Kreis Düren: Gewalt gegen Polizei nimmt massiv zu, auch in Düren

Kreis Düren : Gewalt gegen Polizei nimmt massiv zu, auch in Düren

Gewalt und Respektlosigkeit gegenüber Polizisten schaffen es immer wieder in die Schlagzeilen. In Düren werden da schnell Erinnerungen an den eskalierten Knöllchenstreit auf der Scharnhorststraße vom November 2016 wach, bei dem zehn Polizisten verletzt wurden. Aber welche Rolle spielen Widerstandshandlungen im Alltag von Dürener Polizisten heute?

Der 44-jährige Dirk Breuer, Polizeihauptkommissar, findet eine klare Antwort: „Das ist ein integraler Bestandteil unserer Arbeit geworden. Widerstandshandlungen haben massiv zugenommen — sowohl quantitativ als auch qualitativ.“

Melanie Arenz und Dirk Breuer von der Dürener Polizei. Foto: Welkener

In Früh-, Spät- und Nachtschicht sei damit zu rechnen, dass Personen sich gegen polizeiliche Maßnahmen auflehnen. Der aktive Widerstand fängt an, sobald jemand die Muskeln anspannt, wenn die Handschellen angelegt werden sollen, geht über Beleidigungen und die Androhung von Gewalt bis hin zu körperlicher Gewalt.

Verbale Beleidigungen sind laut Breuer ein typischer Fall und kommen drei- bis viermal im Monat vor. Körperliche Widerstände habe er im Juni dreimal gezählt. Seine Kollegin, Polizeikommissarin Julia Thomas (27), ergänzt, das sei aber die Ausnahme. Meist sei es nur ein Fall pro Monat.

Sie erinnert sich noch an eine Situation, die ihr besonders in Erinnerung geblieben ist: Sie und ihre Kollegen wurden zu einer Ruhestörung gerufen — laute Musik, lauter Streit. Das Paar, um das es ging, war der Polizei schon bekannt. Daher wusste Julia Thomas, dass der Mann ansteckende Krankheiten hat, und war entsprechend alarmiert, als er sich den Polizisten mit einer Spritze bewaffnet entgegenstellte. „Unser Glück war, dass wir den Diensthundeführer dabei hatten, der das Tier auf den Mann losließ.“

Auf Manpower angewiesen

Allein auf Manpower angewiesen waren Dirk Breuer und seine Kollegen bei einem Einsatz im vergangenen Jahr. In der Dürener Innenstadt wurden sie zur Unterstützung gerufen, nachdem ein Mann seinen Betreuer so lange gewürgt hatte, bis der fast ohnmächtig in der Wohnung des Täters lag. Die verschlossene Wohnungstür mussten die Beamten eintreten und trafen dann im engen Wohnungsflur mit dem deutlich verwirrten Täter, der vermutlich unter Drogen stand, zusammen.

„Er kam sofort mit geballten Fäusten auf uns zu“, erzählt Breuer. Zwar seien die Polizisten mit vier oder fünf Kräften vor Ort gewesen, aber sie hatten trotzdem große Schwierigkeiten, den Mann unter Kontrolle zu bringen. Selbst der Schlagstock und Reizgas zeigten keine Wirkung, weil er so unter Adrenalin stand. „Es flogen Gläser, wir lagen mit ihm auf dem Boden und haben es erst nach zähem Ringen geschafft, die Situation zu bereinigen.“

Wie schnell eine Situation eskaliert, das hängt laut Breuer und Thomas nicht nur vom Gegenüber, sondern auch von den Polizisten selbst ab. Thomas: „Manche sind kommunikativ stärker oder geduldiger, da gelingt es vielleicht eher, eine kritische Situation verbal zu klären.“ „Man entwickelt im Laufe der Zeit ein Gespür für jeden einzelnen Kollegen und merkt an dessen Mimik und Gestik: Hier rappelt‘s gleich“, sagt Breuer. Innerhalb der Teams ergänzen sich die Kollegen deshalb.

So auch, wenn sie mit Männern zu tun haben, die aus Kulturkreisen stammen, in denen keine Anweisungen von Frauen entgegengenommen werden. Dann würde es schnell Ärger geben, wenn Julia Thomas die Ansage macht, meint sie und nimmt sich deshalb zurück. Breuer: „Dann übernehme ich den einschreitenden und sie den sichernden Part, um möglichst wenig Provokation zu schaffen.“ Seine Kollegin Melanie Arenz aus der Pressestelle unterstreicht: „Es geht nicht um mich, es geht um die Maßnahme.“

Ein Angriff auf die Uniform

Genau diese Erkenntnis war für Breuer auch beim Thema Beleidigungen eine wichtige: „Am Anfang habe ich jede Beleidigung persönlich genommen. Aber es geht nicht um Dirk Breuer, sondern um den Mann in der Uniform.“ Und die Hemmschwelle, Menschen in Uniform anzugreifen, sei im Laufe seiner Dienstzeit spürbar gesunken. Das „negative Highlight“ sei der Knöllchenstreit gewesen. Der hauptleidtragende Beamte ist bis heute nicht wieder dienstfähig. Dieser Einsatz war Anlass für einen Strategiewechsel bei der Kreispolizeibehörde Düren. Von einer Null-Toleranz-Strategie möchte Polizeihauptkommissarin Arenz nicht sprechen, betont aber: „Wir bringen mehr auf den offiziellen Weg, weil es überhand genommen hat.

Ein Widerstand wird nicht hingenommen. Jede Bedrohung oder Beleidigung wird zur Anzeige gebracht, weil wir uns das nicht gefallen lassen müssen.“ Breuer denkt beim Schreiben der Anzeigen auch an seine Kollegen: „Das trifft ja nicht nur mich als Person. Ich will ja auch nicht, dass morgen meine Kollegin angegriffen wird.“ Hinweise auf gefährliche Personen im System zu speichern, bringt den Beamten nämlich den Vorteil, dass sie mit einer Abfrage vor dem nächsten Einsatz besser vorbereitet sind.

Sowohl durch diese veränderte Vorgehensweise der Polizei als auch durch die gesteigerte Respektlosigkeit seien die zunehmenden Widerstandshandlungen zu erklären: Wurden im Jahr 2016 noch 78 Fälle im Kreis Düren gezählt, so waren es im Folgejahr 103. 2018 wurden bisher 63 Fälle von Widerstand und tätlichem Angriff registriert.

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