Düren: Gutachten Basis einer „zukunftsorientierten Diskussion“

Düren: Gutachten Basis einer „zukunftsorientierten Diskussion“

Der Fraktionsvorsitzende des SPD im Dürener Stadtrat, Henner Schmidt, äußert sich zu den Aussagen der Vereinigten Industrieverbände (VIV) zum Wirtschaftsstrukturgutachten. Der Sozialdemokrat schreibt:

„Die VIV als Interessenverband der Industrie in Düren und Umgebung kritisiert das Wirtschaftsgutachten der Stadt Düren wegen angeblich fehlerhafter Daten und Zahlen. Somit wird die Datenquelle IT-NRW und die Bertelsmann-Stiftung kritisiert; diese Kritik sollte also fairerweise in diese Richtung weitergeleitet werden. Dramatisch ist allerdings, dass damit auch unterstellt wird, dass anerkannte Firmen wie Prognos oder öffentliche Institutionen wie der Gutachterausschuss beziehungsweise die Kämmerei der Stadt ihre Entscheidungen, die allesamt auf den IT-NRW-Werten beruhen, auf eine falsche Datenbasis stellen.

Im Rahmen der Primärdatenerhebung zum Wirtschaftsstrukturgutachten wurden 21 Unternehmensleiter von für Düren systemrelevanter Unternehmen befragt, wodurch eine gute Repräsentativität erreicht ist. Als Leitbranchen benennt das Gutachten in der Stadt Düren die Papier-, Metall- und Maschinenbauindustrie und reduziert in keinster Weise das wirtschaftliche Handeln auf die Papierindustrie.

Die Gutachter klassifizieren Düren als nach wie vor zweitwichtigsten Produktionsstandort in der Region Aachen. Sie testieren die Papierindustrie als in ihren Eckwerten relativ konstanten Wirtschaftsfaktor. Dem Dürener Maschinenbau werden gute Zukunftsperspektiven zugestanden. In der Metallverarbeitung werden in Düren Wettbewerbsvorteile gesehen, die weit über den Branchendurchschnitt hinausgehen. Damit unterstreicht das Gutachten die Aussage der VIV, dass die Industrie gut und stabil aufgestellt ist.

Nachvollziehbare Begründung

Die Veränderung hin zu einem Dienstleistungsstandort begründen die Gutachter nachvollziehbar unter Berufung unter anderem auf Daten der Bundesagentur für Arbeit mit der Verteilung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten.

Auch bei den Industrieverbänden ist es wohl unstrittig, dass sich die Stadt Düren mit der für die Wirtschaft zentralen Herausforderungen wie der demografischen Entwicklung, der Globalisierung und dem gesellschaftlichen und technologischen Wandel stellen muss. Sollte dies strittig sein, so sind auch der ,Masterplan Innenstand‘ und das ,Handlungskonzept Wohnen 2030‘ in Frage zu stellen.

Von allen verantwortlichen Akteuren in der Stadt muss erkannt werden, dass der Umgang mit diesen Herausforderungen maßgeblich die langfristige wirtschaftliche und damit gesellschaftliche Perspektive der Stadt prägen wird.

Wie die VIV richtig feststellen, sind die genannten Themen keineswegs neu, und es wurden in Düren bereits eine Vielzahl von Strategien und Handlungsempfehlungen entwickelt. Doch die in der Vergangenheit gewählten politischen Handlungsoptionen haben zu keiner sinnvollen Umsetzung beigetragen. Das muss sich ändern. Die Sichtweise der VIV ist ernstzunehmen, sie ist aber in der vorgetragenen Form wenig hilfreich, da sie eine einseitige Sicht auf Verfahren und Themen bekundet, die nicht zum Handeln motiviert. Sondern im Gegenteil zu Veränderungsunwillen, Stillstand und Resignation verführt.

Das vorgelegte Gutachten sollte als Basis einer zukunftsorientierten Diskussion dienen. Die Stadt hat es verdient, die erkannten Chancen und Potenziale auf der Basis einer pulsierenden Industrie und eines starken Handwerks auszubauen.

Alle vorliegenden Gutachten und im speziellen das Wirtschaftsstrukturgutachten ermöglichen es, über den kurzfristigen Horizont hinauszublicken und adressiert die für den künftigen Erfolg der Stadt Düren entscheidenden Fragen.“

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