Düren: „Goldener Stöhr” kehrt an seinen Platz zurück

Düren: „Goldener Stöhr” kehrt an seinen Platz zurück

„Unsere Stadt hat ein Gedächtnis”. Bürgermeister Paul Larue hält es für wichtig, „die Hinterlassenschaften der Jahrunderte erkennen zu können”. Eine Gelegenheit mehr bietet sich jetzt im Haus Markt 16, genauer gesagt im „Café Extrablatt”.

Dort hat jetzt rechts vom Eingangsbereich das alte Hauszeichen „Der goldene Stöhr” nach Restaurierung wieder seinen Platz gefunden.

Anlass für den Bürgermeister, gemeinsam mit der Familie Richter als Hauseigentümer und der Pächterin Anne Heeke an die Geschichte des Hauses, dem Stammhaus der Familie Schoeller, und des „Goldenen Stöhr” zu erinnern.

Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde in der Stadt die Nummerierung der Häuser eingeführt. Bis dato wurden die Häuser durch Hauszeichen kenntlich gemacht. Bereits 1439 ist das Patrizierhaus „Zum Goldenen Stör” - damals noch ohne „h” - oder auch „Zum Fisch” urkundlich erwähnt.

Jakob Polius, 1656 verstorbener erster Dürener Geschichtsschreiber, hielt ein merkwürdiges Vorkommnis aus dem Jahr 1501 für die Nachwelt fest.

Gesandte des Mainzer Erzbischofs hatten von den Dürener Franziskanermönchen das Annahaupt übergeben bekommen, das der Steinmetz Leonhard in der Mainzer Stiftskirche entwendet und nach Düren gebracht hatte.

Kurz vor der Abreise stärkte sich die Mainzer Delegation im „Stör”. Da fand sich eine Vielzahl Dürener Frauen vor dem Lokal ein und konnte erreichen, dass das Annahaupt in Düren blieb.

Nach der endgültigen Entscheidung des Papstes Julius II. zum Verbleib der Reliquie in Düren war damit der Grundstein zum bedeutenden Anna-Wallfahrtsort gelegt.

„Düren hatte immer starke Frauen”, kommentierte Bürgermeister Paul Larue mit Seitenblick auf Hausbesitzerin Resi Richter und Pächterin Anne Heeke.

Seit Beginn des 18. Jahrhunderts war das Haus „Zum goldenen Steur” - jetzt mit „eu” - im Eigentum der Familie Schoeller, die hier zunächst Tuch fabrizierte.

Heinrich Wilhelm Schoeller erwarb 1803 das Nebenhaus „Zum Wildenmann” und fügte beide Gebäude zusammen, die in dieser Form bis zur Zerstörung am 16. November 1944 Bestand hatten.

Das Haus war 1860 in den Besitz des Schoeller-Schwiegersohns Richard Prym übergegangen und hieß nun das „Prymsche Haus”.

Fragmente der Reliefplatte des Hauszeichens vom „Goldenen Stöhr” fand Eduard Prym in den Trümmern des Hauses und bewahrte sie in seinem Haus in der Südstraße auf. Dort fand Tochter Leonore Prym die Reste und übergab sie der Denkmalbehörde.

Die Restaurierung des Hauszeichens übernahm der Dürener Bildhauer Herbert Halfmann. Die Kosten übernahm die Stadt, unterstützt durch Spenden von Hausbesitzerin und Pächterin. Jetzt ziert der Stöhr als Leihgabe der Stadt den Gastronomie-Betrieb.

Das Haus Markt 16 wurde 1952 nach den Plänen des Dürener Architekten Benno Sommer zur Offiziersmesse der belgischen Garnison.

Nach deren Abzug Mitte der 90er Jahre erwarb es die Familie Richter, unter deren Regie der Umbau zum gastronomischen Betrieb erfolgte.

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