Fastenzeit: Was macht ein Vollblut-Karnevalist ohne Karneval?

„Verzichten – na und?“: Serie zur Fastenzeit : Ostern gibt es wieder Karnevalsmusik

Sechs Wochen ganz ohne jecke Tön und Stimmungsmusik – geht das für einen Vollblut-Karnevalisten überhaupt? Frank Pauli erzählt.

Frank Pauli ist bereits mehr als die Hälfte seines Lebens Teil des organisierten Karnevals – völlig freiwillig und mit großer Begeisterung. Und auch vorher hat der 50-Jährige gerne und viel Fastelovend gefeiert. Seit 32 Jahren ist er Vorstandsmitglied der KG „Rurkei“ aus Niederau, sieben Jahre war er Vizepräsident des Festkomitees Dürener Karneval. Und in der vergangenen Session war Pauli Adjutant des Dürener Prinzenpaares.

Rund 120 Auftritte hat er zwischen dem 11. November 2018 und dem 6. März 2019 absolviert – das sind im Schnitt zwei jeden Tag, wenn man die Adventszeit abzieht. Aber was bedeutet es für einen Vollblutkarnevalisten, plötzlich nicht mehr „Alaaf“ rufen und „Die Karawane zieht weiter“ singen zu dürfen? „Ab Aschermittwoch“, sagt Frank Pauli und lächelt, „gibt es bei mir im Auto keine Karnevalsmusik mehr. Aber Ostern werde ich dann spätestens wieder schwach. auch wenn meine Frau die Stirn runztelt, wenn wieder Karnevalsmusik läuft.“

Karneval, das ist für Frank Pauli Heimat und Lebensgefühl gleichermaßen, Hobby und Leidenschaft. „Adjutant des Prinzenpaares zu sein“, sagt er, „war eine sehr besondere Erfahrung für mich, weil ich den Karneval noch einmal aus einer ganz neuen Perspektive kennengelernt habe. Aber es war natürlich auch eine sehr intensive, eine stressige Zeit.“ Auch deswegen, ergänzt Pauli, sei sein Körper an Aschermittwoch sicherlich sehr froh gewesen, endlich zur Ruhe zu kommen. „Und mein Geist irgendwie auch. Ich habe diesen Tag wirklich dazu genutzt, runterzukommen und versucht, nicht an Karneval zu denken. Und das hat auch einigermaßen funktioniert.“

Einen Tag nach Aschermittwoch sei er aber dann schon in die Planungen für die nächste Session eingestiegen. „Ich habe einen Künstler für die Sitzung der ‚Rurkei’ verpflichtet. Und deswegen natürlich auch mit meinen Vorstandskollegen telefoniert.“

Überhaupt ist Karneval für Frank Pauli ein „Ganzjahres-Thema“. „Die Schwierigkeit von Karnevalsgesellschaften ist doch, dass man die Gemeinschaft innerhalb der Gesellschaft auch im Sommer aufrechterhalten muss. In der Session ist man viele Wochen wirklich eng zusammen, im Sommer gibt es plötzlich nur noch wenig Kontakt. Das ist schwer, deswegen versuchen wir, auch nach der Session interessante Veranstaltungen für unsere Mitglieder zu planen.“

Stress macht dünnhäutig

Und auch, wenn ein Leben ganz ohne Karneval für Frank Pauli nicht existiert, und er spätestens Ostern wieder die entsprechende Musik braucht, genießt er doch eine weitestgehend karnevalsfreie Fastenzeit. „Stress macht dünnhäutig, auch wenn es positiver Stress ist, wie ich ihn währen der Session erlebt habe. Deswegen ist eine Pause gut. Für mich ist die Fastenzeit aber in erster Linie eine Zeit, zum Nachdenken. Ich versuche, Dinge zu erkennen, die zu selbstverständlich geworden sind.“

Auf der Suche nach einem Beispiel kommt Pauli dann doch ziemlich schnell wieder zum Karneval zurück. „Ich habe dank meiner Zeit als Adjutant wirklich noch einmal gesehen, wie toll das ist, was die Menschen in meiner kleinen Gesellschaft alles in kompletter Eigenregie auf die Beine stellen. Dafür bin ich sehr denkbar und darüber denke ich in der Fastenzeit oft nach.“

Darüber hinaus nutzt der begeisterte Hobby-Koch die Wochen ohne Karneval vor allem, um seine Freunde zu treffen, die sich nicht im Karneval engagieren. „Das sind zwar nicht viele“, sagt Pauli. „Aber es gibt sie. Und für die habe ich jetzt Zeit. Das ist schön.“