Aachen/Düren: Gerichtsurteil: Sieben Jahre Haft für die Hauptangeklagten gefordert

Aachen/Düren : Gerichtsurteil: Sieben Jahre Haft für die Hauptangeklagten gefordert

Am 14. Verhandlungstag vor der Jugendkammer des Aachener Landgerichts unter Vorsitz von Richterin Melanie Theiner war es so weit: Die Beweisaufnahme im Prozess gegen den Dürener Osman Y. (42), seinen Sohn Mehmet Sali Y. (18) und den Schwager Mehmet Y. (57) wegen versuchten Mordes wurde geschlossen.

Oberstaatsanwalt Wilhelm Muckel beantragte für die zwei älteren Angeklagten jeweils sieben Jahre Haft, der Jüngere falle noch unter Jugendstrafrecht. Er forderte daher eine Jugendstrafe von 18 Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Die Tat vom 21. März 2017 war laut Oberstaatsanwalt eine von „außerordentlicher Brutalität und Gewalttätigkeit“, die ohne jede Hemmung „in der Öffentlichkeit“ stattgefunden habe. Gegen 11.40 Uhr waren die Angeklagten mit Hämmern auf einen Geschäftskonkurrenten — alle Beteiligten arbeiten als Paketdienstleister im Köln-Dürener Raum — losgegangen.

Im Kassenbereich eines türkischen Supermarktes schlugen die beiden Älteren auf das Opfer Ali N. (39) ein, der nur mit Glück und Dank der beherzten Hilfe der Betreiber des Marktes vor Schlimmerem bewahrt werden konnte. „Wir haben wieder und wieder das Video des Tatherganges gesehen“, sagte Muckel. Darauf habe man deutlich gesehen, wie Vater und Schwager mit Hämmern versteckt auf dem Rücken auf das Opfer losstürzten und ihm Schläge auf den Kopf verpassten. „Das war hart an der Grenze zu einer vollendeten Tat“, betonte Muckel.

Ali N. hatte Glück und behielt „nur“ vier tiefe Platzwunden in der „Kopfschwarte“ zurück, wie es der Staatsanwalt formulierte, ein Finger wurde ihm gebrochen. Da die drei Angeklagten ihr Opfer im Außenbereich des Supermarktes nicht weiter verfolgten, plädierte die Anklage auf einen „vollendeten Rücktritt“ vom eigentlichen Vorhaben, das Opfer zu töten.

Nur gefährliche Körperverletzung

Dieser Rechtsbegriff setzt immer dann ein, wenn ein Täter zwar noch die Möglichkeit habe, sein Opfer zu töten, davon dann aber aus eigenem Antrieb ablässt. So sei es auch hier gewesen, argumentierte Muckel, so dass als Straftatbestand eine gemeinschaftlich begangene „gefährliche Körperverletzung“ übrig bleibe. Auch der junge Mehmet Y. habe mitgemacht, er habe die Tat abgesichert und teilweise sogar versucht einzugreifen. Der zur Tatzeit noch 17-Jährige hatte den Vater angerufen und ihn über die Anwesenheit des Opfers informiert, alle drei hätten in Tötungsabsicht gehandelt.

Hintergrund des Streits war ein Vorfall in einem Paketdienst in Erfstadt gewesen. Dort arbeiteten Ali N. und Familienmitglieder der Angeklagten. Das spätere Opfer habe dort einen Streit begonnen, indem er Osman Y. bedroht und auch verprügelt habe.

Am Donnerstag werden die Plädoyers der Nebenklage und der Verteidigung gehalten.

(wos)
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