Düren: Gedenken an den 16. November 1944 ist „würdig und notwendig”

Düren: Gedenken an den 16. November 1944 ist „würdig und notwendig”

Mahnwache vor dem Dürener Rathaus, Schweigemarsch zum Gemeinschaftsgrab auf dem Neuen Friedhof und ökumenischer Gottesdienst: Seit Jahrzehnten wird in dieser Form am 16. November der Toten des Luftangriffs auf die Stadt Düren im Kriegsjahr 1944 gedacht.

So auch am Freitag, wenn ab 15.20 Uhr alle Kirchenglocken läuten und daran erinnern, dass vor 68 Jahren Bomber der Royal Air Force ihre tödliche Fracht über der Stadt entluden und Düren in Schutt und Asche legten.

Seit Jahrzehnten folgt das Gedenken einem ritualisierten Ablauf. „Doch es ist mehr als ein jährliches Ritual vor dem Rathaus”, betont Dr. Horst Wallraff vom Stadt- und Kreisarchiv. Es sei mehr als eine Pflichtveranstaltung der Stadt. Wer den 16. November 1944 erlebt und überlebt hat, werde den Tag sein Leben lang nicht mehr vergessen. „Fast jede Familie hatte Verluste zu beklagen und die Dimension der Zerstörung war so groß, dass überlegt wurde, die ursprüngliche Stadt aufzugeben und sie lieber an anderer Stelle wieder aufzubauen.”

Aber das Gedenken sei bei weitem nicht nur eine Frage der persönlichen Betroffenheit der Dürener, sondern auch der Jülicher, der Langerweher und aller Menschen, die Opfer der alliierten Luftangriffe wurden. Der 16. November 1944 und die Wochen, Monate und Jahre eines nationalsozialistischen Deutschlands, die zum Zweiten Weltkrieg und zum Holocaust führten, stünden aber auch für eine „ganz andere Dimension” von Zerstörung, Unrecht, Leid und Vernichtung. Gerade deswegen werde dieser Tag auch in Zukunft einen festen Platz im Bewusstsein der Menschen haben, ist Helmut Krebs, Leiter des Stadt- und Kreisarchivs, überzeugt.

„Jeder Mensch mit Geschichtsbewusstsein wird die mahnende Erinnerung daran wachhalten wollen, über Generationen hinweg”, betont auch Historiker Horst Wallraff. Ein ritualisiertes Gedenken wie in Düren sei daher ebenso würdig wie notwendig.

Vor diesem Hintergrund sei es aus Sicht eines Historikers auch begrüßenswert, dass an dem im Volksmund „Flammenengel” genannten Mahnmal 50 Jahre nach dessen Errichtung eine Informationstafel angebracht wird. Diese Tafel erläutert die Bedeutung des Mahnmals ebenso wie den Werdegang des Künstlers Adolf Wamper. Ein Künstler, der umstritten ist und dessen Leben und Schaffen im Mittelpunkt eines offenen Gesprächs ab 19 Uhr im Papst-Johannes-Haus der Gemeinde St. Anna steht.

Ist das Werk eine Schöpfung eines prominenten Nationalsozialisten? War Wamper ein überzeugter NS-Anhänger oder ein Mitläufer, der als bis 1935 offenbar recht brotloser Künstler auf Aufträge angewiesen war? „Im Rahmen der Entnazifizierung hat Wamper einen Persilschein erhalten”, greift Horst Wallraff auf den Vortrag der Historikerin Bettina Oesl voraus, die sich mit Wamper beschäftigt hat. „Ganz persönlich halte ich ihn für einen Mitläufer der mildesten Sorte”, sagt Wallraff. Dennoch sei es wichtig, 50 Jahre nach Errichtung des Mahnmals Fragen aufzuwerfen, die die Stadtoberen damals offenbar nicht auf der Tagesordnung hatten.

„Positive Entwicklung”

„Mit dieser Diskussion wird die Form des Gedenkens aufgefrischt, in eine andere Richtung gestoßen”, findet Wallraff. Die Bronzetafel und die Diskussion über Wamper seien „eine positive Entwicklung”, die dazu beitrage, die Geschehnisse präsent zu halten. Gleiches gelte auch für die Arbeit mit Schülern. „Die Lokalgeschichte spielt in den Lehrplänen leider keine allzu große Rolle”, bedauert Helmut Krebs. „Dabei sind die Fakten über die Zerstörung Dürens in der Vergangenheit akribisch aufgearbeitet worden.” Die Bibliotheken und Archive stünden Schülern und Lehrern jederzeit offen, auch in einer Zeit der „Marginalisierung des Geschichtsunterrichts”. „Es liegt an den einzelnen Lehrern, diese Möglichkeiten auch zu nutzen”, fügt Wallraff hinzu.

So wichtig eine Gedenkzeremonie auch sei - junge Menschen könne man wohl am Besten über „die reinen Fakten des Ereignisses packen”, haben Helmut Krebs und Horst Wallraff selbst im Umgang mit Schülern erfahren. Wer mit Bildern und Augenzeugenberichten über den 16. November 1944 konfrontiert werde, sei zunächst erschrocken über die schier unvorstellbare Dimension der Zerstörung. „Aber wohl bei jedem Schüler wird auch ein Bewusstsein für Historie geweckt”, ist Horst Wallraff überzeugt. Der „Flammenengel” stehe auch dafür, dass Krieg und Zerstörung nur selten aus heiterem Himmel kommen.