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Nideggen: Frenetischer Beifall für fulminantes Jazztrio

Nideggen : Frenetischer Beifall für fulminantes Jazztrio

Macht ein gutes Büfett zufriedener oder anspruchsvoller? An den dicht besetzten Tischreihen im Hotel „Zur Ewigen Lampe” wurden beide Gemütsverfassungen mit begeistertem Behagen bis kurz vor Mitternacht erfüllt.

Die hohen Erwartungen in das Spiel der außergewöhnlichen Musikerin Cynthia Sayer aus New York City auf dem seltenen Jazz-Banjo wurden mehrfach übertroffen.

Ihre legendären Erfolge mit berühmten Musikern und Starformationen waren sofort handgriffig spürbar, weil sie bei den New Orleans Classics in Ascona (Schweiz) für ihre Deutschlandtournee zwei kongeniale Jungs gefunden hatte. Ihr fulminantes Trio entfachte in gleichwertig verteilter solistischer Brillanz mit Engelbert Wrobel und Henning Gailing zündende Jazzlichter aus lyrischen Blues-Balladen, rasanten Rags und witzig getexteten Evergreens.

Denn zugleich und wechselnd mit Banjo-Melodien, rasselnden Akkordketten und abwechslungsreichen Improvisationen brachte die zierliche Cynthia ihre sympathisch ungekünstelte Stimme ein.

Unverstärkter Naturton

Ebenso sympathisch unmittelbar war der völlig unverstärkte Naturton der Instrumente und mitreißend der intensive Drive, mit der die kleine Frau von den beiden Tempo forderte.

Wrobel revanchierte sich mit seinen berüchtigten Übersetzungen des Englischen in Eifeler Deutsch und zauberte auf Klarinette, Sopran- und Altsaxophon Stimmungen voll Klangfülle, virtuosen Tönen und humorvollen Phrasierungen.

Gailing, in Nideggen und Düren schon mit Silvia Droste und dem Martin-Sasse-Trio aufgefallen, zelebrierte neben seiner rhythmischen Kraft die hohe Schule des gezupften und gestrichenen Solo-Basses, schärfsten Diskant und satte Resonanz.

Cynthia Sayer legt wohl mit Recht Wert darauf, dass ihr Jazz-Banjo nicht mit RhythmnBlues-Folklore verwechselt wird. Ihr viersaitiges Instrument hat eine andere Form und Stimmung.

Ihr Vorbild ist Elmer Snowden, Bandleader der „Washingtonians”, in der er den jungen Duke Ellington entdeckte, der die Band später zu seinem Orchester machte. Anregungen eines Gitarristen wie Django Reinhardt sind in ihrem Elan spürbar.

Zwei Sets zu je acht Titeln hatten ihren spezifischen Reiz, von Hi-Ho bis Kansas City Kate, von Tin Roof Blues bis My Honeys Loving Arms alle nennenswert. In ihrer solistischen Aufgabe herausragend, Gailings schluchzender Bass „But not for Me”, Wrobels fetziger „Wild Cats Blues” und Sayers konzertant wie parodistisch gesteigertes „Midnight in Moscow” sowie ihr erfrischender Gesang zu „Money”, „meinem Lieblingsthema”.

Die nach dem Dank an Initiator Jörg Birkelbach frenetisch erklatschten Zugaben umfassten wieder die ganze Bandbreite zwischen Lyrik und Ekstase: „On the Sunny Side of the Street” und „Running Wild” mit Engels lokalen Anspielungen.