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Grammy-Preisträger John Scofield und Jon Cleary in der Annakirche

Memento IV : Ein Konzert mit tiefer Symbolkraft

In den Abendstunden des 16. November 1944 waren Zehntausende von Brand- und Sprengbomben über den Innenstädten längs der Rur gefallen und hatten unter anderem die Innenstadt von Düren in ein Flammenmeer verwandelt. 4000 Menschen fanden den Tod. Um an die schreckliche Zerstörung zu erinnern, luden die Organisatoren des Konzertes „Memento IV – Erinnerung und Hoffnung“ am Samstagabend in die Annakirche.

75 Jahre nach der „Stunde Null“ in der Geschichte der Rurstadt haben die Veranstalter, Michael Maurer vom Lions-Club Marcodurum, in Zusammenarbeit mit der Pfarre St. Lukas, ein besonderes Zeichen gesetzt.

Standen bei den vergangenen drei Auflagen des Konzertes klassische Klänge im Vordergrund,  trafen nun zwei Giganten der Blues-Szene aufeinander. Die beiden weltbekannten Musiker John Scofield und Jon Cleary traten in der Annakirche auf. Die Grammy-Preisträger spielten als Duo ihr Jazz- und Roots-Programm im New Orleans-Style. Weich und einfühlsam sang Jon Cleary seine eigenen Versionen von Sam Cookes „Soothe Me“ über Shirley Goodmans „Let the Good Times Roll“ bis zu Little Willie Johns viel gecoverten Hit „Fever“. John Scofield spielte seine Gitarreneinsätze und -soli mit erstaunlich mehrstimmig klingendem Instrument. Beide Musiker erhielten immer wieder Zwischenapplaus während und nach den einzelnen Stücken. Wechselndes Licht und unterschiedliche Projektionen unterstrichen die besondere Stimmung in der Kirche.

Zukunft und Hoffnung

Dass der Brite Jon Cleary und der Amerikaner John Scofield 75 Jahre nach dem Bombardement der britischen und der US-Luftwaffe bei ihrem Konzert für 75 Jahre Frieden und Freundschaft zwischen den Nationen stehen, darin liege eine „willkommene Symbolik“. „Zwei Künstler aus den USA und England kommen am Jahrestag der Zerstörung Dürens zu einem freundschaftlichen Konzert in unsere Stadt „, erklärte Michael Maurer, der mit der Ausrichtung auf neuzeitlichen Jazz auch dafür sorgen wollte, „gedanklich Platz zu schaffen für Zukunft und Hoffnung.“ Ohne die Unterstützung und internationalen Verbindungen des aus dem Kreis Düren stammenden Journalisten und Rundfunkmoderators Horst Senker und der Kölner Kulturvermittlerin Judith Kobus sei das nicht möglich gewesen, betonte Maurer bei seiner Einführungsrede.

Auf ihrer diesjährigen Europa-Tournee gastieren Scofield und Cleary unter anderem in Amsterdam, Wien, Bern, Prag, Paris, Gent, London, Barcelona und Madrid. Neben dem Auftritt in Düren sind für Deutschland Konzerte in Dresden, München und Oldenburg geplant.

Für das Vorprogramm des abwechslungsreichen Konzertes konnten die Veranstalter die Dürener Gruppe „AnnaBells“ gewinnen. Der überregional ausgezeichnete Frauenkammerchor unter Leitung von Kantor Hans-Josef Lövenich führte mit Ausschnitten aus „„A Little Jazz Mazz“ von Bob Chilcott in den Abend ein. Begleitung: Theo Palm (Klavier), Nils Imhorst (Bass), Klaus Broscheid (Drums).