Kreis Düren: Feuerwehren im Kreis Düren suchen neue Mitstreiter

Kreis Düren : Feuerwehren im Kreis Düren suchen neue Mitstreiter

Stellen Sie sich vor, Sie sind verletzt in Ihrem Wagen eingeklemmt: Wer kommt, um Sie zu befreien? Wer sichert die Straße nach einem Unfall? Stellen Sie sich vor, Sie liegen hilflos in ihrem Bett: Wer kommt, um dem Rettungsdienst Zutritt zu verschaffen? Und wer übernimmt die Brandschutzerziehung in Schulen und Kindergärten? Die Liste ließe sich lange fortsetzen, die Antwort ist kurz: die Freiwillige Feuerwehr.

Das nehmen wir oft als ebenso selbstverständlich hin wie den Rettungsdienst, der kommt, wenn jemand zusammenbricht. Aber die Feuerwehrleute auf dem Land und auch die meisten in der Stadt Düren kommen ehrenamtlich. Für ihren Einsatz bei Bränden oder Unfällen gibt es kein Geld, die mindestens 160 absolvierten Stunden für die Grundausbildung zwacken sie von ihrer Freizeit ab. Ein Beispiel: 160 Einsätze hatte die Niederzierer Wehr im vergangenen Jahr — fast jeden zweiten Tag also waren Ehrenamtliche im Einsatz.

Wirbt um neue Feuerwehrleute: Hürtgenwalds Wehrleiter Reinold Pickard. Foto: Sarah Maria Berners

„Wir sind die, die anderen helfen und sich dabei selbst Gefahren aussetzen.“ Mit diesen Worten beschreibt es Matthias Dienstknecht, der Leiter der Feuerwehr in Inden. Und genau für diese Aufgabe sei es äußerst schwierig, neue Mitstreiter zu finden. Die meisten Feuerwehren haben viel zu wenige Aktive. „Die Leute sind beruflich eingespannt, haben Familie und ein großes Angebot an Freizeitaktivitäten — da sind immer weniger bereit, sich im Ehrenamt zu engagieren“, sagt Dienstknecht.

Der Feuerwehr in Kreuzau zum Beispiel fehlen nach den offiziellen Berechnungen 50 Mann, in Hürtgenwald rund 60, in Inden sind es noch mehr. Anderswo sieht es ähnlich aus. Vor allem tagsüber, wenn die meisten Wehrleute arbeiten, ist es für die Kommunen eine Herausforderung, genügend Mann zusammenzubekommen, die dann auch noch schnell am Einsatzort sind. „Trotzdem ist die Feuerwehr bei ihren Einsätzen gut aufgestellt, trotz des Personalmangels haben wir eine funktionierende Wehr“, sagt Hürtgenwalds Bürgermeister Axel Buch. „Aber wir müssen etwas tun.“

Broschüre für Neubürger

Deswegen suchen die Feuerwehren im Kreis Düren und in ganz NRW händeringend neue Mitstreiter. Das tun sie immer — in Kreuzau zum Beispiel direkt mit einer Broschüre für jeden Neubürger. In Hürtgenwald ist nun eine Plakat- und Infoflyer-Kampagne des Landesinnministeriums gestartet. Die läuft auch in vielen anderen Kommunen, in manchen schon seit etwa einem Jahr.

Die Feuerwehren freuen sich über jedes einzelne neue Mitglied. „Wenn wir mit den Plakaten eine Person erreichen, hätte es sich schon gelohnt“, sagt Markus Wirtz, der Wehrleiter aus Niederzier. Bisher seien aber keine Effekte messbar. Viel wichtiger sei das persönliche Gespräch. „Über die spannende Technik der Feuerwehrautos lässt sich am besten Interesse wecken“, sagt Markus Wirtz. Auch in Straß in der Gemeinde Hürtgenwald hat sich laut Wehrleiter Reinhold Pickart gezeigt, dass einige neue Mitglieder für die Wehr herausspringen, wenn ein Löschgruppenführer an die Türen klopft.

Die Broschüre für Neubürger hat laut Kreuzaus Feuerwehr-Chef Guido Klüser immerhin dafür gesorgt, dass eine Handvoll Zugezogener, die schon in ihrer alten Heimat Feuerwehrmänner waren, sich den Rettern in der neuen Heimat angeschlossen haben.

Anreize für ehrenamtliches Engagement

Um die Wehren wirklich personell aufzustocken, reicht das nicht: „Eine kleine Zusatzrente für Feuerwehrleute fände ich einen guten Anreiz“, schlägt Matthias Dienstknecht aus Inden vor. Bisher haben finanzielle Entlohnungen eher symbolischen Charakter, sind eine Form der Anerkennung: In Hürtgenwald etwa gibt es pro absolvierter Übung einen kleinen Beitrag für die Kameradschaftskasse und für jeden Einzelnen. Die Stadt Heimbach hat die Feuerwehrleute im vergangenen Jahr mit Dienstausweisen ausgestattet. Mit diesen bekommen die Feuerwehrleute Vergünstigungen in Fitnessstudios, freien Eintritt ins Freibad, und ein Baumarkt in Zülpich gewährt Rabatt auf die Einkäufe. Außerdem dürfen Wehrleute auf allen Parkplätzen eine Stunde kostenlos parken. Diese Anreize sollen das ehrenamtliche Engagement fördern.

Was sich auch ändern muss, ist das Bild der Feuerwehr in der Gesellschaft, das „freiwillig“ im Namen hat eine Tücke: Die Feuerwehr würde oftmals als normaler Verein wahrgenommen, weiß Niederziers Wehrleiter Markus Wirtz. Und ja, meistens beteiligen sie sich auch etwa an Festumzügen, die Kameradschaft ist wichtig. Aber: „Wir übernehmen die gesetzliche Aufgabe der Gemeinden und wir haben dieselben Fahrzeuge, wie es eine Berufsfeuerwehr etwa in Aachen und Köln hat. Manche Menschen glauben, nach uns kommt noch die ‚richtige Feuerwehr‘. Aber die richtige Feuerwehr, das sind wir“, sagt Wirtz.

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