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Düren: Glockenspiel kehrt mit Computertechnik zurück

Düren : Glockenspiel kehrt mit Computertechnik zurück

Eine Stadt, die von der Diskussion um einen neuen Konsumtempel besessen scheint, übersieht leicht, dass in einem Gotteshaus etwas fehlt, was ohne jede Frage zu Düren gehört.

Seit zwei Jahren ist es stumm, das Glockenspiel von St. Anna. Doch gottseidank gibt es Menschen, denen die Tradition noch etwas wert ist - auch materiell.

Und deshalb sind die Verantwortlichen der Pfarre sicher, dass schon bald die 26.000 Euro über Spenden zusammen gekommen sind, die eine erste Reparatur verschlingen wird.

Über knirschende Holzstufen und enge Wendeltreppen aus Stahl führt der Weg unters Dach des Annaturms. Dort hängen sie, die 37 Glocken, die am Weißen Sonntag 1964 zum ersten Mal erklangen.

20 Jahre nach dem Bombenhagel auf Düren wurde damit eine Tradition fortgesetzt, deren Ursprung fast 500 Jahre zurückliegt. Bis zum 16. November 1944 hing in der alten Annakirche das zweitälteste Glockenspiel Deutschlands. Nur das Lübecker Marien-Glockenspiel war noch betagter.

20 Jahre blieb Düren also nach dem Krieg ohne die Melodien aus dem Turm. Die zweite Zwangspause soll nicht annähernd solange dauern. „Als vor zwei Jahren immer öfter Töne in den Kirchen- und Volksliedern ausfielen, weil die Mechanik durch Feuchtigkeit zerstört wurde, entschloss sich die Pfarre, mit dem Glockenspiel auszusetzen, bis genug Geld für eine Reparatur da ist”, sagt Dr. Alderich Niederau vom Pfarrgemeinderat.

Viele Dürener spendeten, die Sparkasse gab 10.000 Euro dazu. Da bald die benötigte Summe erreicht ist, holt die holländische Herstellerfirma Ende Januar die maroden Klöppel und mechanischen Verbindungen zur Reparatur ab. „Allerdings vorerst nur die Klöppel, die die Glocken von außen anschlagen”, sagt Niederau. „Eine Generalsanierung inklusive der schöner klingenden Innenklöppel kostet etwa das Doppelte und soll später folgen.”

Wenn das Glockenspiel wieder einsatzfähig ist, halten moderne Zeiten Einzug in den Turm: Statt über Lochkarten, die bisher maximal ein Repertoire von 50 Liedern erlaubten, werden die Klöppel dann computergesteuert. So können endlos viele Melodien programmiert werden. Sie werden auch bis zum neuen Konsumtempel schallen und dort daran erinnern, dass es in Düren noch andere Werte gibt.