1. Lokales
  2. Düren

Gerichtsprozess: Fiskus und Versicherungen geprellt

Schaden in sechsstelliger Höhe : 36-Jähriger prellt Fiskus und Versicherungen

Ein 36-jähriger Mann aus Rumänien wirbt Scheinbesitzer für Autos auch in Düren an. Dadurch entsteht dem Staat und den betroffenen Versicherungen ein Schaden im sechsstelligen Bereich. Vor dem Aachener Landgericht gab der Angeklagte 24 von 109 Fällen zu.

109 Fälle von Betrug an Kfz-Versicherungen und gleichzeitiger Steuerhinterziehung sind angeklagt, 24 davon gab der 36-jährige Lita Petre A. aus Kerpen am Dienstag vor dem Aachener Landgericht zu. Ein ausführliches Geständnis legte er jedoch nicht ab.

Mehrfach hatte sein Verteidiger, der Kölner Strafverteidiger Thomas Gros, eine ausführliche Einlassung seines Mandanten angekündigt. Doch auch am Dienstag wurde er damit nicht fertig, einzig ein Teilgeständnis kam nach einer langen Pause, ausgefüllt von Gesprächen mit seinem Mandanten, dabei heraus.

Das Thema ist insgesamt kompliziert. Denn selbst die um rund 100.000 Euro durch Scheinanmelder geprellten Kfz-Versicherungen scheinen bei den Ermittlungen zu mauern, wie am Dienstag ein Aachener Kripobeamter im Zeugenstand vor der 5. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht berichtete.

Die dort angeklagten Taten: Die Staatsanwaltschaft wirft dem im April dieses Jahres in Rumänien festgenommenen Mann vor, von Oktober 2015 bis 2017 diverse Personen angeworben zu haben, die sich gegen Geldzahlungen bereit erklärten, bei Zulassungsstellen der Region und bis ins Ruhrgebiet hinein Kraftfahrzeuge auf ihren Namen anzumelden.

So funktionierte die Masche

Der Kripobeamte klärte am Dienstag darüber auf, wie die Masche funktionierte und wie man den Drahtziehern auf die Schliche gekommen war. Einen ähnlichen Hotspot von Scheinanmeldungen habe es bereits 2014 gegeben, sagte der Ermittler.

 Die Täter warben in großem Stil entweder Personen im städtischen Umfeld von Düren, Kerpen und bis nach Aachen an, versprachen aber gleichzeitig auch Arbeitssuchenden aus Rumänien, dass sie Vorteile davon hätten, wenn sie sich als Halter eines Fahrzeuges hergeben. Das Auto wurde zwar auf sie zugelassen, dann aber schwarz an Interessenten weiterverkauft, quasi als Gesamtpaket mit gültiger Versicherung und ohne jede Chance für den Fiskus, an die Kfz-Steuer zu kommen. Dazu besorgte man den Scheinhaltern gefälschte sogenannte Wohnungsgeberbestätigungen und beantragte meistens online die Deckungsbestätigungen bei Versicherungen. Diese sahen jedoch nie einen Cent.

Damit gingen die Drahtzieher oftmals selbst zu den Straßenverkehrsämtern und meldeten auf einen Schlag mehrere Fahrzeuge an. Die Wagen waren, erklärte der Kripobeamte, „oftmals Transporter für Schrottsammler oder sonstige Ein-Mann-Firmen“, doch es gab ebenso normale Autos für Privatleute.

Insgesamt ist im vorliegenden Fall von etwa 330 Fahrzeugen die Rede. Die Autos wurden nicht nur in Aachen und Düren, sondern ebenso in Bergheim, Bergisch-Gladbach und bis ins Ruhrgebiet in Duisburg und Oberhausen zugelassen. Den Anmeldern kam man auf die Spur, weil die Straßenverkehrsämter ein Auge genau auf solche Viel-Anmelder geworfen hatten und mit der Kripo zusammenarbeiteten.

Für den nächsten Termin, vorgesehen ist der 7. Oktober, soll es nun tatsächlich eine Schilderung des Angeklagten zu den Vorwürfen geben.