Düren: Fahrradfreundlicheres Düren: „Schutzstreifen sind ein Kompromiss“

Düren: Fahrradfreundlicheres Düren: „Schutzstreifen sind ein Kompromiss“

Das Thema Radwege bewegt nicht nur diejenigen, die täglich in Düren mit dem Drahtesel unterwegs sind, sondern auch die Arbeitsgemeinschaft ProRad Düren. Rob Maris und Tanja Malchow sind Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft und gehören innerhalb der Gruppe der Mehrheit an, die sich für eine vom Autoverkehr getrennte Radinfrastruktur einsetzt.

Maris: „Nach einer aktuellen Umfrage wird das von den meisten Radfahrern im Alltag bevorzugt. Innerhalb von ProRad hätte eine kleine Minderheit den Radverkehr lieber auf der Straße, weil man dann präsenter für die Autofahrer ist und oft schneller fahren kann.“

Dass es innerhalb der Gruppe verschiedene Meinungen gibt, zeigt, dass es bei der Frage, wo Fahrräder im Verkehr am besten aufgehoben sind, nicht den einen goldenen Weg gibt. Viele Wege führen nach Rom. Welche Wege nun aber für Radfahrer am besten durch Düren und das Umland führen, bietet Stoff für Diskussionen. Alternativen gibt es einige: Radwege, Radfahrstreifen, Schutzstreifen oder geschützte Radfahrstreifen.

Was ziemlich ähnlich klingt, hat kleine aber feine Unterschiede. Der Radweg ist ein eigens gekennzeichneter Weg und baulich von der Hauptfahrbahn getrennt, zum Beispiel durch den Bordstein. Ebenfalls baulich getrennt und damit für Autos nicht befahrbar ist der geschützte Radfahrstreifen (siehe Grafik oben). Durch Poller werden die Bereiche von zwei- und vierrädrigen Fahrzeugen getrennt. In Düren häufig zu finden sind Radfahrstreifen mit durchgezogener Linie zur Hauptfahrbahn und Schutzstreifen mit gestrichelter Linie (siehe kleine Bilder).

Bei der Frage, was sicherer ist, scheint es bei ProRad und der Stadt Düren unterschiedliche Meinungen zu geben. Die Stadt teilte der AG Anfang des Jahres mit, dass Schutzstreifen besser seien als Radwege. Malchow: „Das bezieht sich aber auf die alten Radwege in Düren. Die sind zu schmal, es stehen Laternen im Weg, sie haben schlechten Belag und sind nicht sehr geradlinig gebaut.“ Im Vergleich zu diesen alten Wegen würde ProRad den Schutzstreifen vorziehen. Grundsätzlich halten die Interessenvertreter vernünftig gebaute Radwege aber für sicherer als Schutzstreifen und denken dabei besonders an Alltagsradler.

Dass bauliche Radwege nicht überall in Düren realisierbar sind, ist Rob Maris und Tanja Malchow natürlich bewusst. Der Schutzstreifen sei ein Kompromiss, betonten sie, aber nicht überall die beste Lösung. Malchow: „Wir würden gern mit der Stadt ins Gespräch kommen, um gemeinsam zu schauen, wo Radwege machbar wären.“ Das einfache Aufpinseln von Farbe sei zwar bequem, aber „Farbe ist keine Infrastruktur“, zitiert Maris den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC).

Schutzstreifen oder Radweg

Ein Beitrag, um die Streitfrage „Schutzstreifen oder Radweg?“ elegant zu lösen, wäre aus Sicht von ProRad, sternförmig von der Stadtmitte wegführende Strecken für Radler zu realisieren, die durch Wohngebiete verlaufen. Ein Beispiel nennen Malchow und Maris die „Veloroute Valencienner Straße“. Sie stellen sich eine Radstrecke von der City über die Goethestraße durch den Willy-Brandt-Park über eine neue Rurbrücke bis zur Valencienner Straße vor — mit Perspektive auf eine Erweiterung in Richtung Gürzenich.

Es sind aber nicht nur größere Ideen wie diese, mit denen die Mitglieder von ProRad schwanger gehen, sondern auch Verbesserungsvorschläge für die alltäglichen Problemzonen der Dürener Radinfrastruktur. Wie viel Handlungsbedarf dort besteht, macht Maris an einem Beispiel deutlich: Er kenne E-Bike-Fahrer in fortgeschrittenem Alter, die sich nicht mit den Rädern in die Stadt trauen, weil es dort ihrer Ansicht nach zu gefährlich sei. Um sanierungs- oder verbesserungswürdige Straßen zu sammeln und Lösungsvorschläge erarbeiten zu können, hat Maris eine Internetplattform entwickelt, auf der Bürger eintragen können, an welchen Stellen die Radinfrastruktur verbessert werden müsste.

Wer eine solche Problemstelle — gern auch direkt mit Bild — melden möchte, schreibt eine Mail an: sanierung@prorad-dn.de. „Diese Plattform kann eine Unterstützung für die Stadt sein — wenn sie sie denn annimmt“, meint Malchow. Rob Maris sieht sie als einen Schritt hin zu seiner großen Vision: Er möchte, dass Düren fahrradfreundlichste Nicht-Studentenstadt östlich von Holland wird.

wiki.prorad-dn.de

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