Kreis Düren: G8 und G9 parallel: Dürener Schulen bestärken die Idee

Kreis Düren: G8 und G9 parallel: Dürener Schulen bestärken die Idee

Gymnasien sollen künftig, wenn es nach den Plänen von NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (59) geht, gleichzeitig G8 und G9 anbieten. „Die Kinder müssen nicht in ein Raster passen. Die Schule muss sich am Kind orientieren, nicht umgekehrt“, sagte sie. Konkret heißt das: Die Grünen-Politikern will, dass ab der 7. Klasse getrennte Zweige in drei oder vier Schuljahren in die Oberstufe führen.

Wer schneller begreift, kann anspruchsvollen Unterricht bekommen und die zentrale Prüfung, die in der 10. Klasse stattfindet, schon nach der 9. ablegen. Wer die besteht, springt von der 9. Klasse in die 11. — also Oberstufe. Schüler, die mehr Zeit für den Stoff brauchen, können zusätzlich Förderangebote nutzen und erst in sechs Jahre in die Oberstufe wechseln.

Unsere Zeitung hat bei Schulleitern von Gymnasien im Kreis Düren nachgefragt, wie dort die Idee der Ministerin ankommt. Werner Hickel (49), Schulleiter des Rurtal-Gymnasiums in Düren (RTG) sieht sich „bestens gerüstet“. „Seit einem Jahr bieten wir unseren Schülern in der Sekundarstufe I zum zusätzlichen Unterricht Förder- und Lernkurse, aber auch AGs an, um Defizite in den Sprachen oder Naturwissenschaften zu beheben“, sagt er.

Ein Organisationsproblem sieht er ebenfalls nicht, wenn Löhrmanns Pläne Realität werden sollten. „Da wir eine Ganztagsschule sind, haben wir eh 20 Prozent mehr Lehrpersonal.“

Johannes Kaptain (64), stellvertretender Schulleiter des Gymnasiums in Kreuzau, findet Löhrmanns Vorschläge ebenfalls gut. „Ich kann mir das gleichzeitige Angebot von G8 und G9 an unserer Schule prinzipiell vorstellen“, sagte er. Allerdings räumt er ein, dass man schauen müsse, wie die Pläne umzusetzen seien. „Sollte es Vorgaben geben, dass beispielsweise immer 30 Kinder für die Variante G8 oder G9 in einer Klasse zusammenkommen müssen, müssen auch genügend Lehrer da sein. Eine individuelle Förderung ist nur möglich, wenn es unter 20 Schüler sind“, ergänzt er.

Chaos vermeiden

Kritisch sieht die Pläne Ulrich Meyer (42), stellvertretender Schulleiter des Stiftischen Gymnasiums in Düren. „Ich denke, dass es bei der Umsetzung zu praktischen Problemen kommen wird. Ein Beispiel: Der Matheunterricht könnte in der Sekundarstufe I nicht in allen Klassen parallel stattfinden, weil wir einfach zu wenig Mathelehrer dafür haben.“ Des Weiteren sei für ihn unklar, wer darüber entscheide, ob die Schüler in den „schnellen“ oder „langsameren“ Zweig kommen. „Machen das die Eltern? Die Kinder selbst oder gar die Schulleitung?“ Ihm sei es lieber, wenn es eine schul- und ländereinheitliche Reglung geben würde, um ein Chaos zu vermeiden.

Arno Schneider (62), der das Burgau Gymnasium leitet, ist ganz anderer Meinung. Er ist davon überzeugt, dass Löhrmanns Modell an seiner Schule machbar ist. „Ich gehe stark davon aus, dass es irgendwann G8 und G9 geleichzeitig angeboten werden. Allerdings G9 künftig in einer anderen Form. Man will das Rad ja nicht zurückdrehen“, sagt er. Die Organisation des gleichzeitigen Angebotes will Schneider von den jeweiligen Gesetzen abhängig machen. „Es wäre jetzt reine Kaffeesatzleserei diesbezüglich ins Detail zugehen“, sagt er.

Claudia Fülling, Schulleiterin am Wirteltor Gymnasium, und ihr Stellvertreter Rüdiger Paulun wollten sich auf Anfrage unserer Zeitung nicht zu dem Thema „G8 und G9“ äußern.