Düren: Fürst Otto von Bismarck feiert das Jubiläum im Dunkeln

Düren : Fürst Otto von Bismarck feiert das Jubiläum im Dunkeln

Es gibt würdigere Orte, um ein Jubiläum zu feiern. Aber Fürst Otto von Bismarck muss seinen 125. Geburtstag in einem Lagerraum fristen. Dorthin wurde die Statue aus dem Park an der ehemaligen Stadthalle sicher verpackt verfrachtet.

Wenn alles gut läuft, kann er im nächsten Jahr wieder das Tageslicht sehen — und als Wiedergutmachung kann er auf einen Hotel- und Wohnkomplex blicken, der seinen Namen trägt: das Bismarck-Quartier.

Das obere Bild zeigt das Bismarckdenkmal umgeben von Industriellenvillen, das kleine Bild zeigt die Sicht auf das Landratsamt. Bismarck blickte in Richtung Wirteltorplatz. Foto/Quelle Berners, Stadt- und Kreisarchiv Düren.

Heute vor 125 Jahren, im Jahr 1892, ist die Statue auf der Kreuzung Bismarckstraße/Moltke-straße feierlich enthüllt worden. Düren hatte sich zu diesem Anlass besonders herausgeputzt. „Im herrlichsten Feierkleide prangte die schöne Bismarckstraße wie auch der Denkmalplatz auf dem die in den deutschen Farben aufgeschlagenen Tribünen dem Ganzen ein farbenprächtiges Gepräge verliehen“, schrieb die Dürener Zeitung damals. Die Masten waren mit Grün umwickelt, Wappen und Fahnen wehten im Wind, ein großer Festzug mit Musik zog durch die Stadt.

„Der Errichtung dieses Denkmals lag und liegt auch heute noch einzig und allein der Wunsch zu Grunde, dem Fürsten Bismarck, diesem großen und treuen Freunde unseres deutschen Vaterlandes, dem Manne, dem wir und ganz Deutschland so viel verdanken, der so frisch, so edel, so treu unserem unvergesslichen großen Kaiser bei Gründung des deutschen Reiches mit Rath und That zur Seite stand, ein Zeichen fester, ernster unauslöschlicher Liebe und Dankbarkeit darzubringen“, hieß es damals in einer Rede von Philipp Schoeller.

Unter Hurra-Rufen, dem Donner der Böller und Glockengeläut der evangelischen Kirche ist das Denkmal dann enthüllt worden. Die Regierungsbehörden und die katholische Geistlichkeit waren der Enthüllung ferngeblieben.

Seinerzeit stand die Bismarck-Statue (geschaffen von Joseph Uphues) auf einem hohen Granitsockel, an dessen Vorderseite als Sinnbild für Kraft und Weisheit eine Frauengestalt auf einem mächtigen Löwen sitzt. „Dem größten Deutschen Reichskanzler dankbare Bürger Dürens 1892“ war dort zu lesen. 72 000 Mark hatte das Denkmal gekostet.

In der Nachbarschaft die edlen Villen Dürener Industrieller. Diese waren dem Fürsten dankbar, hatte er sich doch der Industrie mit seiner „einsichtsvollen und warmen Obsorge zugewandt“. Bismarck selbst hatte den Entwurf als „gut gelungen“ bezeichnet und schrieb: „Ich würde mich freuen, in einer Stadt, an die sich für mich frohe Erinnerungen aus jungen Jahren knüpfen und an deren gedeihlicher Fortentwicklung ich mich stets erfreut habe, wenigstens im Bilde gegenwärtig zu sein.“

Im Krieg gedreht

In seiner juristischen Ausbildungsphase war Bismarck Regierungsreferendar in Aachen und hat dabei auch Düren kennengelernt. Er beschrieb sie als „wohlgelegene, lebenskräftige Stadt“.

Der Beigeordnete Richard Schüll versicherte, dass das Denkmal in seinem damaligen Zustand „bewahrt und erhalten bleibe, heute und immer dar“. Damit sollte Schüll nicht recht behalten.

Eine Legende besagt, dass der Fürst sich während des Zweiten Weltkriegs auf seinem Sockel umgedreht haben soll, weil er das Elend des zerstörten Dürens nicht mit ansehen konnte. Beweisfotos für diese Anekdote gibt es keine. Den Zweiten Weltkrieg überstand jedoch einzig die Figur des Fürsten, die übrigen Figuren sind vermutlich eingeschmolzen worden.

In den 50er Jahren wurde die Statue wieder aufgestellt — wenn auch nicht wieder an so prominenter Stelle, sondern im Park. Und dort soll sie auch wieder hinkommen, wenn die Bauarbeiten für das Bismarckquartier abgeschlossen sind. An welchem Standpunkt ist aber noch nicht klar.