Düren: Früher ging es mit Sonntagsschuhen in den Wald

Düren: Früher ging es mit Sonntagsschuhen in den Wald

Funktionsjacken, Outdoor-Hosen und wasserdichte Schuhe gehören heute quasi zur Pflichtausstattung für Wanderer. Als vor 125 Jahren die Ortsgruppe Düren des Eifelvereins gegründet wurde, sah das ganz anders aus: Die Damen gingen im Kleid oder Kostüm und mit Sonntagsschuhen auf Wanderschaft, und die Herren trugen Anzug, Krawatte und Uhrenkette — immerhin hatten sie kräftiges Schuhwerk.

Als die ersten Dürener sich auf den Weg machten, die Eifel zu Fuß zu erkunden, war das Wanderwegenetz noch bei weitem nicht so ausgebaut. Und auch der Weg in die Eifel war beschwerlicher, fuhr die erste Rurtalbahn doch erst im Jahr 1903 von Düren nach Heimbach. Die Moden und das Wegenetz haben sich geändert — geblieben ist die Freude am Wandern, an der Bewegung an der frischen Luft.

Am Samstag feiert die Ortsgruppe Düren ihr 125-jähriges Bestehen mit einem Festakt im Rathaus (Beginn 11 Uhr). Vier Jahre nach der Gründung des Hauptvereins schlossen sich Dürener an. Heute zählt der Verein 390 Mitglieder. „Allerdings sind alle älteren Datums“, sagt der Vereinsvorsitzende Dietrich Stegemann.

Wandern heute und damals: Früher gingen die Damen mit Rock und feinen Schuhen, die Herren mit Krawatte. Auf dem historischen Bild unten ist als Achter von links Franz Krawutschke zu sehen, nach dem der Aussichtsturm bei Bergstein benannt wurde. Foto: Stadt- und Kreisarchiv

Der gefühlte Altersdurchschnitt liege jenseits der 70 Jahre. Dabei gebe es auch für junge Leute genügend gute Gründe, die Wanderschuhe zu schnüren: „Das Kennenlernen der Natur in den verschiedenen Jahreszeiten ist für mich ein wichtiger Aspekt“, sagt Stegemann: Die kargen Landschaften im Winter, die ungewohnte Blicke freigeben, das sprießende Grün im Frühjahr, die Blumen des Sommers und die Farben des Herbstes.

Dietrich Stegemann, Vorsitzender der Ortsgruppe. Foto: Berners

Heimat intensiver kennenlernen

„Außerdem ist es natürlich gut für die Gesundheit, bei Wind und Wetter draußen zu sein. Ich bin jedenfalls viel seltener krank, seitdem ich Mitglied des Eifelvereins bin“, sagt Dietrich Stegemann. „Außerdem hat der Mensch ja auch aus gutem Grund zwei Beine, der Mensch ist dafür gemacht, auf Wanderschaft zu gehen, in Bewegung zu sein.“

Durch das Wandern könne ein jeder seine Heimat intensiver kennenlernen, sich besser mit ihr identifizieren. Ein weiterer schöner Aspekt des Wanderns: „Man ist mit gleichgesinnten Menschen unterwegs. Das Wandern verbindet uns, aber darüber hinaus haben wir vielleicht völlig andere Interessen, ganz andere Geschichten. Es ist ein weites Spektrum, das man unterwegs kennenlernt“, beschreibt Stegemann. Beim Wandern kämen unglaublich gute Gespräche zustande. Und wer nicht mehr so gut zu Fuß sei, der könne ja den Schwerpunkt auf die Einkehr legen — auch dafür gibt es die passenden Touren.

Dafür, dass die Wanderer immer den richtigen Weg finden, sorgen die Wanderführer. Und die Wegewarte aus Düren sehen auf ausgesuchten Strecken nach dem rechten, schauen, ob alle Markierungsschilder noch an Ort und Stelle sind und bringen neue an.