wegbaggert.“ Zunächst stünde aber eine Massenaktion in der Lausitz an. Dass es großen Handlungsbedarf gibt, betonte auch Zobel: „Ich werde immer wütender über den politischen Stillstand. Was passiert denn eigentlich genau ein Jahr nach dem Tod von Steffen Meyn?“, fragte er mit Verweis auf den tödlichen Unfall des aktivistischen Journalisten am 19. September 2018. „Der Hambi ist nicht gerettet“, rief er den Zuschauern zu.

In die gleiche Kerbe schlug Krischer: „Ich war mal an einem Punkt, dass ich dachte, wir werden es nie mehr schaffen. Dass wir jetzt den Switch haben ist Wahnsinn. Aber wir müssen den letzten Schritt noch machen.“ Außerdem erhofft er sich von der „Fridays for Future“-Demo (10 Uhr, Hoesch-Platz) von allen Generationen ein starkes Signal.