Bundesweite Befragung: Fahrradklima in Düren bekommt Schulnote 4,2

Bundesweite Befragung : Fahrradklima in Düren bekommt Schulnote 4,2

Ein wenig erweckt der Fahrradklimatest, den der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) alle zwei Jahre durchführt, den Eindruck eines Zeugnisses. Es gibt verschiedene Kategorien und unter dem Strich steht eine Note.

Die Stadt Düren bekommt eine 4,2, verschlechtert sich damit leicht im Vergleich zu 2016 und landet im Ranking gleichgroßer Städte auf Platz 80 von 106.

Der Ortsverband der Grünen in Düren sieht sich durch dieses Ergebnis in seinen Forderungen bestätigt: „Es muss viel mehr für den Radverkehr getan werden, der öffentliche Raum muss anders verteilt werden“, ist Georg Schmitz, Sprecher des Ortsverbandes, überzeugt. Und die Vertreter der Initiative „Pro Rad“ sind sich sicher, dass die Ergebnisse sogar „noch deutlich dramatischer ausgefallen wären, wenn mehr ,Seltenfahrer‘ und Nichtfahrer am Fahrradklimatest teilgenommen hätten“, schreiben sie in einer Mitteilung.

Konkurrenzkampf um Fläche

Deutlich nüchterner schauen zwei Herren im Rathaus auf die Ergebnisse: Fahrradbeauftragter Uwe Schmitz und Benjamin Raßmanns, zuständig für Klimaschutz- und Mobilitätsmanagement. Sie meinen, man müsse den Fahrradklimatest realistisch sehen. „In den Städten in NRW gibt es eine enge Bebauung und einen Konkurrenzkampf um Fläche zwischen den verschiedenen Verkehrsmitteln, ruhendem und fließendem Verkehr.

 Karlsruhe ist beste Großstadt geworden – mit 3,1. Das Schulnotensystem lässt sich daher nicht wie eine Schablone übertragen“, sagt Benjamin Raßmanns. Außerdem nähmen höchstwahrscheinlich hauptsächlich fahrradaffine Bürger an der Befragung teil, die sich Verhältnisse wie in den Niederlanden oder Kopenhagen wünschten. Kurzfristig sei der Standard dieser Regionen in Düren aber nicht umzusetzen.

Teilgenommen haben in Düren 307 Personen, vor zwei Jahren waren es 330. Sie bewerteten die Erreichbarkeit des Stadtzentrums als positiv, genau wie die Wegweisung für Radfahrer und dass zügiges Radfahren möglich ist. Die größten Kritikpunkte sind die schlechte Verkehrsführung an Baustellen, das geringe Angebot an öffentlichen Leihfahrrädern, aber vor allem die fehlenden Falschparkerkontrollen auf Radwegen. Dafür gab die Hälfte der Teilnehmer die Schulnote 6.

Dieses Problem hat bereits der vorangegangene Fahrradklimatest aus dem Jahr 2016 als großes Manko herausgestellt. Verantwortlich für die Kontrollen ist das Ordnungsamt. Dessen Leiterin Simone Warawko kann die Kritik nicht nachvollziehen. „Seit Mai 2018 haben wir extra eine Fahrradstreife eingerichtet. Die Kollegen sind auf E-Bikes unterwegs, so dass sie nicht nur in der Innenstadt kontrollieren, sondern auch im Umfeld.“ Wer länger als drei Minuten auf einem Schutzstreifen hält oder sein Fahrzeug dort abstellt, zahlt 20 Euro, falls dabei der Radverkehr so behindert wird, dass Radfahrer auf den fließenden Verkehr ausweichen müssen, kostet das 30 Euro.

Massive Beschwerden von Radfahrern hat es zum Beispiel gegenüber der Post gegeben. Benjamin Raßmanns: „Wir haben die Beschilderung angepasst und die Kollegen gehen mehrmals täglich kontrollieren.“ In den Zuständigkeitsbereich der Tiefbauamtsmitarbeiter fällt jedoch die Kontrolle der Baustellen. „Es gibt so viele Straßenaufbrüche, dass der Kollege nicht alle kontrollieren kann“, erklärt Uwe Schmitz. Raßmanns ergänzt, dass man nun personell aufgestockt habe, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Als kurzfristige Maßnahmen zur Verbesserung des Fahrradklimas sind die Markierungen weiterer Radschutzstreifen vorgesehen. „In diesem Jahr markieren wir weitere 15 Kilometer“, kündigt Raßmanns an. „Die Schutzstreifen werden breiter und komfortabler als die bisherigen nicht mehr gesetzeskonformen Mehrzweckstreifen.“

Arbeiten beim Tiefbauamt im Team Nachhaltige Mobilität: Benjamin Raßmanns (links) und der Fahrradbeauftragte Uwe Schmitz. Foto: ZVA/Anne Welkener

„Pro Rad“ würde sich eine andere Herangehensweise wünschen: „Wir appellieren an die Verantwortlichen der Stadt, bei der Radverkehrsplanung nach dem Prinzip ,mehr vom Gleichen’ – also mehr Schutzstreifen – innezuhalten und für einen Paradigmenwechsel offen zu sein.“ Für die Initiative ist entscheidend: „Wo es keine physikalische Trennung gibt zwischen Verkehrsteilnehmern mit erheblichem Geschwindigkeitsunterschied, gibt es eine erhöhte Unfallwahrscheinlichkeit.“ Dies gelte sowohl auf der Straße für Auto und Rad als auch für gemeinsame Fuß- und Radwege.

Um auf Hauptstraßen den Konflikt zu entschärfen, möchte das Tiefbauamt Nebenstrecken für Radfahrer attraktiver gestalten. Dafür soll in diesem oder spätestens dem nächsten Jahr ein Radvorrangroutenkonzept erstellt werden, in dessen Rahmen auch Fahrradstraßen umgesetzt werden könnten. Wichtig ist Schmitz und Raßmanns, sich mit Verbänden rückzukoppeln, beispielsweise über das Mobilitätsforum oder weitere Beteiligungsformen Anregungen einzuholen und auch das Knowhow von „Pro Rad“ zu nutzen. Alles natürlich unter der Voraussetzung, dass die Politik zeitnah entsprechende Finanzmittel zur Verfügung stellt.

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