Niederzier: Flüchtlinge unterstützen den Bauhof bei der Grünpflege

Niederzier: Flüchtlinge unterstützen den Bauhof bei der Grünpflege

Sie Kommen unter anderem aus Guinea, Eritrea und Nigeria — junge Kriegsflüchtlinge, die vor den Wirren in ihrer Heimat geflüchtet sind und während ihres Asylverfahrens eine neue Heimat auf Zeit in der Gemeinde Niederzier gefunden haben.

Über 150 Flüchtlinge leben aktuell in der Gemeinde, viele wollen arbeiten, dürfen aber nicht, weil sie noch am Beginn ihres Asylverfahrens stehen. „Viele fragen uns immer wieder, ob sie arbeiten können“, erklärt Dirk Lauterbach. Sie wollen nicht einfach nur in ihrer Unterkunft sitzen und warten, bis ihr Asylantrag bearbeitet ist, berichtet der Allgemeine Vertreter des Bürgermeisters.

Deshalb bietet die Gemeinde ihnen an, sich gegen einen kleinen finanziellen Obolus gemeinnützig im Bauhof zu betätigen. Das ist gesetzlich zulässig. Ein Angebot auf freiwilliger Basis, das bei den Flüchtlingen auf immer größeres Interesse stößt.

„Im April haben wir 400 Arbeitsstunden gezählt, im August waren es schon 1100“, erklärt Bauhofleiter Hermann Albrecht. Derzeit finden sich morgens bis zu 20 junge Männer bei ihm ein. Ein Teil kümmert sich nach einer Einweisung eigenständig um die Unterhaltung und Pflege der Wege auf den Friedhöfen, andere unterstützen Baufhofmitarbeiter bei der Pflege der Beete und Grünanlagen in den Orten.

Auch die Hausmeisterkolonne des Bauhofes freut sich über zusätzliche Hände, die anpacken wollen und können. „Beispielsweise, wenn Unterkünfte für weitere Flüchtlinge eingerichtet werden müssen“, erklärt Albrecht. Und er freut sich über das Engagement der meisten Flüchtlinge. „Die Leistung ist okay. Da kann ich mich nicht beklagen.“ Natürlich gebe es auch den einen oder anderen, der nach dem ersten Tag nicht mehr gesehen wird. Aber das sei eher die Ausnahme.

Unterm Strich bleibt: Mit der Unterstützung der Flüchtlinge kann die Gemeinde ihren Standard bei der Grünunterhaltung anheben. „Wo sonst nur zwei Durchgänge im Jahr möglich waren, können wir jetzt öfter tätig werden“, erklärt Bürgermeister Hermann Heuser.

Größtes Problem im täglichen Miteinander ist die Sprachbarriere. Deutsch kann kaum einer der Flüchtlinge, wenige verstehen ein paar Brocken Englisch. Irgendwie haben Albrecht und seine Kollegen es bislang aber immer noch geschafft, deutlich zu machen, welche Arbeiten erledigt werden müssen.

„Wenn einer uns verstanden hat, erklärt er es den anderen“, berichtet Albrecht. Die Flüchtlinge sind voll in den Tagesablauf des Bauhof-Teams integriert, berichtet der Chef von gemeinsamen Frühstücks- und Mittagspausen. „Auch wenn eine kleine Feier ansteht, gehören sie natürlich dazu.“

Wichtig ist der Verwaltung auch, dass sich die Flüchtlinge für ihre „Heimat“ auf Zeit selbst verantwortlich zeigen und das Umfeld der Unterkünfte in Ordnung halten. Das steigere die Akzeptanz in der Bevölkerung.

Das freiwillige Arbeitsangebot ist das eine, die tägliche Betreuung der Hilfesuchenden ein anderes wichtiges Thema. Bürgermeister Hermann Heuser will — wenn der Gemeinderat mitzieht — so schnell wie möglich zusätzliche Betreuungskräfte einstellen, Sozialarbeiter, die sich zusätzlich zu den ehrenamtlichen Kräften intensiv um die Flüchtlinge, ihre Anliegen und Bedürfnisse kümmern. „Wir müssen unsere Betreuungsintensität verbessern“, steht für Heuser fest, um der humanitären Herausforderung gerecht zu werden.