1. Lokales
  2. Düren

Düren: Gangsterfilme liefern die falschen Idole

Düren : Gangsterfilme liefern die falschen Idole

„Ich habe schon lange befürchtet, dass die Situation irgendwann einmal eskaliert”, sagt Martin Zimmerbeutel.

Der Sozialarbeiter im Jugendzentrum Düren-Ost ist sichtlich bemüht, nicht allzu resigniert zu klingen. Denn: Seine Befürchtungen wurden am vergangenen Freitag traurige Realität. Ein 28-jähriger Türke erstach an jenem Tag in der Dresdener Straße einen 23-Jährigen mit einem Brotmesser.

Die Gründe für das Geschehen? Nach Auffassung von Karin Heucher, Pfarrerin der Evangelischen Gemeinde Düren, und der beiden Sozialarbeiter Martin Zimmerbeutel sowie Roberto Böhnke liegen diese vor allem in den Lebensumständen und der Perspektivlosigkeit der Jugendlichen.

„Vielleicht wäre das am Freitag nicht passiert, wenn die Zwei eine Arbeit gehabt hätten”, meint auch Böhnke. Die beiden jungen Männer besuchten einst regelmäßig die Jugendeinrichtung an der Nörvenicher Straße - wie rund 150 Kinder und Jugendliche aus dem Satellitenviertel, Woche für Woche.

Viele Jugendliche, die in die Einrichtung kommen, sind arbeitslos, haben keinen Schulabschluss, kein Geld und meist ein geringes Selbstwertgefühl, weiß Pfarrerin Heucher. „Ich bin doch nichts”, habe erst gestern ein Junge zu ihr gesagt. „Die Frustration und Verzweiflung ist groß”, berichtet Heucher, „so mancher weiß einfach nicht, wie er seinen Alltag gestalten soll.”

Für Muhammed ist die Jugendeinrichtung beispielsweise zu einer wichtigen Anlaufstelle geworden. „Hier wird versucht, mir zu helfen”, sagt der 20-Jährige, „ich wüsste sonst gar nicht, wohin.” Muhammed ist arbeitslos, hat Schulden und ist vor einiger Zeit „auf die schiefe Bahn geraten”, sagt er.

Seine Wünsche? Träume? „Ich würde gerne als Hotelfachmann arbeiten”, meint Muhammed. Bewerbungen hat er allerdings (noch) keine geschrieben.

„Wie können wir Jugendlichen wie Muhammed Perspektiven bieten?”, fragen sich die Sozialarbeiter im Satellitenviertel immer wieder. „So mancher möchte wissen, warum er überhaupt einen Schulabschluss machen soll”, erzählt Zimmerbeutel, „wenn er danach doch arbeitslos ist.” Ideale würden daher oft gleich in Gangsterfilmen gesucht. Zimmerbeutel: „Die Jugendlichen tauchen in eine andere Welt ab.”

Eine Lösung für die Probleme? Dass es kein Patentrezept gibt und auch nicht geben kann, wissen auch die Sozialarbeiter und Pfarrerin Heucher. „Wir sind nicht blauäugig”, sagt Böhnke. Dennoch vermisse er - trotz der wirtschaftlich schwierigen Lage - den Willen der Stadt, „unkonventionelle Lösungen” zu finden.

Konkret heißt das: Die beiden Sozialarbeiter wären schon glücklich, wenn sich die Zusammenarbeit mit den Ämtern und Institutionen zukünftig verbessern würde. Die ständigen Gänge zum Arbeits- oder Einwohnermeldeamt - oft ohne Erfolg - verstärkten den Frust vieler nur, so Zimmerbeutel.

„Es wäre hilfreich, wenn Firmen in die Pflicht genommen würden”, regt Pfarrerin Heucher zudem an. Eine Aushilfstätigkeit oder ein Praktikum würde schon helfen, den einen oder anderen Jugendlichen besser zu integrieren. Kurzum: Die Probleme der Jugendlichen in Düren-Ost sollen nicht vergessen werden.

Der 18-jährige Fatih kommt derzeit nur noch selten in das Jugendzentrum. Seit einem Jahr besucht er die Handelsschule. „Jetzt hoffe ich noch auf einen Ausbildungsplatz”, verrät er.

Fatih möchte Kraftfahrzeugmechaniker werden, bisher hat er allerdings nur Absagen erhalten. Aufgeben möchte Fatih dennoch nicht. „Man gerät zu leicht auf die falsche Bahn, wenn man zu viel Freizeit hat”, sagt er.