Binsfeld: Familie Ruland hat Leichen im Keller

Binsfeld: Familie Ruland hat Leichen im Keller

In einer Schatulle liegen abgehackte Finger und blutige Zähne, in einem Glas wartet ein Gehirn auf die nächste Testreihe, auf dem Boden laufen Ratten zwischen Seilen umher, im Keller lebt Norman, der Zombie. Nein, wir sind nicht mitten in einer Horrorszene, sondern in dem von außen unscheinbar wirkenden Haus von Jörg und Sabine Ruland.

Im Flur empfängt Frankenstein die Gäste, gegessen wird neben Chucky, der narbenübersäten Mörderpuppe aus gleichnamigem Film, und der „Mumie“ im Pharaonen-Sarg. Beim Fernsehen schauen „der Unsichtbare“ aus einem Horrorfilm der 30er Jahre und Frankenstein in Lebensgröße der Familie über die Schultern. Jörg Rulands Oma ist schuld, dass der damals Sechsjährige im Fernsehen schon einen Blick auf Frankenstein geworfen hatte.

In einer Schatulle liegen abgehackte Finger und blutige Zähne, in einem Glas wartet ein Gehirn auf die nächste Testreihe, auf dem Boden laufen Ratten zwischen Seilen umher, im Keller lebt Norman, der Zombie. Foto: Sarah Maria Berners

Doch statt schlafloser Nächte war bei Jörg Ruland die Begeisterung für die Maskenbildnerei geweckt. Mit Modelliermasse erschuf Jörg Ruland seinen ersten Frankenstein. „Figuren und Bilder gab es damals kaum, also musste ich sie mir machen“, erklärt der 47-Jährige. Zum Spielen waren ihm die Figuren schon damals zu schade. „Es fasziniert mich, Dinge, die nicht existieren, künstlerisch darzustellen“, erklärt Jörg Ruland.

Gollum aus „Der Herr der Ringe“ ist das nächste Projekt von Jörg Ruland. Für den Körper der Figur hat eine der Töchter Modell gestanden. Auf eine andere Tochter geht der Gipsabdruck für den Körper von Chucky, der Mörderpuppe, zurück. Foto: Sarah Maria Berners

Doch die Kunst rückte in den Hintergrund, die Arbeit in einer Lackiererei an ihre Stelle. Die Faszination für Filme aus dem Grusel- und Horror-Genre blieb bestehen, die Fertigkeiten für die Maskenbildnerei hat Ruland sich Stück für Stück selbst beigebracht. „Du hast Talent, mach etwas daraus“, hat seine Frau Sabine dann gefordert. Beim Besuch bei einer Horror-Fanmesse in Oberhausen seien die Menschen von den Figuren begeistert gewesen.

In einer Schatulle liegen abgehackte Finger und blutige Zähne, in einem Glas wartet ein Gehirn auf die nächste Testreihe, auf dem Boden laufen Ratten zwischen Seilen umher, im Keller lebt Norman, der Zombie. Foto: Sarah Maria Berners

Und so kommt es, dass die vier Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren zwischen Gruselgestalten aufwachsen. „Die Kinder kennen den Kontext der Figuren nicht und haben daher keine Angst“, betont Sabine Ruland. Die „appen Finger“ in der Kiste seien für die Kinder Requisiten, die keinen Grund zum Ekeln oder Fürchten böten. Die Kindern lernten die Figuren als Kunstwerke kennen. Was das Anschauen von Filmen angeht, achten die Rulands jedoch streng auf Altersfreigaben.

In einer Schatulle liegen abgehackte Finger und blutige Zähne, in einem Glas wartet ein Gehirn auf die nächste Testreihe, auf dem Boden laufen Ratten zwischen Seilen umher, im Keller lebt Norman, der Zombie. Foto: Sarah Maria Berners

„Solche Filme können negative Auswirkungen haben, wenn sie im falschen Alter nicht richtig eingeordnet werden können“, betont die Mutter. Als detailversessen beschreibt Jörg Ruland sich selbst. Er möchte, dass seine Figuren authentisch aussehen. 180 Stunden braucht er für eine lebensgroße Figur, bei der er Hände und Gesicht modelliert und den Körper aus Materialen wie Brettern, Luftpolsterfolie und Metall zusammenbaut.

Bei der Wahl der Kostüme und den Schriftzügen ist die Ehefrau gefragt. Und auch die Oma, die sich fürs Gruseln eigentlich nicht begeistern kann, greift dann zur Nähmaschine.

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