Gänsehaut-Momente mit Jamie Cullum, Bourani & Co. in Nideggen

„Bühne unter Sternen“ auf Burg Nideggen : Gänsehaut-Momente mit Jamie Cullum, Bourani & Co.

„Peerless“, also unvergleichlich, stand auf Jamie Cullums schwarzem Hemd. Und das war nicht nur die perfekte Beschreibung für Cullums Konzert im Rahmen des Festivals „Bühne unter Sternen“ im Pallas von Burg Nideggen, es galt insgesamt für die wirklich einzigartige Konzertatmosphäre auf der Burg.

Egal ob Caro Emerald, Jamie Cullum, Andreas Bourani oder Volker Rosin und Nachwuchssänger Thapelo aus Aachen, Finalist aus „The Voice Kids“ beim Familientag am Sonntag – alle Konzerte waren auf ihre eigene Art unvergleichlich. Die Mischung hat einfach gestimmt, und rund 6000 Festivalzuschauer waren absolut begeistert.

Am Sonntag standen die Kinder im Mittelpunkt auf Burg Nideggen – die Mitarbeiter des Burgenmuseums hatten ein spannendes Programm mit Mittelalter-Falir auf die Beine gestellt. Dabei konnten die Jungen und Mädchen entdecken, wie die Ritter in dieser Zeit gelebt haben, und beim „Mäuse-Roulette“ ihr Glück versuchen. Auch Volker Rosin und Thapelo begeisterten vor allem die kleinen Festivalbesucher mit ihre Liedern.

Andreas Bourani war zwei Jahre nicht auf Tour gewesen und hatte Nideggen als einen Ort für seine ausgewählten Sommerkonzerte ausgesucht. „Wahnsinn, dass ihr alle gekommen seid“, rief der Sänger den rund 2400 Fans auf der Burg zu. „Ich bin total überrascht.“ Viele Balladen, aber auch die ein oder andere rockigere Nummer – Bourani präsentierte in Nideggen 17 seiner Songs der bisher erschienenen zwei Alben und ein neues Lied, an dem er gerade feilt.

Die Konzertatmosphäre im Pallas der Burg Nideggen war einzigartig. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

„Ich bin derzeit im Studio und arbeite an einer neuen Platte“, erzählte der gut gelaunte Sänger seinen Fans. „Ich weiß nicht, ob ich das Lied noch umschreibe, aber ihr müsst es heute schon einmal ertragen.“ Vor dem Konzert hieß es, Bourani sei heiser und habe Probleme mit der Stimme. Auf der Bühne war davon jedoch nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil: Bourani enttäuschte seine Fans nicht und sang alle seine Hits – natürlich auch „Auf uns“ mit Unterstützung wirklich aller Besucher auf der Burg. „Er hat eine einzigartige Stimme“, sagte Melanie Ruland (43) aus Düren nach dem Konzert. „Ich hatte irgendwie die ganze Zeit Gänsehaut.“

Gänsehaut-Momente gab es auch beim Konzert von Jamie Cullum am Freitagabend, und das nicht zu knapp. Dass der 39-jährige Brite, genau wie übrigens seine fünfköpfige Band und die beiden Sängerinnen, ein hervorragender Musiker ist, braucht eigentlich nicht eigens erwähnt zu werden. Cullum ist darüber hinaus aber auch ungeheuer sympathisch und herrlich unprätentiös. Im Mittelpunkt seines Konzertes standen die Songs des neuen Albums „Taller“. Besonders unter die Haut ging eine a-cappella-Version von „Mankind“, einem eindringlichen Song, mit dem Cullum Hoffnung in die nicht immer hoffnungsvolle Welt bringen will.

„Der Brexit ist wirklich eine Sch...-Idee“, rief Cullum seinen Fans zu. „Auch deswegen habe ich ‚Mankind’ geschrieben.“ Und weil er sich auf der Burg so unglaublich wohl fühlte, sang der Brite ebenfalls „Life is grey“, eine ruhige Nummer. „Ich habe dieses Lied noch nie live gespielt“, sagte Cullum. „Heute möchte ich es versuchen.“ Der leise, eindringliche Song wurde zu einem absolut intimen Moment zwischen dem Künstler mit seinem Flügel und den Fans, der Applaus im Anschluss war umso frenetischer.

Weiteres Higlight war der Auftritt von Andreas Bourani. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Danach schaltete Cullum wieder auf Feiermodus um. Bei „Just a Gigolo“, dem berühmten Hit aus den 20er Jahren, sprang der Künstler, der zuvor auch schon auf seinem Flügel getanzt hatte, von der Bühne und suchte den direkten Kontakt zu seinen Fans, schüttelte Hände und lief durch die Reihen. Wieder auf der Bühne angekommen, rief er dann alle auf, endlich näher zu kommen. Klar, dass es für die Menschen auf der Burg spätestens jetzt kein Halten mehr gab. Viele stürmten vor die Bühne, und auch die, die eigentlich eine Sitzplatzkarte gekauft hatten, standen jetzt, um zu singen, tanzen und einfach den perfekten Sommerabend zu erleben.

Schön zu beobachten, dass auch Jamie Cullum den Abend genoss, sichtlich Spaß hatte und mehr als zwei Stunden Jazz, Soul, Rock und Funk vom Allerfeinsten bot. Nach zwei Zugaben dichtete und improvisierte er dann noch einen Song speziell für Burg Nideggen. „Castle on the hill. I can see all your beautifull faces“, sang Cullum und machte damit seinen Anhängern ein schönes Kompliment, bevor er fast schon zurückhaltend fragte, ob er in zwei Jahren wiederkommen dürfe.

Nachwuchssänger Thapelo aus Aachen beim Familientag in Nideggen. Foto: Sandra Kinkel

„Dieser Abend“, brachte es Jens Scheidtweiler aus Bonn nach dem Konzert auf den Punkt, „war absolut magisch. Ich hatte heute Nachmittag irgendwie keine Lust auf die Fahrt nach Nideggen und hätte das Konzert fast sausen lassen. Zum Glück habe ich das nicht getan. Ich habe noch nie so ein schönes Konzert erlebt.“ „Peerless“, also unvergleichlich eben.

Mehr von Aachener Zeitung