Gladbach: Für Mario Preikschats Schicksal steht ein ganzes Dorf zusammen

Gladbach: Für Mario Preikschats Schicksal steht ein ganzes Dorf zusammen

Mario strahlt. In seinen Augen Optimismus. Er hat wieder ein Ziel vor Augen. Im September beginnt er eine Ausbildung zum Bürokaufmann, bei einem großen Möbelhaus nahe München, bei dem er nach einem Praktikum derzeit bereits eine Einstiegsqualifizierung durchläuft. Mario Preikschat hat sich mit seiner Behinderung arrangiert und blickt voller Zuversicht in die Zukunft.

Anderthalb Jahre nachdem Meningokokken-Bakterien in seinem Körper eine Blutvergiftung ausgelöst hatten und die Ärzte sein Leben nur durch die Amputation beider Unterschenkel retten konnten, hat sich Mario einen Teil seiner Unabhängigkeit zurückerobert - auch und vor allem Dank der Unterstützung der Gladbacher Dorfgemeinschaft, die bewegt vom Schicksal des damals 17-Jährigen den Verein „Gladbach hilft” ins Leben rief und ein Benefizkonzert für Mario mit Künstlern aus dem Kölner Karneval und der Mallorca-Partyszene organisierte.

Benefizkonzert vor Jahresfrist

Ein Jahr ist seit diesem Abend vergangen. Zeit, nicht nur für den Vereinsvorstand um den Vorsitzenden Hans-Willi Grau, Bilanz zu ziehen. Und die fällt mehr als positiv aus. „Für uns stand von Beginn an fest, dass alle eingesammelten Beträge wie versprochen für Mario verwendet werden”, betont Grau. Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass sich der Jugendliche im vergangenen Jahr entschied, wieder zu seiner Mutter in die Nähe der bayerischen Landeshauptstadt zu ziehen und die Pläne des Vereins, das väterliche Haus in Gladbach bedürfnisgerecht umzubauen ad acta gelegt werden mussten.

Dort zu helfen, wo die Leistungen der Krankenkasse begrenzt sind, oder wo die Behinderung Marios beruflichen Werdegang und damit seine Zukunft zu beeinträchtigen drohte, war und ist das erklärte Ziel des Vereins. „Und wie wir sehen, hat es sich gelohnt. Es ist unbeschreiblich, Mario heute so fit zu sehen”, freut sich Hans-Willi Grau mit seinen Mitstreitern.

Krücken braucht Mario längst nicht mehr. „Die liegen im Schrank”, erzählt er stolz und verweist auf die modernen Prothesen, die ihm im Alltag so sehr helfen. Ohne „Gladbach hilft” würde er die heute nicht haben. Aus dem Erlös des Konzerts - immerhin rund 20.000 Euro - übernahm der Verein die Mehrkosten der Prothesen, die von der Krankenkasse nicht übernommen wurden - rund 5000 Euro. Geld, das Marios Lebensqualität spürbar verbessert hat.

Dank der Prothesen hat er zwischenzeitlich auch ohne große Probleme den Führerschein machen können, finanziert ebenfalls von „Gladbach hilft”. Einzige Einschränkung: Mario darf nur Fahrzeuge mit Automatikgetriebe fahren. Und Mobilität ist für den jungen Mann extrem wichtig. „Denn um zu meinem künftigen Ausbildungsplatz zu gelangen, müsste ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln dreimal umsteigen und hätte danach noch einen Fußweg von gut 30 Minuten.” Das würde nicht nur täglich mehrere Stunden Zeit kosten, es würde Mario auch überfordern.

Wieder war der Verein zur Stelle und kaufte einen Gebrauchtwagen - für Mario, der am heutigen Samstag seinen 19. Geburtstag feiert, ein vorgezogenes Geschenk, für den Verein eine weitere sinnvolle Investition in Marios Zukunft. „Denn wir wollen ja die Nachteile ausgleichen, die Mario durch seine Behinderung hat. Er soll die gleichen Ausbildungschancen haben wie jeder Nichtbehinderte auch”, erklärt Kassierer Heinz Meuser.

Separates Sparbuch angelegt

Und deshalb wird der Verein Marios Werdegang weiter intensiv begleiten. Denn noch ist Geld aus dem Konzerterlös übrig, das auf einem separaten Sparbuch angelegt wurde, um Mario auch in Zukunft unterstützen zu können. „Ich fühle mich echt super”, ist Mario nicht nur „stolz wie Oskar” über sein eigenes Auto, sondern auch unendlich dankbar für die Unterstützung aus seiner Heimat, die ihm geholfen hat, die schweren Stunden zu überstehen.

Ermuntert durch den Erfolg und die Tatsache, dass ein ganzes Dorf zusammensteht, um einem der ihren zu helfen, will der Verein „Gladbach hilft” auch in Zukunft unverschuldet in Not geratene Mitmenschen unterstützen. „Ein neues Projekt wurde bereits an uns herangetragen”, will Hans-Willi Grau vor der nun anstehenden Mitgliederversammlung aber noch nicht zu viel verraten. Nur so viel: „Es handelt sich um eine Person aus der Gemeinde Vettweiß.” Dabei betont der Vorstand, dass es nicht immer die große Aktion wie ein Benefizkonzert sein muss, auch wenn dass im Fall Mario dazu beigetragen hat, dass der 19-Jährige trotz seines Schicksals wieder strahlen kann.