Düren: Graffiti-Künstler in Dürens Skatepark

Düren: Graffiti-Künstler in Dürens Skatepark

Der Geruch von alternativer Kunst liegt über der Skateranlage an der Brüsseler Straße. Simone Schneider, Mitarbeiterin der Pfarre St. Lukas und dort zuständig für die Jugendarbeit, blickt zufrieden zu den Rampen und Hindernissen hinüber.

„Eine tolle Sache, dass die Profis den Skatepark bunt gestalten und außerdem den Kindern etwas über die Kunst des Sprühens beibringen.”

Ein paar Meter weiter bringen professionelle Graffiti-Künstler Farbe auf die grauen und abgenutzten Skateboard-Hindernisse. Geruchsintensiv, dafür farbenfroh und filigran, entstehen die Arbeiten von Stephan Schlepütz, Künstlername „Lonar”, und seinen Kollegen dort, wo bislang eher lieblos dahin geschmierte Filzstift-Botschaften das Auge ärgerten.

Schlepütz, in Düren bekannt für seine Auftragsarbeiten am Stadtcenter und in der Unterführung am Haus der Stadt, hat für die Aktion am gestrigen Freitag etliche Sprayer gewinnen können, die unentgeltlich arbeiten. Die „Leinwand” Skatepark nehmen sie gerne wahr. Öffentliche Flächen seien schließlich rar, wolle man nicht in die Illegalität ausweichen, betont Stephan Schlepütz. Organisiert wird die Aktion von der mobilen Jugendarbeit Düren-Ost. Das Geld für Material und Verpflegung stammt aus Projektmitteln der kirchlichen offenen Jugendarbeit.

„Wir wollen den Kids etwas mit auf den Weg geben, ihnen die Technik und die Materialien erklären”, sagt Schlepütz. Denn: „Graffiti ist etwas ganz anderes, als sich mit einem Stift auszutoben.” Nicht zuletzt werbe man auch für die Akzeptanz von Graffiti bei den Erwachsenen: Weg vom Schmierer-Image, hin zur Anerkennung als Kunstform.

Die Kinder wuseln um die Sprayer, blicken über die Schultern, stellen Fragen. Und: Sie brennen auf eigene Kunstwerke. „Ich will unbedingt auch sprühen”, sagt etwa Dino. Dafür haben die Mitarbeiter von Stadt und Kirche eine Mauer extra für die Nachwuchskünstler reserviert. Hier können sie sich austoben, mit der Aussicht, dass ihre Werke länger erhalten bleiben.

„Wir setzen bei der Aktion auch auf die Akzeptanz der Sprayer-Szene”, erklärt Sabine Kieren, Jugendbetreuerin bei der Stadt Düren. „Die Arbeiten der Profis haben ohnehin einen gewissen Bestandsschutz, da gilt ein Ehrenkodex. Vielleicht haben die Kids ja Glück, und ihre Werke bleiben eine Zeit lang unberührt.”

Im Workshop lernen die Kinder nicht nur etwas über die Technik, sondern auch Grundlegendes zum Verhalten als „Graffiti-Artist”. Das „Ja” und „Nein” der Szene sei wichtig, sagt Stephan Schlepütz. Ihm geht es darum, dass Nachwuchssprayer sich nicht auf verbotenen Pfaden bewegen, sondern legale Flächen ansteuern sollten. „Fragt eure Eltern und Freunde, ob sie Ideen oder gar Wände zur Verfügung haben”, ermuntert „Lonar”.

Als Beispiel nennt er die „Ruhmeshalle” in Gey, wo seit 15 Jahren legal gesprüht werden darf. Schlepütz´ versammelte Kollegen, darunter die weibliche Künstlerin „Kiki” und Altmeister „Lazy65” lächeln wissend dazu, und teilen ebenso gern ihre Leidenschaft mit Dürens Graffiti-Nachwuchs.

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