Niederzier: Hambach: Neues Gebiss für den Braunkohleriesen

Niederzier: Hambach: Neues Gebiss für den Braunkohleriesen

33 Jahre lang hat sich Bagger 287 durch das Rheinische Braunkohlenrevier gewühlt; zuerst im Tagebau Fortuna, seit 1987 im Tagebau Hambach.

Mehr als 1,45 Milliarden Kubikmeter Kohle und Abraum hat der stählerne Riese mit seinem gigantischen Schaufelrad in dieser Zeit dem Erdreich entrissen und sich dabei so manchen Zahn ausgebissen. Mehrfach bereits musste er zum „Zahnarzt”, um Schaufeln auswechseln zu lassen. „Kies und Sand sind auf Dauer selbst für Stahl wie Schmirgelpapier”, erklärt Dr. Carsten Geisler, der dem Patienten in regelmäßigen Abständen mit seinem Team von der mechanischen Instandhaltung neue Bissfertigkeit verleiht.

Dieser Tage aber wartet keine kleine Behandlung auf den Riesen. Bagger 287 erhält ein komplett neues Gebiss. Das gesamte Schaufelrad muss ausgetauscht werden, eine Operation, die erstmals an einem der Bagger, die täglich bis zu 200.000 Kubikmeter bewegen, durchgeführt wird. „Jeder Findling, jede harte Tonschicht, auf die der Bagger im Laufe der Jahre gestoßen ist, hat Spuren hinterlassen und das Material mürbe gemacht”, erklärt Carsten Geisler. „Das Schaufelrad ist das Bauteil des Baggers mit dem größten Verschleiß.”

Ein 90-tägiger Behandlungstermin läuft, auf den Bagger 287 freilich lange warten musste. „Vor gut drei Jahren haben wir mit den Planungen angefangen und überlegt, wie das neue Schaufelrad konstruiert werden soll”, erklärt Geisler. Dann folgte die europaweite Ausschreibung, die längst nicht jedes Stahlbauunternehmen schultern kann. Denn das neue „Gebiss” hat einen Durchmesser von 21,6 Metern, ein Gewicht von 55 Tonnen und 18 „Zähne”. Schaufeln, von denen jede einen Kleinwagen schlucken kann - über fünf Kubikmeter.

Den Zuschlag erhielt schließlich das Technikzentrum von RWE Power in Grefrath. Es folgte der Bau des neuen Schaufelrades mit lasergesteuerter Vermessung, der Transport der Einzelteile in den Tagebau, wo sie miteinander verschweißt wurden, und jetzt die Operation selbst, abgestimmt auf den parallel stattfinden Transport von Absetzer 756 vom Tagebau Bergheim nach Hambach, damit der Gerätestillstand möglichst kurz ausfällt.

„Allein der Einbau des neuen Schaufelrades kostet drei Millionen Euro”, erklärt der Projektleiter - nichts für Kassenpatienten. Die komplette Instandsetzung des stählernen Riesen sogar satte zehn Millionen.

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