Düren: Fatih Çevikkollu: Schonungslos und vor allem urkomisch

Düren: Fatih Çevikkollu: Schonungslos und vor allem urkomisch

Wie deutsch darf ein Türke sein oder wie türkisch ein Deutscher? Ist ein Kölscher Jung mit türkischen Eltern, der Goethe und Tucholsky rezitiert, ebenso deutsch wie der Polizist, der Genitiv und Dativ nicht unterscheiden kann? Fatih Çevikkollu stellt Fragen und gibt Antworten.

Er hält seinem „deutsch-deutschen“ Publikum — aber auch sich selbst — den Spiegel vor, gräbt Klischees und Vorurteile aus. Das tut manchmal weh, schockiert, aber ist vor allem richtig lustig. „Wahrheit braucht Gags“, sagt Fatih Çevikkollu.

Und nach diesem Motto bekamen die Dürener am Montagabend im „Komm“-Zentrum seine Wahrheit, schonungslos, selbstironisch, intelligent und urkomisch. In seinem vierten Bühnenprogramm „Fatih-Tag“ rechnet der 1972 in Köln-Nippes geborene Schauspieler und Kabarettist ab: mit den Katholiken seiner Kindheit, den Lehrern, die Kinder nach Namen benoten, Mülltrennern, deutschen Ex-Kolonialherren und der Politik.

Zwischen der nichts sagenden Raute der „Uckermaus“ und anderen Handzeichen, „Oppositions-Hobbits“ und der neuen Bundeswehr-Krabbelgruppe „Am Hindukuscheln“ fragt sich Çevikkollu, warum eigentlich in Deutschland keine Revolution ausbricht. „Es gibt keine Formulare dafür“, lautet seine einfache Antwort. „Wir Deutschen machen sowas nicht“, betont der Kabarettist.

Genau: „Wir“! Mit seinem strahlenden Lächeln kommentiert der 41-Jährige das leichte zucken in den Gesichtern einiger Zuschauer. „Darf der das?“ Oh ja, er muss sein Publikum verwirren, denn auch Fatih Çevikkollu ist trotz seiner Identität als Deutscher manchmal selber immer noch verwirrt.

Zum Beispiel, wenn er ins Ausland reist und verständnislos angeschaut wird, wenn er sagt, er sei Deutscher. Aber auch, wenn er sich an eine „handfeste“ Polizeikontrolle bei einem Besuch mit seinen Eltern in der Türkei erinnert. Fatih Çevikkollu ist ein „leeven Jung“, der sich wundert, über Deutsche, Türken und den Menschen als solchen.

Dafür schlüpft er zeitweise auch in die Rolle des „fiesen Möpp“, der sich in der Kneipe damit brüstet, gerade eine Hatz-IV-Immobilie erstanden zu haben. „Die sind absolut sicher, da kriegst du immer deine Miete, garantiert.“ Und je mehr Kinder desto besser für den „Cash-Flow“ in den Familien. Doch nach einigen Minuten muss der Kabarettist sich von dem „sozial-inkontinenten“ Ausbeuter befreien und wieder er sein, Fatih Çevikkollu. Der zwar immer noch bissig und ein wenig böse den Finger in viele Wunden legt, aber immer mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht und der Gewissheit: „Der darf das!“

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