Neue Heimat: Große Herausforderung der Langerweher Tafel gemeistert

Neue Heimat : Große Herausforderung der Langerweher Tafel gemeistert

Fast könnte man sagen, die Luchemer Straße 30 in Langerwehe ist zu so etwas wie einem „Hotspot für unkomplizierte Hilfe“ geworden. In dem Haus der Gemeinde, in dem früher Lehrerwohnungen waren, leben heute in den oberen Etagen Flüchtlinge.

Im Garten hat die Fahrradwerkstatt „Fahrbereit“ des Asylkreises Langerwehe ihr Domizil, das Erdgeschoss des Hauses ist seit wenigen Wochen die neue Heimat der „Langerweher Tafel“. Auf rund 88 Quadratmetern finden dort Essensausgabe und Sortieren der Lebensmittel statt.

Am 6. März 2013 hat die erste Lebensmittelausgabe der Langerweher Tafel stattgefunden, der Verein wurde schon knapp sieben Monate vorher gegründet. Bisher hatte die Tafel ihre Räume im Foyer der Langerweher Kulturhalle. Die Halle ist mittlerweile so alt und marode, dass sie bereits Ende Juni geschlossen wurde und demnächst abgerissen werden soll. „

Wir haben lange nach neuen Räumen gesucht“, sagt Ursula Schober, Vorsitzende der Langerweher Tafel. „Uns war vor allen Dingen wichtig, dass unsere Räume möglichst zentral und wir zu Fuß gut zu erreichen sind. Das ist mit der Luchemer Straße der Fall.“ Als die Tafel die ehemalige Lehrerwohnung, die zuletzt als Flüchtlingsunterkunft gedient hatte, übernommen hat, waren die Räume ziemlich heruntergekommen. Stephanie Münstermann: „Wir haben in diese Räume sehr viel Arbeit gesteckt.“

So wurden unter anderem Wände herausgebrochen, damit es einen großen Verkaufsraum gibt, Elektroleitungen erneuert. Fußböden verlegt und Wände gestrichen. Eine neue Rampe sorgt dafür, dass auch die neuen Tafel-Räume barrierefrei sind. Schober: „Diese Räume für unsere Zwecke fit zu machen, war schon eine große Herausforderung. Aber wir haben es geschafft.“

„Viel komprimierter“

Natürlich, ergänzt Münstermann, seien die neuen Räume viel kleiner als das Foyer der Kulturhalle. „Alles ist viel komprimierter. Auf der anderen Seite kann aber der Verkaufsraum immer hergerichtet bleiben. Wenn früher in der Kulturhalle eine Veranstaltung stattfand, mussten wir unsere Sachen komplett wegräumen.“

Rund 30.000 Euro hat der Verein vorsichtigen ersten Schätzungen zu Folge investiert, die Schlussrechnung muss erst noch erstellt werden. „In der Kulturhalle“, sagt Schober, „brauchten wir keine Miete zu bezahlen. Deswegen konnten wir in den vergangenen Jahren Geld ansparen. Und wir haben hier in unseren neuen Räumen sehr viel in Eigenleistung gemacht.“

Ihre neuen Räume mietet die Tafel von der Gemeinde, zunächst werden aber die Kosten der Renovierung angerechnet, und der Verein muss nur die Nebenkosten zahlen. Die Gemeinde will zudem dafür sorgen, dass möglichst noch in diesem Jahr Fenster und Fassade der Immobilie erneuert werden. Bürgermeister Heinrich Göbbels (CDU): „Wir sind sehr froh, dass die Tafel die Räume übernommen hat. Die Sanierungs- und Renovierungsarbeiten bedeuten natürlich eine große Wertsteigerung des Hauses.“

Aufgrund der neuen Räume sind auch gewisse Regeln, vor allem für die Kunden, erforderlich geworden. 180 Kundenkarten hat die Tafel an bedürftige Menschen in Langerwehe und Inden verteilt. Etwa die Hälfte von ihnen, schätzen die Verantwortlichen, sind Flüchtlinge. Ursula Schober: „Die können natürlich nicht alle gleichzeitig zu uns kommen.“

Zweimal in der Woche findet eine Lebensmittelausgabe der Tafel statt. Jeder Kunde hat eine Nummer, und es gibt einen genauen Zeitplan, wann man seine Lebensmittel bekommt. „Wir wechseln ab“, erklärt Schober, „jeder unserer Kunden kann einmal zu Beginn unserer Öffnungszeiten seine Waren abholen, jeder ist auch einmal zum Schluss dran. Bis jetzt hat es noch keinen Streit und auch keine Beschwerden gegeben.“

Zahl der Kunden gestiegen

Die Zahl der Kunden der Langerweher Tafel ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Der Verein mit derzeit rund 140 Mitgliedern hat mit 30 Kunden angefangen. Vor drei Jahren waren es im Zuge der Flüchtlingswelle um die 300 aktive Kunden. Heute sind es noch 180. 14 Geschäfte in Langerwehe und Inden spenden Lebensmittel an die Langerweher Tafel.