Expertenrunde über Digitalisierung im Gesundheitswesen

Veranstaltung des Lions-Clubs Kreuzau-Rureifel : Sechs Experten diskutieren über Digitalisierung im Krankenhaus

Wie steht es um die Digitalisierung im Gesundheitswesen? Es ist schon ein paar Tage her, als mit der damaligen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt im Krankenhaus Düren auf lokaler Ebene ein Startschuss gefallen ist. 17 Jahre, um genau zu sein.

„Es gibt immer neue Aufschläge, aber den richtigen Durchbruch haben wir noch nicht geschafft“, bilanzierte Geschäftsführer Dr. Gereon Blum zu Beginn des Forums „Digitalisierung im Gesundheitswesen“, zu dem der Lions Club Kreuzau-Rureifel in Kooperation mit dem Krankenhaus eingeladen hatte. Sechs Experten stellten Projekte vor und skizzierten eine digitale Zukunft.

Während beispielsweise in Brasilien in vielen Kliniken von der Einlasskontrolle bis zur Rechnungsstellung digitalisiert sind, machen sich die Entscheider in Deutschland oft noch Gedanken, schilderte Blum. Projekte wie der Tele-Notarzt und die digitale Patientenakte, an denen sich das Krankenhaus beteiligt, seien oft noch nicht bundesweit nutzbar. „Die Digitalisierung wird unsere Berufsbilder verändern. Aber wenn wir das nicht machen, werden wir abgehängt“, gab Blum den 70 Zuhörern mit auf den Weg. Moderiert wurde das Forum von Professor Dr. Stefan Schröder.

Gerrit Schick von Philips stellte digitale Prozesse vor, die Ärzte und Pflegepersonal unterstützen, die besten Resultate in der Gesundheitsvorsorge unter Beachtung eines wirtschaftlichen Ansatzes zu erzielen. Von der Diagnose über die Therapie bis hin zur Nachsorge und Prävention spielen Vernetzung sowie eine kontinuierliche Erhebung und Bewertung gesundheitsrelevanter Daten eine große Rolle auf dem Weg von der reaktiven Krankheitsversorgung zum proaktiven Gesundheitsmanagement. Mit der Einführung eines Krankenhaus-Informationssystems nach brasilianischem Vorbild mache die Dürener Klinik einen großen Schritt nach vorn.

Den Blick auf den Patienten richtete Uwe Diehm von der „m.Doc“ GmbH. Das Unternehmen betreibt eine Plattform, damit sich Kliniken und Patienten vernetzen. Ziel sind die Verbesserung der Kommunikation im Klinikalltag sowie die Optimierung der Versorgungsabläufe über sämtliche Phasen ambulanter, stationärer und nachstätionärer Prozesse hinweg.

Lions Präsident Winfried H. Zientz stellte das von ihm in Zusammenarbeit mit der Klinik für Anästhesie und Schmerztherapie des Krankenhauses entwickelte Instrument „Klinik-Weiterbildung“ vor, mit dem online Personal geschult werden kann.

Der Tele-Notarzt hat nicht nur in medizinisch unterversorgten Regionen Potenzial, ist Professor Dr. Rolf Rossaint von der Uniklinik Aachen überzeugt. Das System führe zu einer Ressourcenschonung und erhöhe zugleich die Verfügbarkeit des konventionellen Notarztes für bedrohliche Notfälle wie Herz-Kreislaufstillstände, da Paralleleinsätze möglich sind. Das Potenzial der telemedizinischen Vernetzung, bei der Geräte und Experten vernetzt werden und von verschiedenen Orten gemeinsam operieren können, beleuchtete Professor Dr. Gernot Marx von der Uniklinik Aachen. Die Vorteile der in Düren entwickelten und für den bundesweiten Einsatz freigegebenen elektronischen Arztbriefe skizzierte Dr. Erich Gehlen von der Duria EG.

„Nach dem heutigen Abend werden weitere Veranstaltungen folgen“, zog Präsident Winfried H. Zientz eine positive Bilanz. Die regen Diskussionen nach den Vorträgen zeigten, dass der Lions Club bei der Auswahl dieses Themas goldrichtig lag. Der Spendenerlös des Forums wird zu gleichen Teilen für das Ausbildungsengagement im Krankenhaus und das Lions Projekt „Klasse 2000“ zur Gesundheitsvorsorge verwendet.

(sj)
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