Aachen/Düren: Frau schlägt mit Flasche auf Nachbarin ein: Zwei Jahre Haft auf Bewährung

Aachen/Düren : Frau schlägt mit Flasche auf Nachbarin ein: Zwei Jahre Haft auf Bewährung

War es ein Mordversuch, oder ist die 45-jährige Angeklagte Manuela W. aufgrund ihres Drogenkonsums derart unverhältnismäßig ausgerastet, dass sie mit zwei Hieben mit vollen Rotweinflaschen beinahe ihre Nachbarin umgebracht hätte?

Die in der Tat wesentliche Frage versuchte am Freitag der Vorsitzende der Schwurgerichtskammer am Aachener Landgericht, Roland Klösgen, aus den beiden Frauen, die an diesem unglückseligen Nachbarschaftsstreit beteiligt waren, herauszukitzeln, es gelang ihm zunächst nur mühsam.

Doch am Ende des Tages stand ein Urteil, mit dem die Angeklagte viel Glück hatte. Sie wurde zu zwei Jahren Haft auf Bewährung wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt, der Vorwurf des Mordversuchs ließ sich für die Kammer nicht erhärten.

Zunächst zur Tat. Am 17. November des vergangenen Jahres war es zum Streit zwischen der langjährigen Mieterin aus dem zweiten Stock und der etwa seit einem Jahr dort wohnenden Mieterin aus dem ersten Stock eines Mehrfamilienhauses in Birkesdorf gekommen, dies anscheinend aus heiterem Himmel. Als Manuela W. und das Opfer, die 58-jährige Marion T., sich in der Waschküche trafen, war noch alles in Ordnung. Doch urplötzlich und gänzlich unmotiviert habe Manuela W. dann im Treppenhaus gesagt, sie, Marion T., solle aufpassen, dass sie nicht über die Brüstung „des Geländers gehe“. Verwundert wäre sie gewesen, sagte T. am Freitag zu Richter Klösgen, doch sie habe sich nichts Böses dabei gedacht.

Blutüberströmt und benommen

Das Böse kam allerdings heftig von hinten, wie sie am Freitag unter Tränen schilderte. „Ich wollte kochen gehen und schloss die Wohnungstüre auf. Da bekam ich von hinten einen heftigen Stoß, so dass ich ins Wohnzimmer fiel.“ Das alleine wäre schon übel gewesen. Doch dann ging es erst richtig los, wie die Geschädigte schilderte. In ihrem eigenen Flur stand ein kleines Weinregal. Daraus hatte sich die Nachbarin wohl „bedient“, eine volle Rotweinflasche gegriffen und ihr von hinten auf den Kopf gedonnert, zu einem Zeitpunkt, als sie sich gerade wieder hochrappeln wollte.

Sie sei blutüberströmt und benommen gewesen, habe sich aber mit letzter Kraft erhoben. Da sah sie bereits eine zweite Weinflasche auf sich zukommen, wieder traf sie den Kopf. „Ich griff mir in meiner Panik ihre Dreadlocks, zog daran und schrie nach Hilfe.“ Dann sei der Freund der mutmaßlichen Angreiferin von unten gekommen, der seine Gefährtin losriss und nach unten brachte. Ja, es stimme, sie habe geschrien: „Nimm deine Alte mit nach unten“. Dann habe sie die Polizei und ihren Mann angerufen.

Die Angeklagte selber konnte sich aucham Freitag vor Gericht ihren gewalttätigen Überfall auf die Nachbarin nicht erklären. „Ich kann mich nicht richtig erinnern. Ich bin gar kein gewalttätiger Mensch“, sagte die wegen versuchten Mordes angeklagte Schwäbin dem Richter. Sie habe an dem Tag Amphetamine geschluckt, hatte sie bereits bei der Polizei angegeben. Wie es aber zu ihrem Verhalten gekommen sei, das könne sie sich nicht erklären.