Niederau/ Burgau: Geheimnisvolle Welt der Bilder im Schloss Burgau

Niederau/ Burgau: Geheimnisvolle Welt der Bilder im Schloss Burgau

Den großen Saal im Nordflügel von Schloss Burgau hat Herb Schiffer mit mehr als 30 Gemälden zu „una piccola retrospettiva“ festlich geschmückt. Diese Ausstellung hat der Kunstförderverein Kreis Düren dem in Jülich geborenen Dürener Maler und Glaskünstler zum 80. Geburtstag gewidmet.

Zur Vernissage mit Begrüßung des Bürgermeisters Paul Larue, einem Grußwort von Landrat Wolfgang Spelthahn und der Einführung von Prof. Dr. Frank Günter Zehnder waren zahllose Gäste erschienen, Familie, Freunde, Kunstinteressierte und „eine der größten Jülicher Pilgergruppen, die Düren in diesem gut beheizten Saal je erlebt hat“ (O-Ton Spelthahn).

Auch der Bürgermeister stellte die Doppelbeziehung zur Herzogstadt heraus, verwies in seiner Würdigung auf die vorausgegangene Auszeichnung 2011 als Kunstpreisträger des Kreises, dankte Dr. Güttler für das zuverlässige Engagement des KFV Kreis Düren und spielte als Historiker in Schiffers Lebenslauf mit prägenden Zahlen: 1961 Beginn des Studiums in Köln karnevalistisch vor 5 x 11 Jahren, 1966 Umzug nach Düren vor 50 Jahren, 1976 Haus in der Toscana, seit 40 Jahren frühe Liebe zu Italien befestigt.

Sein Lebensgefühl zwischen Heimatliebe und internationaler Weltläufigkeit interpretierte Larue als beispielhaft gegen nationalistische Tendenzen heute. Landrat Spelthahn lobte ebenfalls die Bodenhaftung des global bewegten Künstlers mit der Region und fand durch Wikipedia, dass dessen Werke an 55 Orten in der Welt zu finden seien oder gezeigt wurden.

Prof. Zehnder nannte seine Laudatio „Kein Wort zu viel“ und holte doch zu einem kenntnisreich differenzierenden und professionell charakterisierenden Kunstreferat über seinen Dozenten an der Heimbacher Kunstakademie aus.

Man spüre in den ausgestellten Werken eine große Weite mit „einer geheimnisvollen, erzählfreudigen und tief empfundenen Bildwelt“ und mit hochaktuellen Themen aus den Tiefen der Geschichte. Jenseits aller modischen Strömungen sei Schiffers künstlerische Handschrift autonom und unverwechselbar.

Zehnder ging den Anregungen zu dieser Ausdrucksfähigkeit nach, betonte den Einfluss der damals sehr geachteten Kölner Werkschulen, die Herb Schiffer für die Glasmalerei eine technisch und stilistisch disziplinierte Arbeitsweise lehrten und einen reichen Schatz großformatiger Glasbilder schaffen ließ.

Für die Gäste sehr anschaulich erläuterte Prof. Zehnder an den einzelnen Bildern Motive und Malweisen, Antikenkenntnis und aktuelle Anstöße in der Erfindung von Szenen und Kompositionen.

Er verwies auf Einflüsse aus Brasilien, Traumartiges, Rätselhaftes und deren poetische Kraft. Die von „Italianismen und südamerikanischen Einflüssen geprägte Malkunst“ sei in ihrem Formenkanon einzigartig. Er wünschte sich Herb Schiffers weitere Mitarbeit und „dass sein Spätwerk noch lange auf sich warten lässt“.

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