Morschenich: Flüchtlinge im Umsiedlungsort

Morschenich: Flüchtlinge im Umsiedlungsort

Die Kohlebagger rücken an, die Morschenicher müssen ihren Heimatort in den nächsten Jahren verlassen. Etwa 20 Häuser stehen in dem Dorf bereits leer. Jetzt sind die ersten Flüchtlinge nach Morschenich gezogen — in die Häuser, die die Umsiedler erst vor kurzer Zeit verlassen haben.

„Die Kapazitäten der Gemeinde sind erschöpft, alle Unterbringungsmöglichkeiten im Zentralort sind belegt“, erklärt Bürgermeister Peter Harzheim. 110 Flüchtlinge leben im Hauptort, 18 Flüchtlinge seien nun in zwei Morschenicher Häusern untergebracht. „Sie wurden uns von RWE per Nutzungsvertrag überlassen, die Kosten trägt wie sonst auch die Gemeinde.“ Zwei weitere Häuser werden vom Bauhof der Gemeinde derzeit bezugsfertig gemacht.

Wie der Bürgermeister erklärte, seien nicht alle Objekte in Morschenich als Flüchtlingsunterkunft geeignet. Einige Objekte könne nicht genutzt werden, da alle Räume hintereinanderliegen würden und es keine Privatsphäre gebe. Andere Gebäude seien in einem Zustand, der eine Nutzung nicht mehr erlaube.

Gleichwohl sei angedacht, weitere Flüchtlinge im Umsiedlungsort unterzubringen. „Der Wohnraum auf dem freien Markt ist knapp, nicht jeder Vermieter stellt seine Wohnung für Flüchtlinge zur Verfügung. Wir suchen händeringend“, erklärt Harzheim. Aber auch wenn sich in Morschenich mit dem Wegzug weiterer Umsiedler neue Kapazitäten ergeben würden, gelte es andere Möglichkeiten aufzutun: „Die Morschenicher werden immer weniger. Wir müssen auch auf ein gesundes Verhältnis achten.“ Bisher laufe das Zusammenleben aber gut.

„Wir wollten in Morschenich verstärkt Familien unterbringen. Aber derzeit kommen nur männliche Einzelpersonen“, erklärt Hans Willi Weingartz, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters. „Die Nutzungsverträge gelten zunächst für drei Jahre. Ob sie verlängert werden können, ist noch unklar“, sagt Weingartz. Die bergbauliche Inanspruchnahme sei für 2020 geplant, das RWE beginne üblicherweise aber vorher mit dem Rückbau. „Diese Lösung verschafft uns Zeit, um nach anderen Wohnungen zu suchen. Denn der Zustrom an Flüchtlingen wird noch anhalten und die Abarbeitung aller Anträge noch viel Zeit in Anspruch nehmen.“

Eine weitere Option für die Unterbringungen von Flüchtlingen könne das Pfarrheim in Golzheim sein. „Das ist uns angeboten worden, eine Besichtigung steht aber noch aus“, erklärt der Bürgermeister.

Mehr von Aachener Zeitung