Ginnick: Für Maria und Josef gibt es wieder viel Neues

Ginnick: Für Maria und Josef gibt es wieder viel Neues

Für Reiner Nießen beginnt der Morgen bereits um fünf Uhr. Dann schwirren ihm so viele Ideen im Kopf herum, dass er keine Minute länger im Bett bleiben kann. „Manchmal kann ich abends gar nicht einschlafen, so aufgeregt bin ich, weil mir wieder etwas Neues eingefallen ist”, berichtet der 75-Jährige.

Jedes Jahr um die Weihnachtszeit wird er von den Ginnickern für sein Können bestaunt. Schließlich ist die riesengroße Krippe, die in der doch eher kleinen Kirche steht, allein ihm zu verdanken. Und die Unterkünfte von Maria und Josef werden von Jahr zu Jahr nicht nur größer und größer, sondern auch die Krippenlandschaft umfangreicher.

Nießen fällt immer wieder etwas ein, um die Augen der kleinen und großen Kirchenbesucher und Krippenbetrachter strahlen zu lassen. Seit Jahren lautet das Motto für den gelernten Landmaschinenschlosser „Aus Alt macht Neu”. Stundenlang - teilweise von morgens bis abends - handwerkelt er in seiner umgebauten Garage und verarbeitet alles, was ihm zwischen die Finger kommt.

Holz, Metall, alte Farbreste, Schrott und sogar Folie weiß er künstlerisch einzusetzen. Wahre Kunstwerke sind so bereits entstanden. Kunstwerke, auf die sein Heimatdorf Ginnick stolz ist. „Um halb vier bringt meine Frau Christel mir einen Kaffee. Sie hat sich schon daran gewöhnt, dass ich mehr in meiner Werkstatt bin, als im Haus. Und im Sommer bekomme ich sogar Eis. Was ich mache, schätzt auch meine Frau”, sagt der Ginnicker stolz.

Und weiter: „Seit vier Jahren baue ich an der Krippe, was das Zeug hält. Es ist sozusagen zu meiner Lebensaufgabe geworden. Und wenn wir mehr Platz hätten und meine Krankheit es zulässt, würde ich noch weiter bauen.”

Nießen leidet schon seit längerer Zeit an Parkinson. Die auch als Schüttellähmung bezeichnete Krankheit erschwere ihm zwar manche Dinge, aber die Hobbyarbeit helfe ihm, die Symptome etwas zu zügeln. „Wenn ich hier in meiner Werkstatt bin, vergesse ich die Krankheit oft. Niemand glaubt mir, wie filigran ich trotz den Zitteranfällen arbeiten kann”, erwähnt der Hobbyhandwerker.

Angefangen von dem Stall, der aus einer alten Holztreppe entstanden ist, die Nießen in etliche kleine Stäbe sägte, über die jeweiligen Rückwände, die nicht nur selbst gebaut, sondern auch eigens angemalt und verputzt wurden, bis hin zu einer beeindruckenden Wassermühle. Die Krippe ist ein Gesamtkunstwerk. Dabei ist das längst nicht alles. Eine Herberge, ein Brunnen mit fließendem Wasser, Josefs Werkstatt, zwei Tore, Heuwagen, und sämtliche weitere Dekorationen tragen das „Nießen-Siegel”.

Besonders stolz ist der 75-Jährige auf die Kirche und die Gaststätte. Auch diese kommen in der aufgebauten Krippengeschichte Ginnicks vor. Anhand von uralten Fotos, jeder Menge Skizzen und noch mehr Geduld hat der Krippenbauer diese beiden Ginnicker Gebäude nämlich originalgetreu nachgebaut. Nicht der kleinste Unterschied ist zu sehen. Etliche Male fährt er zum Schrotthändler oder in ein Antiquariat, bis er die benötigten Einzelteile zusammen hat. Die Mühle zum Beispiel war zum größten Teil einmal ein alter Badeofen.

„Es gibt insgesamt vier Szenen, die jeweils zum entsprechenden Adventsfeiertag und der Woche darauf, in der Ginnicker Kirche zu sehen sind. Während wir in den vergangenen Jahren immer noch alles auf eine Seite stellen konnten, müssen wir in diesem Jahr sogar den Beichtstuhl verrücken und auch die andere Seite des Kirchenschiffes miteinbeziehen”, erklärt Marie-Luise Schönen.

Mit ihrer Tochter Denise, Christopher Klook und Thomas Schröder steht sie bald wieder stundenlang in der Kirche, um die einzelnen Szenen aufzubauen. Und auch dabei spielt Nießen eine wichtige Rolle. Damit das Wasser bei Brunnen und Mühle läuft, müssen die Anschlüsse richtig verlegt werden, die größeren Bauten sollten passend zusammengesetzt sein und die 80 Zentimeter großen Figuren aus den 60er Jahren an der richtigen Stelle stehen. Vollständig kann die Krippe dann am vierten Advent, Sonntag, 18. Dezember, bewundert werden.