Düren: Geburtstagsgala: Die Suche nach der Identität der Dürener

Düren: Geburtstagsgala: Die Suche nach der Identität der Dürener

Wenn der Kölner Klaus Fehling sich auf die Suche nach der kulturellen Identität der Dürener begibt, hat er einen großen Vorteil. Nicht selten ist es so, dass der, der etwas von Außen betrachtet, zu einer vollkommen anderen Sichtweise kommt, als die, die tagtäglich mit dem zu tun haben, was Gegenstand der Betrachtung ist.

„Ein geistreicher Mehrzweckabend zum 25. Geburtstag“ ist die Revue am 18. November überschrieben. Das ist teilweise ebenso wörtlich zu nehmen, wie es in die Irre führt. Denn eine Nummernrevue im klassischen Sinne ist es nicht, ein Theaterstück auch nicht. „Theatrale Gala würde passen“, sagt Fehling. Einigen kann man sich noch besser auf die Liebeserklärung. Der Kölner kommt nämlich zu einer für Dürener möglicherweise überraschenden Erkenntnis: „Es gibt eine kulturelle Identität in Düren“ — obwohl sie den Dürenern vermutlich meist verborgen bleibt.

In den 1990er Jahren hat der Kölner in Düren gelebt, hat also bei der Spurensuche nur Erinnerungen auffrischen müssen, und hat für seine Dürener Produktion vor allem Menschen begeistert, die aus Düren stammen — den Moderator Uli Winters zum Beispiel, der durch die Gala führen wird, oder den Schauspieler Waldemar Kobus — der sinnigerweise in der Gala einen Auftritt als „der komische Typ mit dem Spaten“ haben wird.

Spätestens da sollte es bei den Dürenern klingeln: Der geistreiche Mehrzweckabend kann zum Parforceritt durch die Entstehungsgeschichte des Dürener Theaters geraten, in der „Schöppe Jupp“ zumindest auf Seiten der Politik keine unwesentliche Rolle gespielt hat. Es ist aber mehr. Fehling spürt der Frage nach, warum Düren anders ist als andere Städte, wie sehr der Dürener auf der Suche nach Heimat ist, noch immer dem zerstörten Theater nachtrauert, warum man sich für das Haus der Stadt vielleicht eher schämt.

„Wenn man Dürener zu ihrer Heimat befragt, wird beispielsweise das Hoesch-Museum nur selten genannt“, sagt Fehling, der schon in den 90ern den Eindruck hatte, dass Düren eigentlich über alles verfügt, was die Kultur in einer Stadt beleben kann. Ingrid Schindler, die die Produktionsleitung für die Gala übernommen hat, sieht das nicht anders: „Das Haus der Stadt ist ein großes Stadttheater. Man muss sich da nicht verstecken.“ Der Dürener habe ein gebrochenes Verhältnis zur eigenen Identität: „Dabei ist alles im großen Stil hier vertreten. Man muss nur die unterschiedlichen kulturellen Szenen wahrnehmen. Es gibt viele kulturelle Splitter, die die Stadt insgesamt bereichern“, glaubt Fehling.

Natürlich gibt es dabei auch die „Propheten“, die in der eigenen Stadt nicht gehört würden. Osiris Pausch etwa, sagt Fehling, der den Dürenern eher als Straßenmusiker bekannt ist, eine Randexistenz führe. Klaus Fehling: „Er ist nicht nur Straßenmusiker. Er ist vielmehr ein studierter Musiker, der auch etwas zu sagen hat, Düren in seinen Liedern verewigt und diese Stadt wirklich liebt.“

Das führt zu einer weiteren Erkenntnis: Der, der eher beiläufig wahrgenommen wird, hat sich sofort bereiterklärt, sich an der Produktion zu beteiligen. „Andere Dürener, die wir gefragt haben, waren da eher zurückhaltender“, erzählt Fehling. Das mag die Zerrissenheit widerspiegeln. Im Kontrast dazu steht Fehlings Erfahrung mit den Dürenern, die inzwischen in anderen Städten Fuß gefasst haben — neben Kobus und Winters vor allem Thomas Kaiser und Marcel Keller, die fürs Bühnenbild und die Ausstattung verantwortlich sind. Sie alle hätten sich ohne zu zögern sofort bereit erklärt, an dem Experiment teilzunehmen.

Bei dem Stichwort Experiment landet man dann schnell wieder beim „geistreichen Mehrzweckabend“. Nimmt man es wörtlich, erfährt man die Geschichte der Geister, die im Haus der Stadt spuken. Beispielsweise der Geist aus der Vergangenheit: Ein Schauspieler, der am alten Dürener Theater in der Faust-Inszenierung kurz vor seinem Durchbruch stand, als das Haus quasi über seinem Kopf weggesprengt wurde. „Die Geister werden erlöst und können abtreten“, sagt Regisseur Klaus Fehling.

Das könnte dann auch der Mehrzweck des Abend sein: Die Schreckgespenster sind erlöst und die Dürener erkennen im vorgehaltenen Spiegel vielleicht, dass es durchaus Gründe geben kann, das Theater — so wie es ist — anzunehmen, wenn selbst Kölner ins Schwärmen geraten. Was Fehling wirklich gar nicht schwer fällt: „Es gibt da sogar einen Ballsaal“, wirft er ein — und versieht es mit mindestens drei Ausrufezeichen, um im selben Atemzug davon zu sprechen, dass die technische Ausstattung perfekt sei und die Mitarbeiter ihre Arbeit spürbar lieben würden. Allein das könnte dafür sprechen, Eigenproduktionen öfter ins Programm aufzunehmen.