Ehefrau missbraucht: Gericht sieht die Vergewaltigung als erwiesen an

Ehefrau missbraucht : Gericht sieht die Vergewaltigung als erwiesen an

Wegen der Vergewaltigung seiner schwer behinderten Ehefrau wurde am Dienstag der 37-jährige Mehmet Dirk K. (37) aus Kreuzau von der 6. Großen Strafkammer unter Vorsitz von Richter Matthias Quarch zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.

Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der selber geistig zurückgebliebene Angeklagte — laut dem Bericht des psychiatrischen Gutachters stehen seine geistigen Möglichkeiten auf der Stufe eines zehn- bis zwölfjährigen Jungen — die Tat im Juni 2016 des Mittags in der gemeinsamen ehelichen Wohnung in Kreuzau begangen hatte.

Einvernehmlich

Der Angeklagte selbst bestritt nicht, an diesem Tag mit der Rollstuhlfahrerin Sex gehabt zu haben, der Vorfall am Mittag sei jedoch einvernehmlich vonstatten gegangen. Im Zeugenstand aber beschrieb die Geschädigte, dass sie ihrem Ehemann an diesem Mittag keinesfalls Sex erlaubt hatte. Doch entgegen ihrer Ansage habe ihr Ehemann sie dann im Rollstuhl in das Schlafzimmer geschoben, sie aus dem Stuhl gehoben und aufs Bett geschmissen — und sie vergewaltigt.

Die Rollstuhlfahrerin — beide lebten in Kreuzau im betreuten Wohnen — hatte sich zunächst ihrer Sozialarbeiterin offenbart, die das ganze Folgeverfahren sodann ins Rollen brachte. Es wurden zunächst anonym Spuren gesichert, dann zog die Behinderte aus der Wohnung aus, der Angeklagte blieb zurück.

Der bereits einschlägig vorbestrafte Angeklagte hatte sich jedoch gleichzeitig mit einem weiteren, schweren Tatvorwurf auseinanderzusetzen. Denn im Gefolge der Vergewaltigungsgeschichte hatte auch der jüngere Bruder des Angeklagten schwere Beschuldigungen gegen Bruder K. erhoben. Der habe ihn bereits im Jahr 2013 zwei Mal in seiner Wohnung vergewaltigt, hatte er im Zeugenstand bekräftigt. Doch auch der Bruder ist geistig behindert, seine Aussage stieß im Verfahren auf Skepsis, zu eng sei sein Verhältnis zu seiner Schwägerin gewesen, vermuteten die Verteidiger.

In der Tat bestätigte an einem der letzten Verhandlungstage die das inzwischen bereits geschiedene Ehepaar damals betreuende Sozialarbeiterin, dass der Jüngere ihr gegenüber aus freien Stücken zugegeben habe, seine eigene Vergewaltigung erfunden zu haben, damit sein Bruder „seine gerechte Strafe bekomme“, berichtete sie.

Die Kammer erkannte in diesem Fall auf Freispruch. Die Strafe blieb auch deshalb im unteren Bereich des Möglichen, weil die geistigen Fähigkeiten und damit die Einsichtsfähigkeit des Angeklagten im unteren Bereich liegen.