Feuerwehr Kreis Düren: Im Notfall in ganz NRW im Einsatz

Feuerwehr des Kreises Düren : Für Schadenslagen in ganz NRW gerüstet

Das Szenario klingt sehr ernst: Über der 490.000-Einwohner-Stadt Duisburg tobt ein Unwetter. Fast die ganze Stadt ist ohne Strom, ein Krankenhaus und ein Seniorenheim müssen geräumt werden. Zu allem Überfluss steigt in einem Stadtteil das Grundwasser so massiv an, dass über eine Evakuierung des kompletten Quartiers nachgedacht wird. Rund 4500 Rettungskräfte sind im Dienst.

Was sich überaus realistisch anhört, ist zum Glück nur eine sogenannte Stabsübung in der Akademie für Krisenmangement, Notfallplanng und Zivilschutz des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Bad Neuenahr. 18 Einsatzkräfte aus dem Kreis Düren haben zum ersten Mal an einer solche Übung teilgenommen.

Mit dabei waren neben zwölf Feuerwehrleuten aus dem Kreisgebiet auch Vertreter des Technischen Hilfswerks, des Deutschen Roten Kreuzes, der Polizei und der Bundeswehr. Eine Woche haben die Fachleute an der Ahr den Ernstfall geprobt. Der Grund für diese Übung ist schnell erklärt: Der Kreis Düren gehört zu fünf Einheiten des „Mobilen Führungsstabes“ (MoFürst). Fünfmal im Jahr die MoFürst aus dem Kreis Düren Rufbereitschaft und kann dann bundesweit zu großen Schadenslagen angefordert werden. „Dabei“, erklärt Kreis-Brandmeister Karlheinz Eismar, „geht es vor allem darum, den örtlichen Führungsstab zu unterstützen. Zum Beispiel bei Einsätzen, die sehr lange dauern.“

Mögliche Einsatzszenarien sind beispielsweise extreme Hochwasser, aber auch Bombenfunde mit umfangreichen Evakuierungsmaßnahmen, Flugzeugabstürze, Großbrände oder mehrere Tage dauernde Rockfestivals, bei denen Einsatzkräfte vor Ort sein müssen.

Bei der Schulung in Bad Neuenahr nahmen neben Feuerwehrleuten auch Vertreter von Bundeswehr und Deutschem Roten Kreuz teil. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Bei der umfangreichen Schulung in Bad Neuenahr, die der Feuerwehr natürlich auch in Zukunft bei großen Einsätzen in der Region, zum Beispiel rund um den Hambacher Forst, zugute kommen wird, haben die Männer eine Woche lang gelernt, mit dem Führungsstab verschiedene Hilfsmaßnahmen zu koordinieren. „Diese Maßnahmen“, erklärt Karlheinz Eismar, „sind sehr vielfältig und finden auf ganz unterschiedlichen Ebenen statt. So gilt es zum Beispiel, weitere Hilfskräfte heranzuführen und deren Einsatz zu planen, aber auch für die notwendige Logistik, etwa Übernachtungs- und Versorgungsmöglichkeiten der Bevölkerung zu sorgen.

Anstrengend, aber effektiv

Zwei, die aus dem Kreis Düren an der Übung teilgenommen haben, sind Stefan Treuling von der Feuerwehr Düren und sein Kollege Dirk Reinartz aus Langerwehe. „Die Woche war sehr anstrengend“, sagt Reinartz. „Aber sie hat auch unglaublich viel gebracht, weil Feuerwehr, Polizei, Bundeswehr, Technisches Hilfswerk und Deutsches Rotes Kreuz sich viel besser kennengelernt haben, vor allem, was ihre unterschiedlichen Arbeitsweisen angeht.“ Für ihn, ergänzt Reinartz , sei es absolut neu gewesen, dass die Bundeswehr innerhalb von zweieinhalb Stunden 2500 warme Mahlzeiten besorgen könne. Reinartz: „Es war sehr beeindruckend zu sehen, über welches große technische Know-how die Bundeswehr verfügt.“

Grundsätzlich sind Reinartz und Treuling begeistert, wie realistisch die Bedingungen in Bad Neuenahr waren. „Wir haben uns wirklich in das Duisburger Katastrophenszenario eingearbeitet und zwischendurch fast vergessen, dass es sich um eine Übung handelt“, betont Treuling. Kontrolliert, geschult und gegebenenfalls auch korrigiert wurden die Einsatzkräfte von Fachleuten der Bereitschaftspolizei  Berlin und der Feuerwehr in Unna. Treuling: „Um solche großen Katastrophenlagen zu beherrschen, brauchen die Verantwortlichen im Führungsstab ein funktionierendes System. Das sind Managementaufgaben, die wir dort erfüllen müssen.“

Dank der einwöchigen Übung, die in Zukunft einmal im Jahr für maximal 20 Teilnehmer angeboten werden soll, fühlen sich Eismar, Treuling und Reinartz auch für große Einsätze im Kreis Düren besser gerüstet. „Wir sind mit vielen neuen Impulsen zurückgekommen“, sagt der Kreisbrandmeister. „Auch, um unsere Stabsarbeit für den Kreis Düren zu optimieren.“

Denn eins ist den Verantwortlichen der Feuerwehr mehr als bewusst: die Zahl großer Einsatzlagen wird in Zukunft weiter steigen. Alleine die Einsätze aufgrund von schweren Unwetterlagen werden zunehmen“, unterstreicht Eismar. „Das merken wir schon jetzt und das werden wir aufgrund des Klimawandels in Zukunft noch stärker merken.“

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