Düren: Güterzentrum: Sinnvoll, aber noch viele offene Fragen

Düren : Güterzentrum: Sinnvoll, aber noch viele offene Fragen

Die Aussage ist klar: Stadt und Kreis Düren müssen vor dem Hintergrund weiterer struktureller Entwicklungen in der heimischen Industrie und mangelnder Arbeitsplatzalternativen ein Interesse am Bau eines Containerterminals mit sich anschließenden Flächen für die Wachstumsbranche Logistik haben.

Zu diesem Schluss kommt der Jülicher Wirtschaftsgeograf Professor Dr. Michael Gramm in seinem im Auftrag der Dürener Wirtschaftsförderung erstellten Gutachten zu den wirtschaftlichen Effekten eines Güterverkehrs- und Verteilzentrums für die Stadt Düren.

Deutlich macht Gramm aber auch: Viele Fragen müssen vor einer endgültigen Entscheidung noch beantwortet werden. Um halbwegs seriös abschätzen zu können, ob die Ansiedlung eines Containerterminals für Düren sinnvoll sei, müsse „noch ein ganzer Kranz von Hausaufgaben vorbereitend und prozessbegleitend bearbeitet werden“, betont der Experte. Das Vorhaben sei derzeit noch von zu vielen Unwägbarkeiten und fehlenden Konkretisierungen geprägt.

Nachfolgend einige zentrale Aussagen des 82-seitigen Gutachtens, das ab sofort auch auf der Internetseite der Stadt Düren (www.dueren.de/wirtschaft) abgerufen werden kann. Gramm führt aus, dass ein Terminal ohne sich anschließenden Logistikpark für die Stadt wirtschaftlich nicht sinnvoll sei. Ohne die Kombination sei es zudem unwahrscheinlich, dass die Genehmigungsbehörden einer notwendigen Änderung des Regionalplans zustimmen würden. Mit einer ‚kleinen Lösung‘ könne im Verhältnis zum Eingriff nicht die erforderliche Wertschöpfung erreicht werden.

Gramm kommt zu dem Ergebnis, dass die für ein Terminal (rund 35 Hektar) und einen sich unmittelbar anschließenden Logistikpark (70 Hektar) erforderliche Gesamtfläche zwischen Bahnstrecke und Arnoldsweiler so eingeplant werden kann, dass die zu jeglicher Wohnbebauung zwingend vorgeschriebenen Mindestabstände von 300 Metern eingehalten werden. Abstände, die sich mit der vorgesehenen Umgehungsstraße L 257n auf 400 Meter vergrößern.

Auch zusätzliche Schutzmaßnahmen seien dabei noch möglich. Insgesamt sieht Gramm die Größe des Logistikparks — in zwei bis drei Abschnitten — in einer Größenordnung von 120 bis 150 Hektar, wobei die Dürener CDU bereits deutlich gemacht hat, dass aus ihrer Sicht weitere Flächen allenfalls nördlich der A4 infrage kommen.

Gramm hat auch das Interesse der Dürener Industrie abgefragt. Und das sei ganz überwiegend von Gleichgültigkeit oder Desinteresse geprägt. Umsetzung und Erfolg des Konzepts würden somit von externen Investoren abhängen.

Gramm zieht Parallelen zum Logistikstandort Rheine/Greven. Dieser beweise, dass es durchaus möglich sei, unter anderem mit Hilfe eines Logistik-basierten Konzepts die Herausforderung eines Strukturwandels zu bewältigen. „Hierzu gehört aber auch das Risiko eines beträchtlichen Kapitaleinsatzes sowie großes Beharrungsvermögen der Entscheidungsträger. Denn es müsse mit berechtigten nachfragen, kritischen Auseinandersetzungen, möglicherweise sogar mit Rechtsstreitigkeiten und lokalpolitischen Verwerfungen gerechnet werden“, konstatiert Gramm, „zumal die Thematik durch eine von Beginn an unglückliche und unvollständige Informationsvermittlung bereits auf massive Vorbehalte stößt“.

Damit Dynamik in das Vorhaben komme und das Für und Wider eingehend diskutiert werden könne, rät Gramm zu einer klaren politischen Willensbekundung möglichst noch vor der Sommerpause. Parallel müssten Partner für die unvermeidbaren Vorlaufkosten, insbesondere zur Erstellung der noch notwendigen Gutachten, die Gramm mit mindestens 1,5 Millionen Euro kalkuliert, gefunden werden.

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