Startschuss für Bauprojekt: „Grüngürtel-Hofgärten“ statt Hochhäusern

Startschuss für Bauprojekt : „Grüngürtel-Hofgärten“ statt Hochhäusern

Düren bekommt gleich 30 „Hofgärten“ und wahrscheinlich mehr als 500 neue Einwohner. Die Bauhaus-Gebäude entstehen im typischen Backsteinrot des Dürener Stadtquartiers.

Es ist ohne jeden Zweifel ein Segen, dass der für den Dürener Stadtrand im Grüngürtel geltende Bebauungsplan geändert worden ist. Der war nämlich ziemlich alt und sah noch bis vor wenigen Jahren achtgeschossige Hochhäuser vor, um eine nicht gerade kleine Baulücke zu schließen. Weil die Freifläche, auf der einmal eine Ziegelei gestanden hat, aber lange nicht zu vermarkten war, konnten sich viele Verantwortliche daran kaum mehr erinnern, als neue Pläne auf dem Tisch lagen.

„Das haben wir dann schnell geändert und verschwinden lassen“, sagte Bürgermeister Paul Larue über den hochtrabenden Altplan am Freitag, als er an der Seite vieler Gäste aus Rat, Verwaltung und Wirtschaft den Startschuss für eine ganz und gar andere Art der Bebauung gab: Düren bekommt gleich 30 „Hofgärten“ und wahrscheinlich mehr als 500 neue Einwohner.

Mit „Hofgärten“ bezeichnen der Flächenerschließer NW Bauland und die Kern-Haus GmbH einen Baustil, den es schon in der Antike gab – mit dem Namen Atrium. Der Baukörper in L- oder U-Form wird hier nicht mittig aufs Grundstück gesetzt, sondern unmittelbar auf die Grundstücksgrenze, so dass die Gebäude das Grundstück praktisch „umarmen“, wie es Dr. Bernd Zettelmeyer (NW Bauland) ausdrückte.

Bürgermeister Paul Larue sieht die Chance einer „urbanen Verdichtung“: Der Stil im neuen Stadtquartier bringe einerseits viele Menschen zusammen und biete dennoch zugleich Rückzugsorte und Privatheit. Die „Grüngürtel Hofgärten“ seien ein weit und breit einmaliges Bauprojekt, erklärte Bernd Zettelmeyer. Neben der Anordnung der Gebäude seien die Orientierung an der Bauhaus-Architektur und den Merkmalen der Siedlung Grüngürtel mit roten Backsteinen Besonderheiten.

Der offzielle Spatenstich. Foto: ZVA/Volker Uerlings

Das ist einerseits eine Anforderung heutiger Stadtplanung und andererseits zugleich eine Würdigung des Mannes, der dem ganzen Quartier sein markantes Aussehen verliehen hat: Stadtbaumeister Heinrich Dauer, der für den Grüngürtel um 1910 erste Pläne entwickelte. Inzwischen steht sich das als Arbeiterviertel konzipierte Quartier unter Denkmalschutz, und die neuen Hofgärten entstehen entlang der Heinrich-Dauer-Straße.

Die Verantwortlichen waren am Freitag sichtlich stolz und zufrieden, dass es jetzt endlich losgeht. Denn hinter ihnen liegen drei bis vier Jahre der Planung. Dieser Zeitraum macht schon deutlich, dass es nicht einfach war, den früheren Bebauungsplan auf die neuen Erfordernisse zu trimmen, die Vornutzung des Geländes zu untersuchen und zu berücksichtigen sowie letztlich eine Idee zu entwickeln, die allen Wohnbedürfnissen gerecht wird.

Das Planungsmodell, das in Weiß die Mehrfamilienbereiche am oberen und linken Rand sowie die Hofgartenhäuser Backsteinrot zeigt. Foto: ZVA/Kernhaus

„Wir sind eine wachsende Stadt und brauchen dringend Wohnraum“, erklärte Bürgermeister Paul Larue. Das wird das neue Viertel leisten, denn in rund 150 Wohneinheiten und 30 Einfamilienhäusern dürften gut und gern mehr als 500 Menschen unterkommen.

Unmittelbar am Oststadion und auf der Westseite der Freifläche entstehen nämlich auch einige mehrgeschossige Bauten, die multipel nutzbar sind. Hier kommen laut Paul Larue Senioren in barrierefreien Wohnungen genauso unter wie Inhaber von Wohnberechtigungsscheinen, denn es soll auch geförderter Wohnbau entstehen. Den Kern aber bilden die „Hofgärten“-Häuser. Eine Familie hat sich auf der Baumesse in Düren schon begeistern lassen und steht als erster Bauherr fest, sagte Kern-Haus-Geschäftsführerin Marina Neuhaus.

Eine von sechs Hausvarianten. Foto: ZVA/Kernhaus

Die Stadtwerke Düren sind ebenso mit von der Partie und errichten für das Quartier ein Blockheizkraftwerk. Somit entspricht laut Bürgermeister das Projekt im Grüngürtel voll und ganz den beiden „Riesenherausforderungen“ unserer Tage: Es schone das Klima und schaffe Wohnraum.