Düren: Gelebte Integration: Gebäude für betreeungsbedürftige Kinder

Düren: Gelebte Integration: Gebäude für betreeungsbedürftige Kinder

Sich von zu Hause abnabeln, das in der Regel kein leichtes Unterfangen. Erst recht nicht für junge Menschen, die einen hohen Betreuungsbedarf haben.

Bernd Hoeber, Geschäftsführer der Regionalgeschäftsstelle Düren-Heinsberg des Wohlfahrtsverbandes „Der Paritätische“, stellte jetzt einen noch recht neuen Verein vor, der sich den Namen „Wohnen mit Freunden“ gegeben hat und Ende 2014 von sechs Familien aus der Taufe gehoben wurde. „Wohnen mit Freunden“ schloss sich kürzlich dem Paritätischen an, um zu partizipieren. Astrid Pabst ist die Vereinsvorsitzende. Sie begründet den Schritt zum Paritätischen:

„Aufgrund der Anbindung erhalten wir Erfahrung, Wissen und Netzwerk. Auch wird uns geholfen, bei der Umsetzung unserer Pläne Fehler zu vermeiden.“ Allen Familien, die den Verein „Wohnen mit Freunden“ mitgegründet haben, ist eins gemeinsam: Sie haben ein Kind im Alter eines jungen Erwachsenen, das einen hohen Betreeungsbedarf hat. Anita und Joachim Morgensstern aus Obergeich bei Langerwehe etwa lieben ihren 25-jährigen Sohn Jannyk, der behindert ist. Die Eltern wissen, dass irgendwann der Tag kommt, an dem Jannik auf eigenen Füßen stehen muss.

Joachim Morgenstern übernimmt das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden im Verein. Über den Elternbeirat der Rurtalwerkstätten lernten sich die Familien kennen. Der Plan, der den befreundeten Familien vorschwebt: Für die eigenen Kinder und weitere Bürger ein Haus zu bauen, zudem soll mittelfristig dafür eine Stiftung gegründet werden.

In dem angedachten Gebäude soll Inklusion gelebt werden, das Haus wird von einer pädagogischen Fachkraft geleitet. Astrid Pabst, Mutter des 30-jährigen Christian Pabst, konkretisiert: „Wir planen ein Gebäude für 20 Personen.“ Es sollen zwei Wohngruppen eingerichtet werden, in denen jeweils fünf Bewohner zu Hause sind, davon zwei Bewohner mit sehr hohem Unterstützungsbedarf. Hinzu kommen zehn Einzelwohneinheiten, davon fünf für Menschen mit und fünf für Menschen ohne Behinderung.

Bereits jetzt werden die jungen Erwachsenen, die einmal in diesem Haus leben könnten, nicht mehr nur von ihren Eltern betreut. Irene Muschalek ist die Mutter von Anna Juliana Muschalek. Anna Juliana Muschalek ist 22 Jahre alt, lebt in Kreuzau und benötigt eine Betreuung rund um die Uhr. Wie ihre Mutter berichtet, wird die Tochter immer wieder auch von befreundeten Personen betreut, mit denen sie am Wochenende raus geht. Irene

Muschalek: „Das tut Anna sehr gut, sie nimmt das Angebot gerne an und möchte auf diese Weise am Leben teilnehmen.“ Die Eltern sind sich einig, dass ihre Kinder die Forderung und Förderung in ein selbstständiges Leben brauchen. In großen Städten wie etwa München oder Köln gibt es Inklusions-Wohnhäuser, in denen behinderte und nicht behinderte Menschen wohnen, schon seit teilweise 25 Jahren.

Was in Düren jedoch recht neu sein wird, sagt Astrid Pabst: „Wir streben das Wohnen mit dem persönlichen Budget an.“ Das bedeutet, dass das Geld, das für jedes einzelne Kind in einem Individuellen Hilfeplan (IHP) ausgerechnet und festgelegt wird, entweder von der betroffenen Person selber, oder, wenn gewünscht, beispielsweise auch vom Verein verwaltet werden kann.“

Doch noch klafft eine Lücke zwischen Idee und Verwirklichung des mehrere Millionen schweren Projekts. Astrid Pabst: „Wir sind auf der Suche nach einem möglichst zentral gelegenen Grundstück und weiteren Unterstützern.“ Bernd Hoeber sieht in der Idee die Zukunft: „Ich glaube, dass das inklusive Wohnen ein wichtiges Modell der Zukunft sein wird. Das ist innovativ, doch müssen wir auf diesem Gebiet alle noch viel lernen“.

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